Ford zögert bei einer zentralen strategischen Entscheidung für den europäischen Markt. Obwohl die neue Universal Electric Vehicle Plattform, kurz UEV, auf den ersten Blick gut zu den Anforderungen kompakter Autos in Europa passt, hält sich der US-Konzern mit einer Einführung zurück. Der Grund liegt weniger in der Technik als im Umfang der nötigen Investitionen und in den Erfahrungen aus den vergangenen Jahren.

Die UEV-Architektur ist Fords erste vollständig eigenentwickelte Elektroplattform. Ihr Debüt ist für 2027 geplant, zunächst in einem mittelgroßen Elektro-Pick-up aus US-Produktion. Ursprünglich entstand das Konzept als Reaktion auf eine strategische Kehrtwende. Ford hatte frühere Pläne für große Elektro-SUVs und Pick-ups aufgegeben und den Fokus auf kleinere, bezahlbare Segmente gelegt. Ein speziell eingerichtetes Entwicklerteam in Kalifornien begann daraufhin mit einem Neustart, um technologisch mit Herausforderern wie Tesla und potenziellen chinesischen Anbietern konkurrieren zu können.

Aus europäischer Sicht wirkt die Plattform attraktiv. Sie ist laut Ford flexibel genug, um auch unterhalb der Mittelklasse eingesetzt zu werden. Genau dort liegt der Kernmarkt in vielen Ländern Europas. Dennoch warnt der Konzern vor den Konsequenzen eines solchen Schrittes. Jim Baumbick, Präsident von Ford of Europe, sprach von einem „sehr bedeutenden Aufwand“ in Bezug auf Entwicklung und Kapitalbedarf, sollte die Architektur für Europa angepasst werden.

Diese Zurückhaltung ist eng mit den bisherigen Erfahrungen im Elektrogeschäft verbunden. Ford hat in Europa auf eine industrielle Zusammenarbeit mit der Volkswagen Group gesetzt. Die beiden Modelle Explorer und Capri, die im Werk Köln gebaut werden, basieren auf der MEB-Plattform, die auch im VW ID.4 oder dem Audi Q4 E-tron eingesetzt wird. Die Kooperation brachte zwar Geschwindigkeit, erfüllte jedoch nicht die erhofften Erwartungen an die Wirtschaftlichkeit.

Neue Partnerschaft mit Renault reduziert Risiko und Kosten

Vor diesem Hintergrund wählte Ford einen neuen Ansatz. Ab 2028 sollen zwei Elektroautos auf Basis der AmpR Small EV Plattform von Renault entstehen. Die Fertigung übernimmt dabei der französische Partner. Für Ford bedeutet das geringere finanzielle Risiken und einen überschaubaren Kapitaleinsatz in einer Phase, in der der Konzern seine europäische Struktur neu ordnet. Baumbick erklärte, die Branche habe in der ersten Investitionswelle viel gelernt, weshalb es nun sinnvoll sei, auf eine wettbewerbsfähige Plattform zurückzugreifen, anstatt alles selbst zu stemmen.

Der externe Druck nimmt parallel zu. Ford-Chef Jim Farley sprach offen von einer erheblichen Konkurrenz durch chinesische Hersteller in Europa. Diese zwinge alle Anbieter dazu, Investitionen effizienter zu gestalten und Materialkosten konsequent zu senken, um bezahlbare Autos anbieten zu können. In diesem Umfeld will Ford seine Entscheidungen sorgfältig absichern.

Ein kompletter Verzicht auf die UEV-Plattform für Europa ist damit nicht verbunden. Farley betonte, dass ein Einsatz künftig möglich bleibe. Zunächst müsse sich die Architektur jedoch im US-Markt bewähren. Der Konzern habe „das Flugzeug noch nicht gelandet“, sagte er, und verwies auf den noch bevorstehenden Entwicklungsaufwand. Mitte Dezember kündigte Ford zudem an, Pläne für größere Elektroautos zurückzufahren. Die Nachfrage habe sich schwächer entwickelt als erwartet. Stattdessen sollen Ressourcen gezielt in die UEV-Plattform fließen, um kleinere und preislich zugängliche Modelle zu ermöglichen. Für Europa bedeutet das vorerst ein Abwarten.

Quelle: Automotive News Europe – Ford says its new EV platform needs U.S. proof before Europe