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Die große Panzer-Innovation scheint gescheitert. Offenbar wird der T-90-Panzer mit T-14-Armata-Technik modernisiert. Russland setzt weiter auf Masse.
Moskau – „Russlands Panzeralbtraum nimmt einfach kein Ende“, schreibt Brandon J. Weichert. Der Autor von National Interest hat damit bereits vor mehr als einem Jahr verwundert festgestellt, dass Wladimir Putins Panzerwaffe im Ukraine-Krieg keine Gewinne realisiert, sondern dass sich Russlands „Wunderwaffe“ als Rohrkrepierer erweist. Laut dem Business Insider (BI) reiben sich jetzt auch britische Militärs die Augen: Sie erwarten das Anrücken von Russlands Superpanzer. Aber das offenbar vergeblich. Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass ein großangelegter Angriff auf die NATO entweder ganz ausbleiben müsste, oder anders aussähe, als befürchtet.
Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgen
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„Wir hätten wohl mehr von ihrer Prestigeausrüstung erwartet“, sagte gegenüber dem BI ein britischer „Major Maguire“. Der Offizier und Ausbilder von ukrainischen Soldaten vermisst vor allem den T-14 Armata. Ihm zufolge sei diese Waffe „die Ausrüstung, gegen die wir trainieren, die mit der Bedrohungslage Schritt hält“. Fast seit Anbeginn des als Spezialoperation bezeichneten völkerrechtswidrigen Überfalls der Ukraine rechneten Beobachter mit dem Aufmarsch der russischen Panzer-Elite. Allerdings vergebens, da sich schnell zeigte, wie verwundbar die im Zweiten Weltkrieg entscheidende und auch im Kalten Krieg hochgezüchtete Panzerwaffe generell sein würde. Russlands Verluste schossen in die Höhe. Offenbar hat sich Russland von dem T-14 keine große Wende im Ukraine-Krieg versprochen.
„Die Panzer, die da durch die Gegend rollen, sind nicht so verschieden, wie das ihre T-Nummern andeuten“, sagt Ralf Raths – wobei der T-14 durchaus heraussteche aus dem Quartett T-64, T-72, T-80 und T-90, die im Ukraine-Krieg herumrasselten, so der Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster. Welches Baujahr auf welches treffe, sei seiner Meinung nach wenig gefechtsentscheidend. „Die Modelle, die da herumfahren gehören alle zu einer Familie, mit nur kleinen Entwicklungsschritten zwischen den unterschiedlichen Nummern.“ Ihm zufolge müsste schon ein technischer Quantensprung bestehen zwischen zwei Panzern, damit ein klarer Sieger von vornherein feststünde. Das sei in den Golf-Kriegen so gewesen.
Putins Glück: Technische Überlegenheit keine Garantie auf den Gewinn eines Feuergefechts
Wie aber der Einsatz des M1 Abrams im Ukraine-Krieg gezeigt hat, bietet auch technische Überlegenheit keine Garantie auf den Gewinn eines Feuergefechts – das mag ein Grund sein für die Zurückhaltung Russlands seine vermeintlichen Elite-Panzer in die Schlacht zu werfen. „Es ist unwahrscheinlich, dass das Militär von Wladimir Putin seinen wertvollen T-14 Armata-Panzer im Kampf in der Ukraine einsetzen wird, da er ,zu wertvoll‘ sei“, sagte ein Verbündeter des russischen Präsidenten bereits Anfang 2024 gegenüber Newsweek. Für den Militärhistoriker Raths ist ohnehin der menschliche Faktor um so wichtiger im Feuerkampf: Ausbildung der Truppe, Führung und Moral.
„Brancheneinschätzungen deuten darauf hin, dass sich die einzigartige Antriebsstruktur, die fortschrittliche Sensorik und die aktiven Schutzkomponenten des Armata unter dem kombinierten Druck von Sanktionen, Kriegsverlusten und Lieferkettenunterbrechungen als schwer industrialisierbar erwiesen haben.“
„Die ukrainischen Kräfte sind so ausgebildet worden, dass sie dort im Kampf bestehen können“, sagte der deutsche Brigadegeneral Björn Schulz im Bundeswehr-Podcast Nachgefragt: Auch die immer wieder als „Gamechanger“ apostrophierten westlichen Panzer brachten der Ukraine wohl Vorteile in Form von Raumgewinnen auf ehemals besetztem Territorium, aber eben bisher keine Entscheidung gegen die russischen Invasoren. Aber selbst jetzt, wo der Ukraine-Krieg quasi auf der Kippe steht, bleibt der T-14-Panzer kaum mehr als eine Verheißung für Russland: „Man beachte außerdem, wie der Mythos um diesen angeblich einzigartigen russischen Panzer immer mehr zerfällt“, schrieb der Defense Express bereits Anfang 2024.
Russland Prestige-Panzer: T-14 Armata für Paraden und nicht für echte Kriege gedacht
Das Magazin wartete ebenfalls Anfang 2024 auf mit der provokanten Aussage: „Rostec gibt offiziell zu, dass der T-14 Armata für Paraden und nicht für echte Kriege gedacht ist.“ Der Grund liegt darin, dass Russland zu der Zeit lediglich über 20 Panzer dieses Typs verfügt habe und von denen keiner einen staatlichen Test habe absolvieren müssen – die Panzer seien lediglich Prototypen gewesen, so der Defense Express. Das Warten auf die Waffe zehrt offensichtlich an den Nerven der westlichen Militärs; seit Anfang 2024 überschlagen sich die Vermutungen, wo sie beibe. Unter NATO-Beobachtern gilt die Waffe als unausgereift – daher drängt sich ein Verdacht auf.
