„Nur noch peinlich!“

Winterdienst erntet Spott und Lob zugleich

Aktualisiert am 06.01.2026 – 05:07 UhrLesedauer: 2 Min.

Winterdienst in Hannover im Einsatz (Archivbild): 6.000 Tonnen Steinsalz, 3.000 Tonnen Splitt und 400 Kubikmeter Solelösung lagern in den Depots.Vergrößern des Bildes

Winterdienst in Hannover im Einsatz (Archivbild): 6.000 Tonnen Steinsalz, 3.000 Tonnen Splitt und 400 Kubikmeter Solelösung lagern in den Depots. (Quelle: localpic/imago-images-bilder)

Schnee, Stillstand, Streit: Hannovers Winterdienst erlebt eine hitzige Debatten. Die Stadt verweist auf vollen Einsatz, die Bürger auf glatte Straßen.

Während die Stadt sich für ihren Winterdienst lobt, kochen in den sozialen Medien die Emotionen hoch. Am Wochenende hatte der Schneefall Hannover fest im Griff, mit spürbaren Folgen für den Verkehr und reichlich Unmut unter den Bürgern.

Die Initiative „Hannover sauber“, getragen von der Landeshauptstadt und dem Zweckverband Abfallwirtschaft, veröffentlichte am Montag einen Facebook-Beitrag, in dem sie die Leistung des Winterdienstes hervorhob: Die Einsatzkräfte seien bereits seit 3 Uhr morgens unterwegs, zahlreiche Fahrzeuge räumten und streuten das Stadtgebiet. Der Fokus liege auf der Sicherheit: Mehr als 250 Kilometer Radwege und 420 Kilometer Hauptstraßen würden priorisiert behandelt.

Auch bei den Vorräten sieht sich die Stadt gut aufgestellt: 6.000 Tonnen Steinsalz, 3.000 Tonnen Splitt und 400 Kubikmeter Solelösung lagern demnach in den Depots, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.

Doch die Reaktionen auf den Beitrag fielen gemischt aus. Während einige Nutzer den Einsatzkräften dankten, äußerten andere deutliche Kritik. Ein Nutzer schrieb: „Nur noch peinlich! Sich jetzt noch mit total verschneiten Straßen und Gehwegen im Hintergrund hinzustellen!“ Ein anderer kommentierte knapp: „Räumen, nicht hinstellen und Foto machen.“

Andere Stimmen verteidigten den Winterdienst. „Die ganzen Hauptwege, sogar die Fuß- und Radwege, sind doch super geräumt worden“, schrieb ein Nutzer und verwies darauf, dass auch Hauseigentümer ihre Räumpflichten oft nicht erfüllten.

Die Kritik am Winterdienst hatte sich bereits am Wochenende aufgebaut. Viele Hannoveraner beklagten, dass Fahrbahnen der Hauptverkehrsstraßen über Stunden einer Eisfläche glichen, ebenso wie Fuß- und Radwege. Allein am Sonntagmorgen registrierte die Polizei im Stadtgebiet laut einem Bericht der „HAZ“ 74 witterungsbedingte Unfälle.

Der Wintereinbruch traf auch den öffentlichen Nahverkehr hart: Wegen der Straßenverhältnisse fuhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag stadtweit kein einziger Üstra-Bus. Erst gegen 11.30 Uhr am Sonntagmittag rollten die Linienbusse wieder. Im Umland blieben die Regiobusse sogar bis zum Betriebsschluss am Sonntag in den Depots.

Aha-Sprecherin Helene Herich wies den Vorwurf zurück, der Wintereinbruch habe die Stadtreinigung überrascht. Das Unternehmen habe sich umfassend vorbereitet, mit Technik-Checks, Fahrerschulungen und aktualisierten Räumplänen. Dass einige Hauptstrecken zeitweise nicht vollständig frei gewesen seien, liege am anhaltenden Schneefall, so Herich.

Wegen der Witterung habe die Stadtreinigung zusätzliches Personal mobilisiert: Das Team sei um 100 Kräfte auf insgesamt 280 Beschäftigte aufgestockt worden, unterstützt von mehr als 200 Fahrzeugen. Kurzfristig weitere Kräfte hinzuzuziehen sei jedoch nicht möglich, da die Spezialfahrzeuge ein vorheriges Training erfordern.