Das Saarbrücker Traditionsunternehmen Foto + Digital Gressung GmbH, das im November 2024 noch sein 120-jähriges Bestehen gefeiert hatte, hat Insolvenz angemeldet. Das hat Geschäftsführer Johannes Gressung dem SR am Montag bestätigt. Das Geschäft in der Diskontopassage ist schon seit dem 19. Dezember geschlossen.
Schwierige Lage
„Die Reserven waren über Corona aufgebraucht“, erklärte Gressung zu den Gründen. Man habe versucht, die Firma zu stabilisieren – und 2025 sogar das beste Ergebnis seit zehn Jahren eingefahren.
Nichtsdestotrotz stehen Summen im mittleren fünfstelligen Bereich offen. Auslöser dafür sind die Hersteller der Kameras. Der Hintergrund: Bislang war es bei den Kameras – wie bei vielen anderen Elektrogeräten auch – üblich, dass die Hersteller für ihre Kunden Rabatte in Form von Cashback gewähren. Das bedeutet, der Kunde zahlt beim Händler den vollen Preis, bekommt aber vom Hersteller gegen Vorlage der Rechnung einen Teil des Geldes zurück.
Rabatte sorgen bei Händlern für Finanzierungslücken
Doch die Kamera-Hersteller haben dieses System nach und nach umgestellt – erst Nikon, dann Canon und zum Black Friday auch Sony. Sie wollen, dass die Händler ihre Kameras gleich mit Rabatt verkaufen und ihnen den Differenzbetrag zum Einkaufspreis erstatten – allerdings erst mit monatelanger Verzögerung.
„Das heißt, dass wir Kameras im Moment bis zu 20 Prozent teurer einkaufen, als sie abzugeben“, so Gressung. „Wir finanzieren mit einer Null-Prozent-Finanzierung die Industrie vor. Die Industrie hat uns komplett durch diese Maßnahmen die Möglichkeiten der Finanzierung genommen.“
Gespräche ohne Ergebnisse
Zwar habe man bei Messen und über den Fachhändlerverband Ringfoto immer wieder das Gespräch mit den Herstellern gesucht. Aber diese Gespräche hätten bislang zu keinem Ergebnis geführt. Gressung geht davon aus, dass noch viele mittelständische Händler wie er nachziehen werden. „Das ist eine total vertrackte Situation, in die uns die Industrie gebracht hat.“
Auch das Weihnachtsgeschäft konnte das Ruder bei Gressung nicht herumreißen. Deshalb habe man am 19. Dezember nachmittags die Reißleine gezogen und den Laden geschlossen. Ringfoto als Hauptgläubiger – Gressung bezieht über 90 Prozent der Ware von dort – habe auch den weiteren Verkauf untersagt. „Wir hoffen, dass es in den nächsten Tagen wieder öffnet“, so Gressung. Genaueres kann er aber nicht sagen.
Zur Insolvenzverwalterin wurde Petra Gerlach von der Saarbrücker Kanzlei Gerlach Wolf bestellt. Sie sucht nun das Gespräch mit allen Beteiligten – und auch mit Interessenten, die es für das Geschäft bereits gibt.
Über dieses Thema haben auch die SR info Nachrichten vom 05.01.2026 berichtet.