Bier, Wein und Spirituosen gibt es nur in Italien billiger als in Deutschland. Der Preis für Alkohol liegt 14 Prozent unter dem EU-Durchschnittswert, teilt das statistische Bundesamt mit.
05.01.2026 | 0:47 min
Niedrige Preise für Alkohol bei noch geringerem Absatz: Das ist die Erkenntnis des Statistischen Bundesamtes zum Jahreswechsel. Für die Gesundheit jedes Einzelnen ist das eine gute Nachricht. Für die Wirtschaft aber könne das zum Fiasko werden, sagt Gastwirt Michael Franz aus Dormagen.
Der umsatzschwächste Monat im Jahr ist der Januar. Er folgt auf den umsatzstärksten, den Dezember. „Im Dezember können wir uns vor Anfragen zu Weihnachtsfeiern kaum retten, da klingelt die Kasse“, sagt der Pächter eines Brauereihauses in der Dormagener Innenstadt.
Ganz anders beschreibt der Gastwirt den Folgemonat Januar – da breche der Umsatz ein:
Im Januar sitzt das Geld nicht mehr so locker und die Menschen sparen. Viele wollen auch was für die Gesundheit tun und schwören dem Alkoholkonsum ab, wenn auch nicht für lange Zeit.
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Michael Franz, Gastwirt
Darum ist Deutschland ein Billig-Alkohol-Land
Der Alkoholkonsum geht zurück – trotz fallender Preise. Die Preise für Wein, Spirituosen oder Bier liegen hierzulande 14 Prozent unter dem Durchschnittswert der Europäischen Union, wie das Statistische Bundesamt anlässlich des „Dry January“ („trockener Januar“) bekannt gibt. Einzig und allein in Italien ist der Alkohol noch günstiger als bei uns. Aber warum sind die Preise für Alkohol bei uns so niedrig?
„Es gibt keine unbedenkliche Menge an Alkohol, die man zu sich nehmen kann, für die Gesundheit“, so Dr. Daniela Koppold, Allgemeinärztin an der Charité Berlin.
10.01.2025 | 6:47 min
Brauhausbetreiber Michael Franz aus Dormagen sieht den Grund hauptsächlich bei den geringen Steuern; ganz besonders der lange nicht erhöhten Biersteuer. Sie wurde das letzte Mal 1993 angehoben.
Auf Wein wird in Deutschland gar keine zusätzliche Steuer erhoben. Eine starke Konkurrenz sowie Billigangebote und Flatrate-Aktionen fördern die niedrigen Preise ebenfalls.
Die gesellschaftlichen Kosten bleiben indes hoch. Durch Krankheiten und damit einhergehende Produktivitätsverluste entstehen Kosten in Höhe von 57 Milliarden Euro pro Jahr.
Sucht bei Frauen ist hochtabuisiert – und Sucht bei Müttern fast unsichtbar. In einer Einrichtung in Bayern sollen Mütter lernen, ein Leben ohne Sucht aufzubauen.
02.01.2026 | 7:52 min
Deutschland im EU-Vergleich
Am teuersten ist Alkohol in Finnland: Dort lag das Preisniveau für Alkohol 110 Prozent über dem EU-Mittelwert. Auch in einigen Nachbarstaaten Deutschlands war Alkohol vergleichsweise teuer – etwa in Dänemark (23 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt), Belgien (plus 13 Prozent) und in Polen (plus 9 Prozent). Der Grund für die vergleichsweise konstant hohen Preise im EU-Ausland sind die Steuern.
Der Vorteil liegt im Nachteil
Unsere Gastwirte machen nur noch wenig Umsatz mit dem Verkauf von Alkohol.
Die Kehrseite der Medaille aber dürfte gefallen. Denn die Zahl der Alkoholvergiftungen sinkt. Junge Menschen haben ganz offenbar keine Lust mehr auf Komasaufen, das lange ein Trend unter Jugendlichen war, wie eine Studie der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zeigt.
Aber laut dem Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KBV), Andreas Gassen, gibt es noch zu viele Alkoholsuchtkranke. In der Rheinischen Post fordert er eine höhere Steuer auf Zucker, Tabak und Alkohol.
Es gibt Wege, Einnahmen gezielt zu erhöhen: Wir brauchen endlich eine Zuckersteuer wie in skandinavischen Ländern. Zugleich sollten Tabak- und Alkoholsteuer erhöht werden.
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Andreas Gassen, Kassenärztliche Vereinigung