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Im Iran dauern die Proteste weiter an. Laut Geheimdiensten, plant das geistliche Oberhaupt des Landes, es dem einstigen Verbündeten Assad aus Syrien gleichzutun.
Teheran – Der geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, könnte wie der ehemalige syrische Machthaber Baschar al-Assad zu Wladimir Putin nach Russland flüchten. Der Grund: Die Proteste im Iran gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage dauern weiter an. Zwar zeigte Chamenei Verständnis für die wirtschaftlichen Forderungen der Demonstranten, richtete zugleich jedoch eine Warnung an „Aufrührer“.
Wegen Demos im Iran schmiedet Chamanei wohl schon Pläne für eine Flucht zu Putin. © Wegen Demos im Iran schmiedet Chamanei wohl schon Pläne für eine Flucht zu Putin.
Laut einem Geheimdienstbericht arbeite Chamenei an einem Ausweichplan zur Flucht aus dem Land, falls seine Sicherheitskräfte die Proteste nicht unterdrücken können. Mit nach Moskau sollen neben dem 86-Jährigen auch ein enger Kreis von bis zu 20 Beratern und Familienmitgliedern fliehen. „Der ‚Plan B‘ ist für Khamenei und seinen engsten Kreis von Mitarbeitern und Familienmitgliedern, einschließlich seines Sohnes und designierten Thronfolgers Mojtaba, bestimmt“, sagte eine Geheimdienstquelle gegenüber der Times.
Weitere Tote bei Protesten im Iran: Chamenei warnt „Aufrührer“ vor Konsequenzen
Chamenei, äußerte sich am Samstag (3. Januar) erstmals vor Gläubigen in Teheran zu der Protestwelle. Er nannte die Forderungen der Händler „berechtigt“. Die Behörden sollten mit den Demonstrierenden in einen Dialog treten, fügte er hinzu. Zugleich richtete Chamenei eine Warnung an „Aufrührer“. Diese müssten „in die Schranken verwiesen werden“.
Zum Beginn der Proteste vor einer Woche demonstrierten vor allem Händler in Teheran, später schlossen sich auch Studierende in zahlreichen Städten der Protestbewegung an. Einer Erhebung der Nachrichtenagentur AFP zufolge wurde in mindestens 40 vor allem mittelgroßen Städten im Westen des Landes protestiert. Mindestens zwölf Menschen, darunter auch Sicherheitskräfte, wurden nach einer AFP-Auswertung von Behördenangaben und Medienberichten getötet.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran
Fotostrecke ansehenChamenei bewundert Putin: Russland würde von Irans Vermögensnetzwerk profitieren
Beni Sabti, der jahrzehntelang für den israelischen Geheimdienst tätig war, nachdem er acht Jahre nach der islamischen Revolution aus dem Regime geflohen war, sagte der Times, Chamenei werde nach Moskau fliehen, da es „keinen anderen Ort für ihn gibt“. Chamenei „bewundert Putin, und die iranische Kultur ähnelt eher der russischen Kultur“.
Für Putin dürfte Chamenei vor allem für sein bekanntermaßen umfangreiches Vermögensnetzwerk, das teilweise von Setad, einer der mächtigsten Organisationen Irans, verwaltet wird, interessant sein. Setad ist Teil eines Systems halbstaatlicher Wohltätigkeitsstiftungen, die für ihre intransparenten Finanzstrukturen bekannt sind. Laut einer Reuters-Recherche aus dem Jahr 2013 beliefen sich die Gesamtbestände auf 95 Milliarden US-Dollar, darunter Immobilien und Unternehmen, die sich allesamt im Besitz und unter der Kontrolle Chameneis befinden.
Überblick: Fakten zum geistlichen Oberhaupt des Iran Chamenei
- Geboren: 19. April 1939 in Mashhad
- Alter: 85 Jahre
- 1981–1989: Präsident des Iran während des Iran-Irak-Kriegs
- Seit 1989: Oberster Führer (Rahbar) des Iran – 37 Jahre an der Macht
- „Achse des Widerstands“: Führt Netzwerk gegen Israel und USA
- Kontrolle über: Revolutionsgarden, Justiz, Medien, Atomprogram
Säule der Achse des Widerstands: Iran und Syrien kämpften gemeinsam gegen die USA
Chamenei stand aber auch Assad sehr nahe. Der Iran galt neben Russland als der engste Verbündete des gestürzten Diktators Syriens. Chamenei hatte Syrien einst als „Säule der Achse des Widerstands“ beschrieben. Das ist ein Netzwerk der Länder und Organisationen, die sich im Nahen Osten gegen Israel und den Einfluss der USA stellen. Anders als Assad, der „nur“ Präsident von Syrien war, ist Chamenei als Oberster Führer die absolute Machtzentrale des iranischen Systems. Sein Flucht würde das gesamte theokratische System zum Einsturz bringen.
Das Ausmaß der Proteste im Iran erreichte bisher aber nicht das der Massendemonstrationen von 2022, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden waren. Während jener Proteste waren hunderte Menschen, darunter dutzende Sicherheitskräfte, getötet worden. Tausende Menschen wurden inhaftiert. Mehrere der Festgenommenen wurden hingerichtet. (Quellen: Times, dpa) (bg)