• Das Kulturjahr 2026 nimmt in Hamburg gleich richtig Fahrt auf.
  • Dabei ist auch die NDR Bigband mit einem starken Programm.
  • Und beim Konzert der Hamburger Ratsmusik darf gelacht werden.

Der Beginn eines neuen Jahres ist für manche Zeit des Aufbruchs, für andere die des Rückblicks. Für Letztere geben sich Satiriker aus nah und fern im Eppendorfer Lustspielhaus die Klinke in die Hand. Im St. Pauli Theater rücken in prominenter Besetzung mit dem Theaterkrimi „Nebenan“ des Bestsellerautors Daniel Kehlmann und im Ohnsorg mit der ausgezeichneten platt- und hochdeutschen Fassung von Theodor Storms Novelle des „Schimmelreiters“ zwei sehenswerte Stücke erneut auf den Spielplan. Spektakulär dürften auch die (Welt-)Bilder eines Fotografen und Motorradabenteurers im Magazin-Kino in Winterhude werden, ungewöhnlich die Klänge aus dem chaotischen Leben eines Streichquartetts in der Elbphilharmonie und die swingende Interpretation des Komponisten Olivier Messiaen durch die NDR Bigband im Rolf-Liebermann-Studio in Harvestehude. Dazu noch ein doppelbödig-komischer Abend über Georg Philipp Telemann im Lichtwarksaal und das Comeback eines früheren Ohnsorg-Stars unterm Hamburger Rathaus. Keine Spur von Kater.

NEBENAN St. Pauli Theater Hamburg

„Nebenan“ in der Eckkneipe: Das Stück von Bestsellerautor Daniel Kehlmann spielt mit Oliver Mommsen (l.) und Stephan Grossmann wieder im St. Pauli Theater.
© © Kerstin Schomburg

„Nebenan“: Kehlmann-Krimi noch mal im St. Pauli Theater

Die kleine Kneipe, vom Österreicher Peter Alexander hierzulande vor 50 Jahren besungen, steht zu Beginn 2026 noch mal auf der Bühne des St. Pauli Theaters. Von Schlagerseligkeit der deutschen 1970er ist hier, gleich „Nebenan“, jedoch nichts zu spüren. Das gleichnamige Stück von Daniel Kehlmann ist ein Theaterkrimi, der schon vor drei Jahren bei der Premiere überraschend viel Raum für absurde Komik und sogar Tanzeinlagen bot. In der Eckkneipe im Osten Berlins begegnet ein gefragter Schauspieler auf dem Sprung nach London einem ihm bis dato unbekannten Nachbarn, der erstaunlich viel über ihn weiß, wie sich im Laufe dieses dialogstarken Psycho- und Kammerspiels herausstellt. Ulrich Wallers Inszenierung, die bis zum 11. Januar läuft, ist mit den Fernsehstars Oliver Mommsen und Stephan Grossmann idealtypisch besetzt. Ein spannender Spaß mit einigen Wendungen. str

„Nebenan“ Sa 3.–So 11. 1., jew. 19.30 (So 18.00), St. Pauli Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29/30, Karten zu 17,90 bis 59,90 (zzgl. Gebühren) auch in der Hamburger-Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32; www.st-pauli-theater.de

Pressefoto Ohnsorg Theater  De Schimmelrieder

„De Schimmelrieder“ im Ohnsorg-Studio: Marco Reimers spielt in der Hamburger Wiederaufnahme der platt- und hochdeutschen Theodor-Storm-Adaption den Deichgrafen.
© Sinje Hasheider

Ein neuer „Schimmelrieder“ im Ohnsorg-Studio

Auch das Jahr 2026 begrüßt das Ohnsorg-Theater am Sonntag, 4. Januar (11 Uhr, wenige Restkarten), wieder mit dem „Großen Neujahrskonzert“. Die Ohnsorg Süsters (Caroline Kiesewetter, Nele Larsen, Tanja Bahmani) peppen die Klänge des Hamburger Polizeiorchesters gesanglich mit Pop und Swing auf. Eine Neuerung erfährt die Wiederaufnahme der 2024 mit dem Theaterpreis Hamburg prämierten Theodor-Storm-Adaption „De Schimmelrieder“: Weil der gebürtige Österreicher Laurens Walter weiterhin als Harry Potter im Theater am Großmarkt engagiert ist, ersetzt ihn im Abend für Abend aufs Neue gefluteten Ohnsorg-Studio Ensemblemitglied Marco Reimers in der Titelrolle. Keine schlechte Wahl – Reimers ist gebürtiger Husumer. str

