- Tausende Haushalte in Berlin erlebten ab Sonnabend einen mehrtägigen Blackout durch einen Brandanschlag; die linksextremistische Gruppe „Vulkan“ bekannte sich dazu.
- Bremen plant mit dem Landesprogramm „Bremen resilient“ eine bundesweit einzigartige Strategie zum Schutz kritischer Infrastrukturen, koordiniert über ein zentrales Büro.
- Laut SWB ist das bremische Stromnetz redundant und Ausfälle großflächig unwahrscheinlich; Notfallkonzepte bestehen, doch terroristische Angriffe sind nicht völlig abwehrbar.
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In Berlin sitzen Tausende Menschen daheim weiter im Dunkeln: Auf das Stromnetz vor Ort hat es einen Brandanschlag gegeben. Die linksextremistische Gruppe namens „Vulkan“ hat sich dazu bekannt. Der Stromausfall dauert seit Sonnabend an – ein Blackout über Tage in der Hauptstadt: Während einige Haushalte wieder mit Licht und Wärme versorgt sind, müssen in den betroffenen Stadtteilen mehr als 30.000 Haushalte womöglich noch bis Donnerstag ohne Energie ausharren. Ihnen soll mit Notstromaggregaten geholfen werden.
Wie will sich Bremen auf den Ernstfall vorbereiten?
Bremen will sich in Zukunft besser aufstellen, wenn es um den Schutz der Infrastruktur geht. Wahrscheinlich in der kommenden Woche soll das Landesprogramm „Bremen resilient“ vom Senat beschlossen werden. „Das ist bundesweit einzigartig und kein Papiertiger“, kündigte Bremens neue Innensenatorin Eva Högl (SPD) die Pläne an. Ein eigenes Büro koordiniere mehr als 60 Vorhaben. Erstmals könnten dort alle Maßnahmen zentral gelenkt werden – von der Trinkwasserversorgung bis zum Schutz kritischer Infrastrukturen. „Wir richten außerdem damit eine Struktur ein, die beide Themen – kritische Infrastrukturen und zivile Verteidigung – zusammenbringt“, sagte Högl dem WESER-KURIER auf Anfrage. Der Vorfall in Berlin zeige deutlich: Kritische Infrastruktur könne angegriffen werden. „Das nehmen wir sehr ernst – auch in Bremen“, sagte Högl. Schon heute arbeite man mit Energieversorger SWB eng zusammen. Zugleich betonte die Politikerin: „Das Stromnetz in Bremen ist sehr sicher.“ Das Programm ist keine Reaktion auf den Anschlag in Berlin, sondern wird seit längerer Zeit vorbereitet.
Wie wahrscheinlich ist hier ein Vorfall wie in Berlin?
Das bremische Stromnetz ist nach Angaben der SWB grundsätzlich redundant aufgebaut – wie in Deutschland insgesamt. „Das bedeutet, dass auch der Ausfall einer technischen Komponente oder einer Erzeugungseinheit nicht zu einem Stromausfall in einem größeren Netzgebiet führt“, erklärt es der Sprecher des Energieversorgers Niklas Oberbach. Zu kurzen Versorgungsunterbrechungen könne es immer mal wieder kommen, wenn zum Beispiel ein Baggerfahrer ein Kabel beschädige oder eine technische Störung eintrete. „Das zeigt auch der Alltag in Bremen und Bremerhaven. Diese Fälle betreffen in der Regel kleinere Gebiete und können nach kurzer Zeit behoben werden.“ Ein längerer Ausfall sei aufgrund der Netzstruktur unwahrscheinlich. „Komplett ausschließen lässt er sich aber, wie in jeder technischen Infrastruktur, nie“, sagt Oberbach. „Gezielte terroristische Angriffe, wie der Anschlag auf das Stromnetz in Berlin, sind nicht vollständig abwehrbar.“ Im Fall der Fälle greifen bei der SWB Notfallkonzepte. Regelmäßig gibt es Risikoanalysen und Stresstests für die Infrastruktur. Einen großflächigen, lang anhaltenden Blackout habe es in Bremen nach Kenntnisstand der SWB nicht gegeben. Bisher habe es auch keine Anschläge auf das Stromnetz hier gegeben.
Was können die Haushalte tun?
