In Berlin sind rund 28.000 Haushalte den
vierten Tag in Folge weiter ohne Strom. Nach den ersten Supermärkten am Montag öffnen am heutigen Dienstag mehrere weitere große Ketten ihre Läden wieder. Immer mehr Notstromaggregate gehen nach und nach in Betrieb. Bei Transport,
Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung der mobilen Anlagen hilft nun
laut Berliner Innenverwaltung auch die Bundeswehr. Bereits im Laufe des Montags sollten alle
74 Pflegeheime wieder Strom bekommen. 

Der Senat hofft,
dass sich der stark gestörte S-Bahn-Verkehr auf den Linien S1 und S7
verbessert und auch im Dunkeln wieder Züge am Bahnhof Wannsee halten
können. Hier sollen Notstromaggregate für die Beleuchtung der Bahnsteige
und der Unterführung sorgen. Etwa 20 Schulen bleiben den zweiten Tag in Folge geschlossen.

Nach dem großen Stromausfall im
Südwesten der Hauptstadt infolge eines Brandanschlags kommen die
Arbeiten zur Wiederherstellung der Versorgung langsam voran. Bis alle Betroffenen wieder am Netz
sind, wird es nach Einschätzung des Betreibers Stromnetz Berlin bis
Donnerstagnachmittag dauern. Bis dahin müssen viele Tausend Menschen ohne
Strom und Wärme in dunklen und kalten Wohnungen oder in
Ausweichquartieren ausharren. 

100.000 betroffene Menschen

Die Polizei ist auch diese Nacht mit 300
Beamten in Uniform und in Zivil im Einsatz, um eine sogenannte
Raumsicherung zu gewährleisten. Verhindert werden sollen vor allem
Einbrüche. Bislang ist dies nach Einschätzung der Polizei weitgehend
gelungen. 

Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im
Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische
Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins
zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Nach und
nach wurde ein Teil der Kunden wieder angeschlossen. Aktuell sind laut
dem Betreiber Stromnetz Berlin noch 27.800 Haushalte und rund 1.450
Gewerbekunden ohne Strom. Nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters
Kai Wegner (CDU) waren oder sind 100.000 Menschen von dem Blackout
betroffen. Berlin hatte am Sonntag eine sogenannte Großschadenslage
ausgerufen.

Bürgermeister spricht von Terrorismus

Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch
keine Ergebnisse. Die Polizei spricht von einer sehr umfangreichen
Tatortarbeit. Erste Zeugen würden vernommen, Videomaterial etwa der
Verkehrsbetriebe BVG werde ausgewertet. Die linksextremistischen
sogenannten Vulkangruppen, die sich zu dem Anschlag in einem Schreiben
bekannten, sind den Ermittlern bereits länger bekannt. Sie griffen
mutmaßlich schon mehrfach etwa Bahnanlagen oder das Stromnetz an. 

© Lea Dohle

Newsletter
Was jetzt? – Der tägliche Morgenüberblick

Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement.

Der Regierende Bürgermeister Wegner und
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) stufen den Anschlag als Terrorismus
ein. Ähnlich sieht das Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).
„Nach unserer Einschätzung handelt es sich um einen mit profunden
Kenntnissen und dezidiert geplanten Anschlag“, sagte er Bild, und: „Der
Linksterrorismus ist mit steigender Intensität in Deutschland zurück.“

Stromausfall

Mehr zum Thema

Z+ (abopflichtiger Inhalt);

Kritische Infrastruktur:
„Die müssen noch nicht einmal einen Zaun um ihre Anlage bauen“

Anschlag auf Berliner Stromnetz:
Kai Wegner will Berlins kritische Infrastruktur besser schützen

Z+ (abopflichtiger Inhalt);

Stromausfall in Südberlin:
„Krass, wie abhängig wir sind“