Ihr Lieben, sicherlich habt ihr längt mitbekommen, dass der Süden Berlins teilweise ohne Strom ist, Berlin Blackout wurde es auf Social Media genannt. Ich lebe in dem betroffenen Gebiet, hatte aber unglaubliches Glück.

Alles begann am Samstagmorgen. Als ich aufwachte, ging mein Handy nicht mehr, ich konnte keine Nachrichten empfangen oder schicken. Blödes W-LAN, dachte ich und aktivierte die mobilen Daten – aber auch da ging nichts. Schnell stellten wir fest, dass auch die Telefonleitungen tot sind. Da scheint was mit dem Strom zu sein, sagte mein Mann.

Als ich auf dem Weg zum Bäcker war, fragte mich ein Nachbar: Habt ihr Strom? Ja, Heizung und Licht funktionierten bei uns, was für ein Glück. Denn schon ein paar Häuser weiter war alles dunkel. „Bei uns geht nichts mehr“, sagte eine andere Nachbarin. Der Bäcker hatte zu, Stromausfall, genau wie bei der Apotheke und dem Supermarkt gegenüber. „Der ganze Block hinter uns hat keinen Strom“, sagte ich, als ich wieder nach Hause kam, noch immer hatten wir keine Ahnung, was wirklich los war.

Weil wir weiterhin keine Infos hatten und auch keine Nachrichten empfangen konnten, setzten wir uns ins Auto und fuhren in den nächsten Stadtteil, um die Nachrichtenlage zu checken und Freunde anzurufen. Wir merkten: Aus irgendeinem Grund waren wir wie das gallische Dorf mitten im römischen Reich – fast alle unsere Freunde und Bekannte hatten kein Licht und keine Heizung, insgesamt 50.000 Haushalte waren betroffen, bei uns funktionierte alles weitgehend normal.

Ersten Meldungen nach hieß es, um 18.30 Uhr sollte der Spuk vorbei sein – weit gefehlt, wie man heute weiß. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mussten evakuiert, alte Menschen aus ihren Wohnungen gerettet werden. Familien mussten ihre Wohnungen verlassen, weil es einfach zu kalt wurde. Wie schrecklich das für alte und/oder kranke Menschen sein musste!

Hilfsbereitschaft im Berlin Blackout

Was aber auch passierte, hat mich echt gerührt. Eine Welle der Hilfsbereitschaft wurde losgetreten. So viele Menschen öffneten ihre Häuser, Freunde kamen zum Duschen und Aufwärmen vorbei, man traf sich bei McDonalds im nächsten Stadtteil zum Handy-Aufladen. In den Gemeindehäusern wurden Feldbetten aufgestellt, noch funktionierende Restaurants verteilten heiße Suppen.

Man tauschte Taschenlampen, Powerbanks, Kerzen, lief zusammen ungläubig durch die komplett dunklen Stadtteile, staunte über die ausgefallenen Ampeln und die Polizei, die sehr präsent war (um Plünderer abzuschrecken). Die Welt drehte sich sehr langsam. Kein Internet, kein Handyempfang, kein Arbeiten, keine Streaming-Dienste – dafür viel Zusammensein. Es war bitterkalt und hat so viel geschneit wie lange nicht mehr. Als es hieß, dass die Schulen geschlossen bleiben, jubelten die Kinder und verabredeten sich direkt wieder auf dem Schlittenberg.

Schnee

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Plötzlich sprach man mit den Leuten, die einem auf der Straße entgegen kamen. Geht´s euch gut? Braucht ihr was? Und man kam ordentlich ins Nachdenken: Wie abhängig sind wir vom Strom! Krass, wie schnell Wohnungen auskühlen. Wie ungewohnt ist es, nicht kommunizieren zu können und keine Informationen zu erhalten. Und wer steckt hinter dem Anschlag?

Anders als in der Corona-Pandemie durfte man in dieser Krise zusammen sein – und das macht einen gewaltigen Unterschied. Und trotzdem hinterlässt das Ganze bei mir schon ein mulmiges Bauchgefühl. Wie verletzlich sind wir alle? Wie wäre die Situation, wenn ganz Berlin oder ganz Deutschland betroffen wäre und niemand mehr helfen könnte? Für so viele war dieser Start ins neue Jahr echt krass, lasst uns die Daumen drücken, dass es bald vorbei ist und der normale Alltag weitergehen kann.

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Katharina Nachtsheim

Katharina Nachtsheim arbeitet seit 15 Jahren als Journalistin, ihr Schwerpunkt sind dabei Familien-und Gesellschaftsthemen. Sie hat vier Kinder und lebt in Berlin.