Ein Denkmal ist laut Duden „ein erhaltenes Werk, das für eine frühere Kultur Zeugnis ablegt“. Um diese Zeugnisse für die Nachwelt zu bewahren, gibt es im Freistaat die Bayerische Denkmalliste – ein Verzeichnis aller bekannten Bau- und Bodendenkmäler. Neben Gebäuden zählen hierzu auch Brunnen, Brücken, Gartenanlagen und Wegkreuze. Sie alle eint, dass sie – laut Bayerischem Denkmalschutzgesetz – von Menschen erschaffen wurden und ihre „Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt“.

Die Entscheidung über eine Aufnahme in die Liste obliegt dem Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Dessen Generalkonservator Mathias Pfeil betont: „Unsere Denkmäler prägen uns – als Menschen und als Gesellschaft. Gerade in einer Zeit, in der sich vieles rasant verändert, brauchen wir Orte, die uns Halt geben. Als Denkmalschützer ist es unsere Aufgabe, herausragende Bauten zu erkennen, sie zu schützen und künftigen Generationen mit all ihrer Geschichte weiterzugeben.“

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Von den mehr als 110 000 Einträgen auf der Bayerischen Denkmalliste sind fast 7000 Baudenkmäler in München. 26 von ihnen sind 2025 neu hinzugekommen – darunter ein Rennstall in Riem mit brauner Vergangenheit, zwei historische Tankstellen sowie die frühere Heimat des wohl bekanntesten Kunstsammlers der jüngeren Vergangenheit.

Rennstall in Riem (Foto: Robert Haas)

Zwischen Trab- und Galopprennbahn in Riem findet sich ein dreiflügeliger Rennstall, dessen Historie mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte verknüpft ist. Erbaut wurde die Anlage dereinst fürs „Braune Band von Deutschland“ – ein von den Nazis ersonnenes Galopprennen, das auf der nahen Rennbahn ausgetragen wurde. Zudem dienten die Pferdestallungen als Trainingsstätte für deutsche Reiter, die an den Olympischen Spielen 1940 teilnehmen sollten. Diese entfielen wegen des Kriegs; derweil zog in den Rennstall in Riem eine SS-Reiterstaffel unter Kommandeur Hermann Fegelein ein – ein glühender Nationalsozialist, Generalleutnant der Waffen-SS und Ehemann von Gretl Braun, der Schwester von Adolf Hitlers Geliebten Eva Braun.

Von 1943 an wurde die Anlage an der Schichtlstraße als Außenlager des KZ Dachau genutzt. Hunderte Häftlinge mussten hier im Auftrag der Organisation Todt nach Bombenangriffen die Rollbahnen des Flughafens Riem reparieren. Nach dem Krieg wurde der Rennstall in den 1970er-Jahren für die Olympischen Spiele umgebaut, wobei die äußere Gestaltung weitgehend erhalten blieb. Laut BLfD ist die Anlage „ein Beispiel für das heimatstilgerechte Bauen während der NS-Diktatur“. Entworfen von Karl Meitinger kombiniere sie traditionelle oberbayerische Bauernhausformen mit den Vorgaben der Nazis für landwirtschaftliche Bauten.

BR-Studiobau (Foto: dpa)

Jahrelang hat das BLfD dem Studiobau des Bayerischen Rundfunks die Aufnahme in die Denkmalliste verweigert. Das Gebäude erfülle nicht die nötigen Kriterien, hieß es wiederholt seitens der Behörde. Als dem 1963 fertiggestellten Neungeschosser aufgrund des Umzugs des BR nach Freimann der Abriss drohte, formierte sich 2023 aus der Bürgerschaft heraus die Initiative „BR-Studiobau retten“, die alsbald prominente Unterstützung durch Kunstschaffende wie Gerhard Polt, Gisela Schneeberger und Konstantin Wecker erhielt.

