Eigentlich begann das Erwachsenenleben von Cissou ganz normal. Mit 18 Jahren hatte sie einen Job und mietete eine Wohnung in Rouen, der Hauptstadt der nordfranzösischen Region Normandie. Doch zwei Jahre später verlor sie ihre Arbeit und alle Sozialleistungen wurden ihr verweigert. „Ich war in einer Grauzone, in der man keine Hilfe beanspruchen kann“, erklärt Cissou gegenüber dem französischen Portal „actu.fr„.
Daraufhin begann die junge Frau ein Leben als Nomadin. Zwischen ihrem 20. und 25. Lebensjahr bettelte sie in Rouen auf der Straße, um sich zu ernähren und so viel wie möglich zu sparen.
Mit 20 entschied sich Cissou, ohne Zuhause zu leben: „Meine Familie will, dass ich da rauskomme“
Sie reiste durch Frankreich und die angrenzenden Gebiete. „Mit 30 habe ich mehr Länder gesehen als viele meiner Familienmitglieder“, so Cissou. „Ich arbeite sechs Monate und lebe dann die nächsten sechs Monate davon. Ich bin von niemandem abhängig, ich lebe für mich.“ Manchmal stellt sie auch Schmuck her, den ich dann verkauft, oder bietet Dienstleistungen an. Sie habe auch schon in einem Zelt und in einer Hängematte gelebt.
Ab und zu kehrt Cissou nach Rouen zurück, um ihre Familie zu sehen. „Wenn sie mich sehen, sagen sie, dass sie wollen, dass ich da rauskomme, aber das nervt mich, weil sie es einfach nicht verstehen.“ Sie habe sich einfach für ein anderes Leben entschieden. Langfristig sei es ihr Ziel, weiterhin zu sparen, um ein Grundstück zu kaufen und dort in Selbstständigkeit leben zu können.
So viele junge Menschen leben in Deutschland ohne Zuhause
In Deutschland leben laut dem Statistischen Bundesamt etwa 32.000 bis 40.000 junge Menschen (unter 27) ohne Zuhause auf der Straße oder in versteckter Obdachlosigkeit. Die Gesamtzahl der wohnungslosen Minderjährigen (mit Eltern oder allein) liegt bei über 137.000, wobei fast jeder Dritte unter 18 ist, so aktuelle Zahlen von 2025.
Die Mehrheit der jungen Obdachlosen sind junge Erwachsene (18 bis 27), oft mit hoher Dunkelziffer bei versteckter Obdachlosigkeit (bei Freunden/Bekannten), wobei die Zahlen durch steigende Kosten und angespannte Familiensituationen weiter zunehmen
Obdachlose bekommen 2000 Pfund zur freien Verfügung
In Großbritannien wird derzeit ein innovatives Sozialprojekt getestet, bei dem obdachlose Menschen eine Einmalzahlung von 2000 Pfund (etwa 2290 Euro) erhalten. Experten wollen prüfen, ob direkte Geldzahlungen eine effektive Alternative zu traditionellen Unterstützungsmaßnahmen wie Hilfsangeboten von Wohltätigkeitsorganisationen sind.