Vor 36 Jahren gingen, ausgeheckt vom Fraunhofer-Wirt Beppi Bachmaier und dem Harfenisten und Neue-Volksmusik-Pionier Richard Kurländer, die „Fraunhofer Volksmusiktage“ an den Start. Die Idee war zum einen, die echte, kunstvolle, traditionelle Volksmusik aus der Klischeehölle der volkstümlichen Sepplhut- und Stadl-Musi zu befreien. Und zum anderen, die Offenheit der Traditionsmusik zu fördern, also den innovativen, aktuellen, durch alle möglichen Stilmixe geprägten Charakter zu betonen. Aus dem zweiwöchigen Stelldichein wichtiger Pioniere ist längst schon ein zweimonatiges Festival mit Plattform-Charakter geworden, eine Institution geradezu.

Sie hat die ursprünglichen Ziele, zumindest in München, schon lange und spätestens seit dem Heimatsound-Hype erreicht. Zum Aufhören gibt es aber schon deshalb keinen Grund, weil inzwischen jede Musik abseits des Mainstreams um jeden Auftritt und jede Sichtbarkeit froh sein muss. Also hat sich Martin Jonas, der seit vielen Jahren das Programm zusammenstellt, wieder an die Arbeit gemacht.

Im Vergleich zu früheren Ausgaben präsentiert er viel Neues. Zum Beispiel Maslband, ein Damenquartett mit Helga Freude, Katharina Wibmer, Monika Nuber und Bärbel Schwarz, das mit klassischem Instrumentarium Klezmer virtuos mit Musette, Blues, Balkanklängen und vielem anderen kombiniert (9. Januar). Vier Frauen sind auch am 31. Januar bei „Mare & Monti“ zu Gast. Zur Begegnung mediterraner und alpiner Volksgesänge haben sich hier zusammengetan: das Südtiroler Duo huja mit Heidi Clementi und Brigitte Knapp und das 2007 in Padua gegründete D’AltroCanto Duo mit Giulia Prete und Elida Bellon.

Neuformiert ist das EwigWien Ensemble des Schauspielers Peter Reisser, das mit traditionellen, neu entdeckten und beliebten Wiener Liedern humorvoll wie wehmütig seine Liebe zur österreichischen Hauptstadt ausdrückt (18. Januar). Ein Stammgast bei den Volksmusiktagen ist Evi Keglmaier, bekannt unter anderem durch Zwirbeldirn oder die Hochzeitskapelle. Aber ihr Duett mit dem Zitherspieler Manuel Kuthan (6. Februar) ist neu. Beide lernten sich bei der Fraunhofer-Geprächsreihe „Ins Offene“ kennen, bei der sie merkten, dass sie so harmonisch miteinander musizieren, als würden sie schon seit Jahren zusammenspielen.

Vielseitiger Gast bei den Volksmusiktagen: Johannes Bär, bekannt unter anderem vom „Holstuonarmusigbigbandclub“.Vielseitiger Gast bei den Volksmusiktagen: Johannes Bär, bekannt unter anderem vom „Holstuonarmusigbigbandclub“. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Vom sperrigen Namen Blech ohne Poesie sollte man sich nicht abschrecken lassen. Haben sich unter ihm doch drei der weltbesten Blechblas-Multiinstrumentalisten zusammengefunden, die sonst vor allem im Jazz unterwegs sind. Der russische Hornist Arkadhi Shilkloper galt schon dem legendären US-Kritiker Leonard Feather als einer, der neue Standards setzt. Er hat mit Größen von Lionel Hampton bis Louis Sclavis gespielt und war Mitglied des legendären Vienna Art Orchestra. Den Vorarlberger Tubist Johannes Bär kennt man wiederum durch seine Zusammenarbeit mit David Helbock (random control), Matthias Schriefl und dem Holstuonarmusigbigbandclub (HMBC). Und der deutsche Trompeter Michael T. Otto ist durch sein seltenes Kuhlohorn sowie als Gründer der Band Stubenjazz bekannt (19. Februar).

Darf nicht fehlen: Moni Drasch mit ihrer grünen Geige

Und auch wenn sie keine Volksmusiktage-Novizen sind, darf man sich auf zwei Acts besonders freuen. Einmal auf das Trio Canto dei Sass’ (Davide Casali Eschmann, Jacob Greenberg und Mathis Mayr ) mit ihrem improvisatorischen Volkslieder-Clash „Malarazza – Totentanz“ (15. Februar). Zum anderen auf den Lieder- und Gedichte-Abend „mimpfmöh – alois oder nichts“ vom Duo HafnerBurgmayr (29. Januar). Nicht nur Veranstalter Martin Jonas hält den Multiinstrumentalisten und Tieftonsänger Florian Burgmayr mit seinem valentinesken Humor für „weit unterschätzt“.

Natürlich sind auch wieder etliche Volksmusiktage-Klassiker dabei, das gehört zur guten Tradition. Die Liadhaber um Volksliedforscherin Dagmar Held etwa (11. Januar). Die Moni Drasch mit ihrer grünen Geige (23. Januar). Der Zither-Manä, Volksrocker und -blueser im inzwischen 46. Bühnenjahr (30. Januar). Der wie immer grenzenlose Rudi Zapf mit seinem Trio (14. Februar). Oder auch der Maxi Pongratz samt neuem Album, mit dem dann am 22. Februar alles „rum und num“ ist.

Fraunhofer Volksmusiktage, bis 22. Februar, Theater im Fraunhofer, das ganze Programm unter www.fraunhofertheater.de