Der Betreiber der Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana, in der nach einem verheerenden Feuer 40 Menschen ums Leben kamen, ist offenbar für die französische Justiz kein Unbekannter. Der Franzose Jacques M. geriet bereits früher wegen anderer Vergehen ins Visier der Ermittler, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag aus mit dem Fall vertrauten Kreisen erfuhr. Demnach wurde er vor 20 Jahren in der Region Savoyen wegen Zuhälterei festgenommen.
In der Silvesternacht waren in der Bar in Crans-Montana 40 Menschen bei einem Brand ums Leben gekommen. Bei den Toten handelte es sich überwiegend um Jugendliche und junge Erwachsene. Weitere 119 Personen wurden großteils schwer verletzt. Das Inferno wurde nach bisherigen Ermittlungen durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst, die Schaumstoff an der Decke in Brand setzte. Die Schweizer Justiz leitete Ermittlungen gegen die Barbetreiber ein.
Mittlerweile sind alle Todesopfer und Verletzten identifiziert. 22 der Todesopfer waren Schweizer, 18 weitere kamen aus dem Ausland, die meisten davon aus Frankreich und Italien; Deutsche waren nicht unter den Toten oder Verletzten.
Jüngsten Behördenangaben zufolge sind unter den Verletzten 69 Schweizer, 23 Franzosen und zwölf Italiener, darunter auch Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft. 83 Verletzte lagen am Montag weiterhin im Krankenhaus, dutzende von ihnen wurden mit schwersten Verbrennungen in Spezialkliniken in Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien behandelt.
Wie die „Bild“ berichtet, soll eine stark verengte Fluchttreppe aus dem Keller eine zentrale Rolle bei der Brandkatastrophe gespielt haben. Demnach sei der Treppenaufgang beim Umbau vor rund zehn Jahren von etwa drei Metern Breite nahezu halbiert worden. Das zeigten entsprechende Fotos, die den Ermittlern vorliegen sollen. In der Brandnacht konnten demnach nur wenige Menschen gleichzeitig die Treppe nutzen – zu wenig angesichts des sich schnell ausbreitenden Feuers und der Rauchentwicklung.
Die Genfer Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud kündigte laut „Bild“ an, zu prüfen, ob Sicherheitsvorschriften beim Umbau eingehalten wurden. Unklar sei, warum die verengte Treppe bei Kontrollen seit 2015 nicht beanstandet wurde. Auf den Umbaufotos seien zudem akustische Dämmmatten zu sehen, die laienhaft angebracht worden sein sollen und sich an Neujahr entzündet hatten. Auch brennbarer Schaumstoff befand sich offenbar in den verkleideten Wänden.
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Für Kritik sorgte das Verhalten des Crans-Montana-Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud, der zunächst auf Fragen zum Brandschutz nicht eingegangen sein soll und einen „Spiegel“-Journalisten scharf zurückgewiesen haben. Inzwischen habe er mitgeteilt, dass alle Unterlagen an die Staatsanwaltschaft übergeben worden seien und die Gemeinde eine Zivilklage gegen die Bar-Betreiber unterstütze.
Ein Bautagebuch des Betreibers deutet den Angaben zufolge darauf hin, dass der Umbau 2015 unter Zeitdruck stand. Noch am Tag der Neueröffnung sei in der Bar gearbeitet worden, heißt es. (Tsp/dpa)