Betroffen sein können von einem Blackout je nach Infrastruktur auch Heizungen und die Wasserversorgung. Supermärkte sind bei einem Ausfall womöglich geschlossen – auch ihr Betrieb läuft nicht ohne Elektrizität. Bremens Innensenatorin hält Vorbereitungen der Bürger auf einen Ernstfall für sinnvoll: „Vorsorge ist keine Panikmache, sondern einfach klug.“ Wie auch für andere Fälle ist ein Vorrat an Lebensmitteln und Getränken zu empfehlen. Vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe heißt es: „Sie sollten sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen können.“ Trockenfrüchte sowie Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch in Konserven seien gut für den Vorrat oder auch Nüsse, Zwieback und Müsliriegel. Schließlich funktionieren auch Kühlschrank und Gefriertruhe beim Blackout nicht. Was außerdem hilft: Powerbanks und Akkus von Geräten aufladen, etwas Bargeld sowie ein Radio mit Batterien, um sich in der Not informieren zu können. Und in Bremen selbst? Standorte von Polizei und Feuerwehr sind hier mit Notstromaggregaten ausgestattet. Das Innenressort will zudem sicherstellen, dass öffentliche Einrichtungen und Krankenhäuser weiterhin mit Kraftstoff versorgt werden.
Warum hilft eine Solaranlage nicht unbedingt?
Viele Menschen in der Region beschäftigen ohnehin bereits die Fragen: Was passiert bei einem Blackout? Wie kann ich mich schützen? „Absolut“, berichtet Tobias Döpkens vom Bremer Unternehmen Adler Solar. Veranstaltungen zu diesen Fragen seien sehr gut besucht. Viele wollten für den Fall eines Stromausfalls gewappnet sein. Doch selbst wer eine Solaranlage auf dem Dach hat und genug Sonne: Strom gibt es deshalb nicht automatisch. „Das ist ein Trugschluss“, sagt Geschäftsführer Döpkens. Schließlich dürfe kein Strom ins Netz geleitet werden, wenn daran etwa Reparaturarbeiten stattfinden. Darum brauchen die Haushalte eine eigene Lösung – zum Beispiel einen Energiespeicher. Solche Systeme ließen sich auch nachrüsten. Bis vor einigen Jahren habe es Notstromversorgung nur für bestimmte Einrichtungen wie Krankenhäuser gegeben. Heute gebe es Technik auch für Endkunden. „Wir wollen aber keine Angst machen, sondern vor allem Aufklärung betreiben“, sagt Döpkens. Wenn die Sonne im Winter allerdings wenig scheint, hilft nur der Dieselgenerator weiter.
Welche Maßnahmen umfasst das Programm „Bremen resilient“ konkret zum Schutz der kritischen Infrastruktur?
Das Programm „Bremen resilient“ umfasst konkret die verpflichtende Registrierung von Betreibern kritischer Infrastrukturen, die Erstellung von Plänen zur Erhöhung ihrer Widerstandsfähigkeit sowie die Meldepflicht für Störfälle. Es betrifft elf Sektoren, darunter Energie, Transport, Gesundheit und Informationstechnik, deren Einrichtungen für die Versorgung von mehr als 500.000 Menschen relevant sind. Betreiber müssen alle potenziellen Gefahren – von Naturkatastrophen bis zu Sabotage – berücksichtigen und bei Verstößen mit Bußgeldern rechnen.
Quellen
Wie häufig und aus welchen Gründen kam es zuletzt in Bremen und Bremerhaven zu großflächigen Stromausfällen?
In Bremen und Bremerhaven kam es zuletzt mehrfach zu großflächigen Stromausfällen, unter anderem am 13. Juni 2023 in Bremerhaven, als etwa 15.000 Haushalte durch einen Kurzschluss im Mittelspannungsnetz betroffen waren, sowie am 7. Dezember in Bremen, wobei die genaue Ursache dort noch unklar ist. Ursachen für die Ausfälle waren insbesondere technische Defekte wie Kurzschlüsse, deren genaue Hintergründe zum Teil noch ermittelt werden. In beiden Städten wurden die Versorgung innerhalb von Stunden weitgehend wiederhergestellt, die Einsatzkräfte standen im engen Austausch mit den Netzbetreibern.
Quellen
Was müssen Haushalte im Fall eines Blackouts laut Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe konkret vorbereiten?
Laut den Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sollten Haushalte für einen Blackout insbesondere einen Lebensmittel- und Wasservorrat für zehn Tage anlegen, wobei die Produkte bei Zimmertemperatur haltbar und ohne Kochen essbar sein sollten. Zudem wird empfohlen, alternative Lichtquellen und Heizmöglichkeiten (z. B. batteriebetriebene Lampen, Campingkocher, warme Kleidung) sowie geladene Powerbanks, Radios (batteriebetrieben oder Kurbelradio), Ersatzakkus und ausreichend Bargeld bereitzuhalten. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch dem Trinkwasser: Für den eigenen Bedarf soll ein kleiner Vorrat aus Wasserkisten angelegt werden, da Versorgung über Notbrunnen oder Tankwagen im Katastrophenfall nicht sofort gesichert ist.
Quellen
Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.
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