Russland wolle einen „Reputationsschaden“ vermeiden, formulierte Jake Epstein: „Russland hält seine neuesten Waffensysteme von der Ukraine fern, vermutlich aus Angst, eine Kampfniederlage könnte seinen Ruf ruinieren“, so der Autor des Business Insider aufgrund von britischen Geheimdienstberichten: „Jahre nach Beginn seiner Entwicklung ist das T-14-Programm weiterhin von Problemen wie Produktionsschwierigkeiten, Verzögerungen und einer Reduzierung der Flottengröße geplagt, während gleichzeitig die Zuverlässigkeit des Panzers in Frage gestellt wurde“, schreibt Epstein. Die Flotte habe längst in die Tausende gehen sollen, berichtet Brandon J. Weichert im National Interest: Ihm zufolge sollte die russische Armee zwischen 2015 und 2020 längst mehr als 2.300 T-14 Armata Kampfpanzer beschafft haben.
Schrauberkurs: Rekruten während der Wartungs- und Reparatur-Ausbildung an einem russischen T-14-Armata-Panzer. Das Fahrzeug soll die russische Panzerwaffe in die Zukunft führen; allerdings scheint Russland den Technologiesprung abbrechen zu müssen – die Technologie wird jetzt in frühere Modelle umgepflanzt. © IMAGO/Vadim Savitsky
Nach neuen Berichten sei das T-14-Programm – zunächst – offenbar gescheitert. Army Recognition spricht aktuell davon, dass die bestehenden T-14-Panzer ausgeschlachtet würden, um deren Schlüsseltechnologien in die anderen „Wunderwaffen“ Putins zu implementieren – in die T-90 beziehungsweise T-72. Das Magazin bezieht sich auf „mehrere Quellen aus dem Verteidigungsbereich“. Demnach gingen Analysten davon aus, dass Russland versuche, aus der Not eine Tugend zu machen und eher punktuell qualitative Verbesserungen herbeizuführen, als einen „echten Generationensprung“ zu vollziehen. Russland hatte mit dem T-14 versucht, vor allem die Silhouette des Panzers weiter konsequent abzuflachen. Der Turm blieb unbemannt, die Besatzung wurde stärker gekapselt, und die Panzerung verstärkt.
NATO-Gegner frühzeitig k.o.: Armata hat sich als schwer industrialisierbar erwiesen
Offenbar waren den Russen aber die Kosten explodiert, und die Entwicklung auch im Hinblick auf die Vorbereitung beziehungsweise die Durchführung des Ukraine-Krieges kaum fortzuführen gewesen. Ein Krieg war mit dieser Waffe kaum zu führen, dafür seien alle Kapazitäten in die Hochrüstung der T-72 und T-90 geflossen. „Brancheneinschätzungen deuten darauf hin, dass sich die einzigartige Antriebsstruktur, die fortschrittliche Sensorik und die aktiven Schutzkomponenten des Armata unter dem kombinierten Druck von Sanktionen, Kriegsverlusten und Lieferkettenunterbrechungen als schwer industrialisierbar erwiesen haben“, so Army Recognition. Russland ist prinzipiell seit der Annexion der Krim vor zehn Jahren dabei, seine Reserven zu plündern.
„Wladimir Putin hat bereits T-14 Armata Kampfpanzer bestellt, nun lässt er noch einmal 3.000 Exemplare des T-80 komplett modernisieren. Fragt sich nur: Was will Moskau mit so vielen Panzern?“ – vor rund zehn Jahren hatte der Stern lang und breit über diese Frage sinniert; inzwischen ist die Antwort klar. Im Ukraine-Krieg sind die Bestände an Kampfpanzern von Russlands Invasionsarmee zusammengeschmolzen wie Butter in der Sonne – ein Waffengang gegen die NATO scheint damit konventionell beinahe vom Tisch zu sein. Wenn Russland keinen T-14 auf die Beine stellen kann, werden die neueren NATO-Panzer wie der Leopard, der Panther oder der Black Panther den russischen Gegnern um eine Generation voraus sein.
Allerdings könnte Russland seinem Prinzip treu bleiben – also Masse statt Klasse. Obwohl das in der Ukraine aktuell auch scheitert. Wladimir Putin kann seine Verluste ausbalancieren; aber das bringt ihn auch keinen Schritt voran. Darauf wird sich die NATO aber wohl einstellen können, wie der Defense Express Sergej Tschemesow zitiert. Der Chef des Panzerbauers Rostec habe eingeräumt, „dass der T-14 zwar ,die bestehenden Panzer hinsichtlich ihrer Funktionalität deutlich übertrifft‘, aber schlichtweg zu teuer sei und es daher sinnvoller wäre, mit denselben Mitteln eine größere Anzahl anderer Fahrzeuge zu beschaffen“. (Quellen: National Interest, Business Insider, Deutsches Panzermuseum, Newsweek, Nachgefragt, Defense Express, Army Recognition, Stern) (hz)