In der Folge teilte das BLfD überraschend mit, dass die Denkmalprüfung für das Gebäude bislang nicht abgeschlossen sei; und Ende 2024 verkündete Kunstminister Markus Blume dann die Kehrtwende. „Dem BR-Studiobau kommt geschichtliche, künstlerische und ebenso wissenschaftliche Bedeutung zu“, heißt es nun vom BLfD über das würfelförmige Gebäude, in dessen Aufnahmestudios nicht nur Weltstars wie Anna Netrebko und Plácido Domingo zu Gast waren, sondern auch der Pumuckl produziert wurde. Zudem wurden aus dem Studiobau jahrzehntelang fast alle Radioprogramme des BR gesendet. „Er gilt als innovativ und beispielhaft für Rundfunkgebäude seiner Zeit“, urteilt das BLfD, „insbesondere wegen der technisch und akustisch herausragenden Studiosäle, die als Einheit mit dem umliegenden Baukonzept konzipiert sind.“

Tankstellen in Laim und auf der SchwanthalerhöheDie Tankstelle an der Lutzstraße 38 in LaimDie Tankstelle an der Lutzstraße 38 in Laim (Foto: BLfD)

Gleich zwei ehemalige Tankstellen in München sind 2025 auf die Denkmalliste gekommen: die Shell-Service-Station in der Ligsalzstraße und ein heute als Autowerkstatt genutztes Gebäude aus dem Jahr 1935 in der Lutzstraße 38.

Dieses ist dem BLfD zufolge die älteste als Baudenkmal erfasste Tankstelle in ganz Bayern „und dokumentiert die Verstädterung Laims sowie die Motorisierung Münchens bis in die 1950er-Jahre“. Die Entstehung lasse sich in zwei Phasen unterteilen: Zunächst wurde der einstige Fahrradladen mit Werkstätte und Tankstelle 1935/36 von Architekt Oskar Popp im Stil der klassischen Moderne errichtet. Mitte der 1950er-Jahre erfolgte dann eine Umgestaltung unter anderem mit einem geschwungenen Tankstellendach, „das die Gestaltungsideale der Nachkriegszeit und die Orientierung am Automobildesign widerspiegelt“, so das BLfD.

In der Ligsalzstraße befindet sich die zweite ehemalige Tankstelle, die es auf die Denkmalliste geschafft hatIn der Ligsalzstraße befindet sich die zweite ehemalige Tankstelle, die es auf die Denkmalliste geschafft hat (Foto: BLfD)

Die 1958 errichtete Tankstelle in der Ligsalzstraße auf der Schwanthalerhöhe nennt das Landesamt ein „Zeugnis des Wirtschaftswunders in der BRD mit wachsendem Automobilverkehr“. Charakteristisch seien die „filigranen, abgerundeten Formen und eine Glasfassade mit feinen Rahmenprofilen, die Modernität und Dynamik des wirtschaftlichen Aufschwungs widerspiegeln“. Bis zum vergangenen Herbst war in dem eingeschossigen Flachdachbau ein Autohaus beheimatet.

Kolpinghaus (Foto: BLfD)

Mitten im Bahnhofsviertel gibt es in der Adolf-Kolping-Straße die Gaststätte „Altmünchner Gesellenhaus“, deren Name ein Fingerzeig auf die reiche Historie des zugehörigen Gebäudes ist. Dieses erinnert laut dem BLfD daran, „wie eng Münchens Stadtgeschichte mit der Lebenswelt junger Handwerker verbunden ist“. So entstand das sogenannte Kolpinghaus 1950/51 auf dem Grundstück des bereits 1855 im Beisein Adolph Kolpings eröffneten ersten katholischen Gesellenhauses in Bayern.

Nach dessen fast vollständiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde hier ein neues „Vaterhaus in der Fremde“ für Hunderte junge Männer geschaffen. Gesellen, Industriearbeiter und Heimatvertriebene fanden in dem fünfgeschossigen Bau nicht nur eine Unterkunft, sondern auch Gemeinschaftsräume, Werkstätten und eine eigene Kapelle unter einem Dach.

