
AUDIO: Reaktionen auf vorläufige Kriminalitätszahlen in Hamburg (1 Min)
Stand: 05.01.2026 17:18 Uhr
In Hamburg ist die Zahl der Gewalttaten im vergangenen Jahr gegenüber 2024 gesunken. Das geht aus einer vorläufigen Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Die Bürgerschaftsparteien beurteilen das ganz unterschiedlich.
Knapp 7.900 Gewalttaten registrierte die Hamburger Polizei von Januar bis November – gut sieben Prozent weniger als zur selben Zeit im Vorjahr. Es gab 55 vorsätzliche Tötungsdelikte und rund 5.500 Fälle von schwerer oder gefährlicher Körperverletzung. Noch deutlicher ist der Rückgang bei den Raubtaten: Dort gab es rund 2.000 Fälle und damit ein Minus von mehr als zehn Prozent.
Weniger Taten mit Messern und Schusswaffen
Auffällig ist, dass deutlich seltener Messer oder Schusswaffen eingesetzt wurden. Bei insgesamt 530 Taten betrug der Rückgang rund ein Drittel. Unklar ist, ob die Waffenverbote in Verkehrsmitteln und bei Veranstaltungen bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen. Das Risiko, mit einer Waffe erwischt zu werden ist aber hoch: Insgesamt 30.000 Menschen sind bei Waffenkontrollen überprüft worden.
SPD sieht Erfolg der Schwerpunktkontrollen am Hauptbahnhof
Der Rückgang bei den Waffendelikten ist für den SPD-Innenpolitiker Sören Schumacher ein Erfolg der Schwerpunktkontrollen am Hauptbahnhof. „Der langfristige Trend setzt sich fort: Hamburg wird immer sicherer“, so Schumacher. Das zeige eindrucksvoll, welch hervorragende Arbeit die Hamburger Polizei jeden Tag rund um die Uhr leiste. Den Rückgang der Gewaltkriminalität begrüßt die ganze Opposition. Doch Dennis Gladiator von der CDU bemängelt, dass nicht alle Deliktsfelder gleichermaßen sinken. Und offen sei, wie viele unerledigte Verfahren sich auf den Fensterbänken der Polizei türmten.
AfD: „Kein Grund für Beschönigungen“
AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann sieht „keinen Grund für Beschönigungen“. Deniz Celik von der Linksfraktion sagte: „Entgegen aller Angstmache von Rechts geht die Kriminalität in Hamburg nicht rauf, sondern runter.“ Aber auch Celik übt Kritik: Der Senat verstärke Überwachung und Kontrolle – zulasten der Grundrechte.
Polizeigewerkschaft lobt Einssatzkräfte für ihre Arbeit
Unterschiedlich fällt die Reaktion der Polizeivertreter aus. Die Gewerkschaft der Polizei Hamburg (GdP) sieht die Zahlen eher positiv. Der GdP-Landesvorsitzende Horst Niens erklärt NDR 90,3: „Der Rückgang der Gewalttaten ist vor allem ein Verdienst der Kolleginnen und Kollegen der Polizei. Mit hoher Präsenz, konsequentem Einschreiten und großem persönlichem Einsatz sorgen sie Tag für Tag für Sicherheit in Hamburg.“
Bund Deutscher Kriminalbeamter reagiert skeptischer
Skeptischer reagiert Jan Reinecke, Landesvorsitzender vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Hamburg: „Es wäre erfreulich, wenn es tatsächlich einen anhaltenden Negativtrend für Gewalttaten besonderer Deliktsbereiche in Hamburg gäbe und dieser Trend auch noch Schwerpunktmaßnahmen der Polizei Hamburg zugeschreiben werden könnte.“ Doch die seit einigen Jahren anhaltende Motivation, ausgewählte Erfolgsbotschaften zur Polizeilichen Kriminalstatistik unterjährig an Hamburger Medien durchzustechen, sei bekannt. „Auch ist bekannt, dass diese Erfolgsbotschaften dann regelmäßig von Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler damit eingefangen werden, dass die Kriminalstatistik nur eine Arbeitsstatistik ist“, so Reinecke. Für die Statistik ändere die Politik aber die Datenerfassung. Für Reinecke sei das Statistikpflege.
Komplette Statistik kommt im Februar
Die komplette Kriminalstatistik für 2025 will die Polizei Mitte Februar veröffentlichen. Dann wird auch über andere Verbrechensbereiche wie Diebstahl, Einbruch und Sexualdelikte berichtet. Deren Zahl war 2024 noch deutlich gestiegen.

Bei einem Schwerpunkteinsatz gegen Kriminalität stellten die Beamten unter anderem Messer, Pfefferspray und einen Schlagstock sicher.

Von Januar bis Juni dieses Jahres wurden bei der Polizei knapp 110.000 Fälle angezeigt. Das sind acht Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.