Berlin – In ihren Händen ruhen die Hoffnungen zehntausender frierender und bibbernder Berliner. Mehr als drei Dutzend Experten, Bauarbeiter und Techniker arbeiten in drei Schichten rund um die Uhr im Kampf gegen die Kälte an Berlins derzeit heißestem Hotspot: einer vier Meter tiefen, vier Meter breiten und vierzehn Meter langen Baugrube im Stadtteil Zehlendorf.

Drei Tage nach dem Anschlag der linksterroristischen „Vulkangruppe“ auf das Berliner Stromnetz sind immer noch mehr als 30.000 Haushalte und 2000 Firmen im Südwesten von Berlin ohne Strom. Zwar werden die vier Krankenhäuser und mehrere Pflegeeinrichtungen wieder mit Elektrizität versorgt, dennoch herrscht vielerorts Ausnahmezustand bei Minustemperaturen.

Direkt neben dem Umspannwerk in Zehlendorf wurde die vier Meter tiefe Grube ausgehoben.

Direkt neben dem Umspannwerk in Zehlendorf wurde die vier Meter tiefe Grube ausgehoben.

Foto: Olaf Wagner

„Donnerstag sind wir fertig!“

Jetzt blicken alle auf das „Rettungsteam“ am Umspannwerk an der Argentinischen Allee. In der Baugrube ackern die Experten seit Sonntagmorgen in eisiger Kälte gegen die Zeit. Hier sollen in einer Art Bypass neue Kabel verbunden werden, um die Stromlücken provisorisch zu schließen. Henrik Beuster (47), Sprecher von Stromnetz Berlin, gibt sich vorsichtig optimistisch: „Wir sind im Plan und versuchen gerade noch, zwei Kabel freizulegen, die wir dann in den nächsten Tagen verbinden werden. Dadurch schaffen wir eine neue Leitung, die die Menschen dann mit Strom versorgen werden. Er verspricht: „Donnerstag sind wir fertig.“ Dafür wird auch nachts in eisiger Kälte gearbeitet.

Henrik Beuster (47), Sprecher Stromnetz Berlin: „Wir sind voll im Plan“

Henrik Beuster (47), Sprecher Stromnetz Berlin: „Wir sind voll im Plan“

Foto: Olaf Wagner

„Die meisten von uns tragen zwei lange Unterhosen“

„Heute Nacht bekommen wir minus 9 Grad. Und es wird kälter. Die meisten von uns haben zwei lange Unterhosen oder Thermowäsche an. Ohne geht’s nicht“, erzählt einer der Arbeiter. Noch kälteempfindlicher sind allerdings die Kabel. Stromnetz-Sprecher Beuster: „Die Arbeit muss bei Plusgraden stattfinden und möglichst staubfrei sein. Sind die dicken Kabel zu kalt, können wir sie nicht biegen. Um das zu gewährleisten, wird für die Nacht ein Zelt über das Grubenloch errichtet. Heizstrahler, die wir mit Generatoren betreiben, sorgen für Wärme.“ Das freut auch die Arbeiter.

Inzwischen haben die Arbeiter Holzplanken über die Grube gelegt. darauf soll noch in der Nacht ein Zelt gegen die Kälte errichtet werden

Inzwischen haben die Arbeiter Holzplanken über die Grube gelegt. Darauf soll noch in der Nacht ein Zelt gegen die Kälte errichtet werden

Foto: Olaf Wagner

Auch am Anschlagsort an der Kabelbrücke am Teltowkanal in Berlin-Lichterfelde wird rund um die Uhr gearbeitet. Henrik Beuster: „Hier errichten wir ebenfalls ein Provisorium, in dem wir die Kabel verbinden. Ich gehe davon aus, dass wir von dort aus auch die Menschen ab Donnerstag mit Strom versorgen können.

Die brennenden Starkstromkabel direkt nach dem Anschlag. Das Feuer verursachte mehrere kurzschlüsse im Stromnetz

Die brennenden Starkstromkabel direkt nach dem Anschlag

Foto: AFP PHOTO/STROMNETZ BERLIN

Hier hatten die Attentäter am frühen Samstagmorgen das Feuer gelegt. Die brennenden Starkstromkabel lösten dann weitreichende Kurzschlüsse aus. Fünf 110.000-Volt-Hochspannungskabel und zehn sogenannte Mittelspannungskabel mit jeweils 10.000 Volt wurden von den Flammen zerstört.