Bereits Ende der 1950er-Jahre galt das Haus mit bis zu 880 Bewohnern als größtes Kolpinghaus in Deutschland. Das langgestreckte Gebäude mit seinem Sattelwalmdach, den flachen Fassadenerkern und dem leicht nach außen schwingendem Saalbau zeigt dem BLfD zufolge „die zurückhaltend-traditionelle Architektursprache des frühen Wiederaufbaus“. Insgesamt sei das Kolpinghaus „ein eindrückliches Zeugnis christlich geprägter Sozialarbeit der Nachkriegszeit“.

Atriumhäuser am BiedersteinInnenansicht derAtriumhäuser am BiedersteinInnenansicht derAtriumhäuser am Biederstein (Foto: BLfD)

Die Atriumhäuser am Biederstein am Artur-Kutscher-Platz 1 und 2 in Schwabing zeigen laut BLfD, „wie sich das Wohnen im München der frühen 1960er-Jahre neu erfand“. In der breiten Öffentlichkeit sind die quadratischen Flachdachbauten jedoch nicht etwa für ihre „großzügigen Treppenhäuser“ bekannt oder wegen der „fast vollständig umlaufenden Balkone, die sich wie helle Bänder um die Häuser legen“.

Sondern: wegen eines prominenten Bewohners, der am Artur-Kutscher-Platz 1 lebte und dort in seiner Wohnung im fünften Stock Kunstschätze im Wert von zig Millionen Euro hortete. Gemeint ist der Sammler Cornelius Gurlitt, bei dem 2012 circa 1300 teils hochkarätige Kunstwerke beschlagnahmt wurden wegen des Verdachts, dass es sich um Raubgut aus der Nazizeit handelte. Die Ermittlungen führten zu jahrelangen Provenienzforschungen, bei denen letztlich nur 14 Werke eindeutig als Raubkunst identifiziert wurden.

Der 2014 verstorbene Gurlitt vermachte seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern, das ausgewählte Werke heute in einer Dauer- sowie in Wechselausstellungen zeigt. Das einstige Wohnhaus des Kunstsammlers in München steht derweil seit Kurzem auf der Denkmalliste – als „Prototyp des Punkthauses, der für den Wohnungsbau der 1960er-Jahre wegweisend wurde und später in Anlagen wie dem Cosimapark weiterentwickelt wurde“, so das BLfD.

Haus der Redemptoristen (Foto: Robert Haas)

Die Redemptoristen – offiziell die „Kongregation des Heiligsten Erlösers“ – sind eine fast 300 Jahre alte katholische Ordensgemeinschaft, deren Mission laut eigenen Angaben ist, „den Armen die frohe Botschaft zu verkünden“. Weltweit zählt sie circa 5000 Mitglieder, wovon etwa 250 in vier Niederlassungen in Deutschland tätig sind – darunter das nunmehr denkmalgeschützte „Haus der Redemptoristen“ in der Kaulbachstraße 47 in Schwabing.

Dieses wurde in den Jahren 1949 und 1950 nach den Plänen des renommierten Münchner Architekten Friedrich Ferdinand Haindl errichtet und ist dem BLfD zufolge „einer der frühesten Sakralneubauten nach dem Zweiten Weltkrieg in der Stadt und bedeutend für die Entwicklung des Kirchenbaus“. Die Hauskapelle weise eine große stilistische Bandbreite von traditionell bis modern auf „und zeigt das produktive Zusammenspiel von Architekt und Bauherrschaft“.

In München arbeiten die Redemptoristen mit den „Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser“ zusammen. Ihr Engagement gilt vorrangig der Seelsorge, bei der sie sich vornehmlich auf benachteiligte Menschen konzentrieren.