Ein Autoreifen liegt im Gebüsch, Menschen rufen aufgeregt durcheinander, Trillerpfeifen erklingen. Der schwerverletzte Fahrer des Unfallwagens lebt – noch. In Rückblenden wird sein Leben erzählt: Der Pariser Architekt Pierre Bérard lebt mit der jungen Übersetzerin Hélène zusammen. Von seiner Frau Catherine und seinem Sohn Bertrand hat er sich getrennt; doch verbindet sie noch ein freundschaftliches Verhältnis. Statt mit Hélène, wie versprochen, nach Tunis zu verreisen, sagt er seiner Ex-Frau und seinem Sohn einen Urlaub auf der Île de Ré zu.
Zwischen Hélène und Pierre kriselt es seit längerem. Pierre schreibt ihr einen Brief, in dem er die Trennung vorschlägt. Schließlich besinnt er sich und möchte Hélène in Rennes treffen, um ihr zu sagen, dass er sie heiraten will. Den Brief steckt er in seine Jackentasche. Auf der Fahrt zu einem Geschäftstermin in Rennes muss Pierre einem Hindernis ausweichen und schleudert gegen einen Lastwagen. Schwer verletzt wird er in ein Krankenhaus gebracht. Dort befinden sich bereits Catherine und Bertrand, Hélène trifft wenig später ein. Pierre stirbt schließlich an seinen schweren Verletzungen, doch der Trennungsbrief befindet sich weiterhin in seiner Jackentasche. Ein „technisch und ästhetisch brillanter und psychologisch sensibler“ Film. (Filmdienst)
„Dinge des Lebens“ brachte Claude Sautet endgültig seinen Durchbruch zu einem der erfolgreichsten Regisseure Frankreichs. Der melancholische Kassenerfolg förderte Romy Schneiders Image einer charakterstarken Schauspielerin erster Klasse. Sautet arbeitete hier das erste Mal mit Komponist Philippe Sarde zusammen, der in Zukunft die Musik zu allen seiner Filme komponieren sollte. „Dinge des Lebens“ wurde 1969 mit dem Louis-Delluc-Preis ausgezeichnet.
* Schwerpunkt: Hommage an Claude Sautet
Mit sechs Filmen würdigt ARTE vom 20. April bis 4. Mai den französischen Regisseur Claude Sautet. Zu sehen sind „Nelly & Monsieur Arnaud“ (1995), „Die Dinge des Lebens“ (1969), „Mado“ (1976), „Vincent, François, Paul und die anderen“ (1974), „Ein Herz im Winter“ (1992) und „Einige Tage mit mir“ (1988).
1924 in Paris geboren, studierte Sautet nach dem Zweiten Weltkrieg an der Pariser Filmhochschule IDHEC (heute La Fémis). Seinen Durchbruch brachte ihm 1969 „Die Dinge des Lebens“ mit Romy Schneider und Michel Piccoli in den Hauptrollen. Sautet pflegte eine besondere Beziehung zu seinen Schauspielern, mit welchen ihn innige Freundschaften verband. Mit seiner Muse Romy Schneider drehte er fünf, mit Michel Piccoli vier und mit Yves Montand drei Filme. Er war es, der Romy Schneider zu internationaler Anerkennung als Schauspielerin verhalf.
Claude Sautet hatte den Ruf eines bodenständigen Regisseurs. Mit seinen einfühlsamen Beobachtungen und sorgfältigen Inszenierungen schuf er „einen Spiegel unserer Epoche“, wie Jacques Chirac sein Schaffen bezeichnete. Seine Filme sind uneitel, dafür streng und peinlich genau – immer bestrebt nach Wahrhaftigkeit. Als ehemaliger Assistent von Jacques Becker („Goldhelm“) beeinflusste dieser ihn ebenso wie Jean Renoir („Die große Illusion“). Claude Sautet starb im Jahr 2000 im Alter von 76 Jahren.
Besetzung:
Pierre Bérard: Michel Piccoli
Hélène: Romy Schneider
Catherine Bérard: Lea Massari
Bertrand Bérard: Gérard Lartigau
Der Zänker: Boby Lapointe
Anhalterin: Dominique Zardi
François: Jean Bouise
Schnitt: Jacqueline Thiédot
Catherine Bérard: Léa Massari
Produzent: Raymond Danon, Roland Girard, Jean Bolvary
Mitwirkende:
Musikalische Leitung: Philippe Sarde
Kamera: Jean Boffety
Drehbuch: Jean-Loup Dabadie
Drehbuch: Jean-Loup Dabadie, Claude Sautet
Regie: Claude Sautet
Bildquelle: © 1969 Studiocanal/Fida Cinematografica