Das Strafjustizgebäude im Landgericht Hamburg.

AUDIO: Hamburger Justiz stärkt Opferschutz (1 Min)

Stand: 06.01.2026 06:01 Uhr

Um den Opferschutz zu stärken, werden in Hamburg am Landgericht ab sofort Sexualdelikte in besonders spezialisierten Strafkammern verhandelt. Unter anderem sollen Richterinnen und Richter besonderes Einfühlungsvermögen zeigen.

Gerade Opfer von sexueller Gewalt brauchen vor Gericht besondere Unterstützung, wenn sie über das sprechen, was sie erleben mussten, sagt Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne). Landgerichtspräsidentin Birte Meyerhoff ergänzt, dass „gerade in komplexen, oftmals emotionalen und hochstreitigen Sachverhalten“ bei den Richterinnen und Richtern besonderes Einfühlungsvermögen, Erfahrung und „spezialisierte juristische Kompetenz“ nötig seien.

Justizbehörde unterstützt und bietet Fortbildungen an

Prozesse um Sexualdelikte werden künftig von sieben Großen Strafkammern geführt. Die insgesamt 22 Richterinnen und Richter werden neben anderen Verfahren auch speziell dafür geschult. Die Justizbehörde unterstützt das Vorhaben, indem sie Fortbildungen unter anderem bei psychologischen und vernehmungstechnischen Themen anbietet.

Meyerhoff, selbst Vorsitzende Richterin einer Jugendschutzkammer, hofft, dass die Qualität der Rechtssprechung in dem sensiblen Bereich des Sexualstrafrechts weiter gestärkt wird.

Große Strafkammern mit drei Richtern besetzt

Sexualdelikte werden erstinstanzlich vor dem Landgericht verhandelt, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Jahren zu erwarten ist. Außerdem, wenn eine Maßregel der Besserung und Sicherung zu erwarten ist oder die Staatsanwaltschaft wegen der besonderen Bedeutung des Falls oder aus Opferschutzgründen direkt beim Landgericht anklagt. Eine Große Strafkammer ist in der Hauptverhandlung mit bis zu drei Richterinnen und Richtern besetzt – dem Vorsitz und zwei Beisitzerinnen oder Beisitzern. Hinzu kommen zwei Schöffinnen und Schöffen.

Ein Mann bedroht eine auf dem Sofa zusammengekauert sitzende Frau mit seiner Faust. (Themenbild)

CDU und Linke fordern bessere Daten zur Situation in Hamburg. Grüne und SPD sehen beim Strafrecht Handlungsbedarf.

Hamburgs Justiz- und Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina.

Auf Initiative von Anna Gallina (Grüne) befasst sich die Justizministerkonferenz der Länder Anfang November in Leipzig erneut mit dem Thema.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.01.2026 | 06:00 Uhr