Wer hat eigentlich das Recht, eine Schließung zu bewerten? Würde Herr Eber aus reinen Altersgründen schließen, mangels Nachfolger, wäre die gleiche Situation entstanden, wie sie sich jetzt ergab. Wenn die wirtschaftliche Lage kippt, muss man Konsequenzen ziehen, schließen oder Insolvenz anmelden. Man hörte dazu Stimmen junger Leute, die ganz offen zugaben, noch nie im Traditionscafé Eber gewesen zu sein, weil da ja nur Ältere seien. Für diese Altersklasse gibt es eben „jüngere“ Lokale, in denen sie sich wohlfühlt. Im Eber ist es die etwas gediegenere, ältere Generation, die gemeinsam mit dem Café älter und alt geworden ist.

Dass das Café am Sonntag geschlossen war, ist für den wirtschaftlichen Erfolg sicher nicht ausschlaggebend. Ungezählte Restaurants schließen am Montag und Dienstag. Kümmert sonst eigentlich niemanden. Es schlossen schon etliche andere großartige Cafés in Augsburg. Ich erinnere an das Bertele, Kolonial Bader, Cortina und ans Hochcafé. Um jedes ist es schade. Überall mussten neue Mieter oder Verwendungszwecke gesucht werden. Und dann hier der vorgebrachte Vorwurf, „dass die Ebers jetzt ihre Immobilie gewinnbringend vermieten werden“ – was sonst? Leer stehen lassen? Wieso sind eigentlich nicht alle, die jetzt das Ende des Cafés so unendlich bedauern, öfter hingegangen, um den Erhalt noch länger zu gewährleisten? Man hörte auch Stimmen, dass sich in Wien doch auch die Traditionscafés halten. Da hilft Google. Jährlich schließen zwei bis drei, trotz ihrer Berühmtheit und als Grund wird meist genannt der kontinuierliche Besucherschwund seit Corona. Zum Schluss sei nun noch gesagt: Wenn ein Lokal 100 Jahre besteht oder bestand, ist und bleibt es eine echte Erfolgsgeschichte.

Eva Streit, Augsburg

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Das Ende einer Institution – ein 100 Jahre alter Traditionsbetrieb „muss“ schließen – Corona, der böse Mindestlohn, Kostendeckung nicht mehr möglich, eine Kundschaft, die sich Luxus leider nicht mehr leisten kann … Es ist nur traurig und das Mitleid für die betroffene Konditorenfamilie, die ihre Geschäftsräume in eigener Immobilie nun gewinnbringend vermietet, tropft aus jeder Zeile des Berichts in der Heimatzeitung. Dennoch, so heißt es im Kommentar einen Tag später, „kein Untergang“ und „freuen wir uns auch darauf, was kommen wird“.

Bei allem Respekt vor unternehmerischen Entscheidungen – von fundierter lokaler Berichterstattung erwarte ich etwas mehr. Was hat man versucht, um das Unternehmen aufrecht zu erhalten, online, Versand, Lieferservice, neue Produkte? Was passiert mit dem Personal, das, wenn es den Juniorchef zum Teil schon als Baby kannte, in seinen 60ern sein muss und wohl so schnell nicht mehr vermittelt werden kann? Wie fühlt man sich als Mittvierziger, Tradition, die das Stadtbild prägt, für austauschbare, gesichtslose Systemgastronomie aufzugeben (geben die Menschen eigentlich lieber dafür Geld aus?) Noch dazu an einem der schönsten Plätze Augsburgs?

Schade, wie auch beim Thema Thalia wird nicht mehr ausführlich recherchiert, so kommt beim Lesen nicht der Eindruck auf, ausgewogen informiert zu werden.

Ilka von Goerne, Augsburg

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Wie üblich liegt die Schuld wieder einmal beim Mindestlohn. Wenn die Erhöhung des Mindestlohnes ein Grund für die Schließung eines Unternehmens ist, dann ist es besser, dass es vorbei ist. Wenn nur bei Löhnen unter Mindestlohnniveau lukrativ gewirtschaftet werden kann, dann ist das Geschäftsmodell nicht mehr zeitgemäß. Ein erfolgreiches Geschäftsmodell darf nicht auf der Nutzung von Mindestlohnkräften basieren. Wer – gerade in der Gastronomie – hart arbeitet, hat ein Recht auf einen Lohn, von dem er leben kann.

Richard Mayr, Friedberg

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Könnte vielleicht ein weiterer Faktor zum Aus beigetragen haben? Ein Café in exponierter Innenstadtlage, das an keinem Sonntag im Jahr geöffnet hat und somit auch keinen Umsatz erzielt. Oft hörte man von Besuchern, dass sie sonntags enttäuscht vor verschlossener Tür bzw. hochgeklappten Stühlen am Rathausplatz standen.

Petra H. Fischer, Augsburg

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Die Chefs des Cafés berichten, dass viele Kunden, die lange nicht mehr da waren, bestürzt gewesen seien über die Schließung. Warum waren sie nicht mehr da? Vielleicht waren sie nicht mehr bereit, für ein Stück Kuchen um die vier Euro zu bezahlen. 

Conny Dittrich, Augsburg

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Augsburg, eine Kulturstadt mit über 2000-jähriger Geschichte, bietet eine reiche Mischung aus Römerzeit und Renaissance. Diese Stadt hat eine beeindruckende Textiltradition. Aber: Diese Stadt hatte auch viele Geschäfte für hochwertige Lebensmittel und Delikatessen. Diese Stadt hatte auch eine hohe Dichte und Vielfalt exzellenter Mode- und Einrichtungsgeschäfte.

Doch was hat Augsburg nun? „Gott sei Dank“ einen exzellenten Anlaufpunkt für Genuss-Menschen in der Annastraße. Für Menschen die bewusst und achtsam in vollen Zügen auskosten, sich Zeit für schöne Momente nehmen und Vergnügen in kleinen Dingen finden.

Und was wird von den Augsburger Bürgerinnen und Bürgern buchstäblich „auf den Müll geworfen“? Ein wunderbares Kaffeehaus! Ein lebendiges und kulturförderndes Zentrum. Ein soziales Wohnzimmer. Ein kulinarischer Genussort mit Zeitungen und Torten und als Ort der Entschleunigung. Die moralische Botschaft: Ein König wird durch die Augsburger Bürgerschaft zum Bettler. Essen to go ist die Zukunft!

Walter M. Neumair, Augsburg

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