„De Schimmelrieder“ Sa 3.1., 19.00 (ausverkauft), So 4.1., 16.30, Do 8.1., 19.00, Sa 10.1., 19.00, bis 24.1., Ohnsorg-Studio (U/S Hbf.), Heidi-Kabel-Platz 1, jew. Restkarten zu 28,40 (erm. 21,30) unter T. 040/35 08 03 21; www.ohnsorg.de

Michael Martin, Natur- und Wüstenfotograf, 2021

Michael Martin, Natur- und Wüstenfotograf, kommt für zwei Multivisionsshows ins Magazin Filmkunsttheater nach Hamburg-Winterhude.
© picture alliance / SZ Photo

Im Magazin: Bilder von Motorradtouren aus aller Welt

Seit 35 Jahren reist, besser gesagt fährt Michael Martin, Jahrgang 1963, rund um die Welt, immer auf seinem Motorrad GS von BMW. Der Fotograf, Geograf und „Spiegel“-Blogger veröffentlicht seine Bilder und Geschichten in Vorträgen, Büchern und Filmen. Am 4. Januar gleich zweimal im Magazin. Im Winterhuder Filmkunsttheater steht um 14 Uhr zunächst „Auf zwei Rädern um die Welt“ auf dem Plan; in dem Live-Multivisonsvortrag präsentiert Martin seine besten Motorradbilder und erzählt von Naturerlebnissen und Begegnungen inklusive Pannen – eine Zeitreise durch Jahrzehnte voller Abenteuer und Leidenschaft. Es folgt „Terra“, eine Live-Multivisionsshow und ein Porträt unserer Erde mit Aufnahmen aus fünf Jahren von zehn Naturlandschaften, etwa der Arktis, dem Himalaja, den Anden bis zum Amazonasbecken. Derart viele Bilder auf großer Leinwand haben ihren (Eintritts-)Preis. str

Michael Martin: „Auf zwei Rädern um die Welt“ So 4.1. 2026, 14.00 und „Terra: Gesichter der Erde“ So 4.1., 18.00, jew. Magazin Filmkunsttheater (U Lattenkamp, Bus 20 Ohlsdorfer Straße), Fiefstücken 8a, Karten zu je 34,- (erm. 19,-)/Familienticket 43,-, Kombiticket (für beide Shows) 55,-; www.magazinfilmkunst.de/

Pressefoto Maladée

Chanteuse Maladée alias Susanne Hayo tritt am 6. Januar beim „Neujahrskabarett“ im Lustspielhaus auf.
© Harald Hoffmann

Lustspielhaus: Neujahrskabarett in vielfacher Ausprägung

Was früher Anfang Januar Hamburgs langlebigste Lästerzunge Henning Venske (heute 86) mit seinem „Jahres-Schauer“ im Lustspielhaus in gut einem Dutzend Vorstellungen en suite erledigte, muss nun die jüngere Kleinkunst-Generation mit einzelnen Gastspielen versuchen. Nach dem populären Florian Schroeder – mit „Schluss jetzt“ am 4. Januar erneut in der Laeiszhalle (nur noch Restkarten) – folgen mit Jahresrückblicken im Kabarett-Theater Die Distel (5.1.) aus Berlin, in Hamburg vertreten mit dem speziellen Ensemble Katharina Martin, Tastenkabarettist Axel Pätz und Jens Neutag, und am Dreikönigstag Ruhrpott-Spötter Benjamin Eisenberg mit seinem „Neujahrskabarett“. Es ist eine Mixshow aus Polit-Satire, Stand-up-Comedy, Poetry und Musikkabarett mit den Gästen Christian Hirdes, Ludger K. sowie der im Schmidt, im St. Pauli Theater und im Hansa Theater erprobten Chanteuse Maladée (Gewinnerin der Tuttlinger Krähe 2025.), hinter der sich die Wahlhamburger Schauspielerin Susanne Hayo verbirgt. