- Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes belegen, dass die Zahl der Schneetage in Bremen seit den 1960er-Jahren von durchschnittlich 34,6 auf 8,5 pro Winter gesunken ist.
- Der Winter 1978/79 gilt als „Schneekatastrophe“ mit einer geschlossenen Schneedecke für über elf Wochen und Rekordwerten von 68 cm Schnee am 18. Februar 1979.
- Meteorologin Natascha Papenhausen führt den Rückgang von Schnee- und Eistagen auf den menschengemachten Klimawandel zurück, erwartet aber Unsicherheiten bei genauen Prognosen für Bremen.
Mehr anzeigen
Weniger anzeigen
Wenn heutzutage ein paar Schneeflocken auf die Stadt runterrieseln, dann schicken die Bremer sich rasch ein Beweisfoto. Und fällt der Schnee erst spät abends, überlegen die Eltern, ob sie ihre schlafenden Kinder noch mal wecken sollen, damit sie das nicht verpassen. Schnee ist zum Ausnahmeereignis geworden, zur Rarität. Die derzeitige Wetterlage bildet da schon eine Ausnahme.
Ganz anders war das im Winter 1978/79, als Norddeutschland von Schneestürmen heimgesucht wurde. Panzer rückten damals zum Räumen aus. In Schleswig-Holstein waren 80 Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. In Bremen steckten Autos, Busse und Straßenbahnen in den Schneemassen fest. In einigen Stadtteilen brach zeitweilig die Strom- oder Gasversorgung zusammen. Und im Bürgerpark wurde ein Volks-Skilanglauf veranstaltet, an dem sich 700 Kinder und Erwachsene beteiligten.
1978/79 ging in Norddeutschland als Jahr der „Schneekatastrophe“ in die Geschichte ein. In Bremen gab es damals vom 30. Dezember bis 21. März eine geschlossene Schneedecke – mehr als elf Wochen lang. Ein absoluter Ausnahmewinter auch damals, ohne Frage. Doch der Blick auf Klimadaten zeigt: Vergleicht man die durchschnittliche Zahl der Schnee- und Eistage, dann sieht man die Erwärmung der Winter im Norden deutlich.
Wie viel weniger Schnee gibt es heute in Bremen?
In den 1960er-Jahren gab es in Bremen im Schnitt 34,6 Schneetage pro Winter. In den Neunzigern waren es dann nur noch 11,8 Schneetage. Und in den vergangenen zehn Jahren kommt man auf 8,5 Tage im Schnitt. Vor vierzig Jahren gab es also viermal so viel Schnee wie zuletzt. Diese Daten hat die Meteorologin Natascha Papenhausen von der Klima-Abteilung des Deutschen Wetterdienstes für den WESER-KURIER aus der Fülle der Messwerte destilliert.
Ab wann verschwanden die weißen Winter?
„Es war noch nie durchgehend weiß in Bremen„, stellt Papenhausen klar. Aber ab den Sechzigern gab es in Bremen immer wieder Serien von Schneetagen, mal fünf Tage, dann neun Tage. Zwischendurch schmolz der Schnee, dann kam neuer nach, so beschreibt sie den Wintermodus. „Und oft zog sich der Schnee bis in den März hinein, manchmal sogar bis in den April.“ Die Wende kam Ende der Achtziger, sagt die Meteorologin: „Ende der 80er-Jahre nahmen die Schneetage rapide ab, dann kam nur vereinzelt im Januar und Februar noch ein bisschen was runter – und in den Neunzigern wurde es dann ganz wenig.“

Schnee wird in der Hansestadt immer seltener. Hier liegt er auf dem für blinde Besucher gefertigten Tastmodell der Altstadt, das neben dem Marktplatz steht.
Foto:
Sina Schuldt
Wie oft gab es schon Winter ohne Schnee?
Spitzenreiter war der Winter 2019/20: In diesem Jahr warteten die Bremer Kinder komplett vergeblich auf Schnee – es wurde kein einziger Schneetag gezählt. Und es gab weitere Winter, die nur sehr wenige Schneetage zu bieten hatten: 1991/92 und 1997/98 gab es zum Beispiel jeweils drei Tage Schnee im Februar, 2018/19 und 2021/22 jeweils drei Tage im Januar.
In welchem Jahr fiel in Bremen der meiste Schnee?
Im Katastrophenwinter 1978/79 wurde in Bremen auch die Rekordmenge Schnee gemessen: 68 Zentimeter waren es am 18. Februar 1979. „Und Anfang März waren es immer noch 20 Zentimeter“, sagt Papenhausen. Fielen später, in den 1990er-Jahren, mal 20 Zentimeter Schnee, dann galt das für jene Zeit bereits als Rekord. „In den Sechzigern war so eine Menge normal“, so die Meteorologin. Zuletzt gab es Winter mit mehr Schnee in den Jahren 2010 und 2021. Mitten in der Pandemie wurde in Bremen tagelang am Osterdeich gerodelt. „Wir hatten 2021 in Bremen vom 26. Januar bis 5. Februar am Stück Schnee, und dann noch mal vom 8. bis 17. Februar“, sagt Papenhausen mit Blick auf die Daten. Damals betrug der Höchststand elf Zentimeter.

Die Schneemassen türmten sich im Winter 1978/79 auch in Bremens guter Stube auf.
Foto:
Christian Walter
Wie sieht es mit den Eistagen aus?
Auch die Zahl der Eistage ist gesunken. Im sogenannten vieljährigen Mittel gab es in Bremen von 1961 bis 1990 im Schnitt 17,7 Eistage pro Jahr. Für die Jahre 1981 bis 2010 liegt der Wert bei 14,9 Tagen. Als Eistag gilt ein Tag, an dem die Lufttemperatur durchgehend unter null liegt. Als Frosttage gelten Tage, an denen es zwischendurch friert, aber nicht durchgehend. Zuletzt gab es in Bremen im Schnitt etwa 71 Frosttage pro Jahr.
Wird es in Bremen bald gar keinen Schnee mehr geben?
Hinter der Erwärmung steckt der Klimawandel: „Das ist schon menschengemacht“, sagt Meteorologin Papenhausen. „Leider nehmen die Temperaturen immer mehr zu, daher wird es im Durchschnitt weniger Schnee geben.“ Welche Änderungen genau auf Bremen zukommen, lasse sich in Modellrechnungen aber nur schwer abbilden: „Dafür beeinflussen zu viele Faktoren das Klima.“
Wie haben sich die durchschnittlichen Schnee- und Eistage in Bremen seit den 1960er-Jahren laut dem Deutschen Wetterdienst entwickelt?
Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) ist die Zahl der Schnee- und Eistage in Bremen seit den 1960er-Jahren deutlich zurückgegangen. Die Winter sind inzwischen deutlich milder als in der Referenzperiode von 1961 bis 1990, sodass Schnee im Tiefland – und damit auch in Bremen – zunehmend seltener geworden ist. Nach den aktuellen Auswertungen des DWD waren Schnee und Eis im Winter oft Mangelware und traten überwiegend nur in kurzen Phasen auf.
Quellen
Welche Auswirkungen hatte der Winter 1978/79 in Bremen und Norddeutschland und wie wird er heute bewertet?
Der Winter 1978/79 hatte in Bremen und Norddeutschland erhebliche Auswirkungen, darunter starke Schneefälle, Eis, Kälte und Sturm, die mehrere Tage lang vielerorts zu erheblichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, Verkehrschaos und Einsätzen von Hilfskräften führten. Besonders in der heutigen Bewertung wird dieser Winter als „Ausnahmezustand“ und eine historische Wetterkatastrophe beschrieben, die die Region vor enorme Herausforderungen stellte; die Ereignisse werden in offiziellen Rückblicken mit starken Sturmtiefs, zahlreichen Schäden an Infrastruktur, Bäumen und Gebäuden sowie einem hohen Bedarf an Katastrophenschutzmaßnahmen verbunden. Die Erinnerung an den Winter 1978/79 und ähnliche Extremwetterlagen unterstreicht aktuell die Bedeutung von Deich- und Hochwasserschutz sowie die Notwendigkeit, Rettungskräfte und Infrastruktur besser auf solche Ausnahmesituationen vorzubereiten.
Quellen

Wetteraussichten
Schafskälte dämpft Stimmung und Umsatz in Bremen
Regen und kühle Temperaturen in diesen Tagen fühlen sich eher herbstlich an, der Deutsche Wetterdienst dagegen spricht vom „wärmsten Frühjahr ever in Bremen“. Welche Auswirkungen die aktuelle Schafskälte hat.

„Ylenia“, „Zeynep“ und „Antonia“
Wie Bremen die Sturmserie überstanden hat – und welche Folgen bleiben
Nach drei Sturmtiefs in Folge kehrt in Bremen langsam wieder Ruhe ein – Betroffene und Helfer ziehen eine Bilanz. Klar ist: Einige Sturmschäden werden noch länger im Stadtbild zu sehen sein.
Welche weiteren klimatischen Veränderungen infolge des Klimawandels werden für Norddeutschland neben der Abnahme der Schneetage diskutiert?
Neben der Abnahme der Schneetage werden für Norddeutschland infolge des Klimawandels weitere klimatische Veränderungen diskutiert, darunter der generelle Temperaturanstieg und damit verbundene Auswirkungen wie eine zunehmende Notwendigkeit der Klimaanpassung, insbesondere in Städten und Gemeinden (Artikel 2). Zudem rücken Fragen der sicheren Wasserversorgung und der Erhalt oder die Wiederherstellung natürlicher Klimaschutzmaßnahmen wie Moore in den Fokus (Artikel 2). Darüber hinaus steigt bei Maßnahmen wie künstlicher Beschneiung der Wasser- und Energiebedarf, was zu zusätzlichen Belastungen für Umwelt und Klima führen kann (Artikel 3).
Quellen
Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.
→ Mehr Infos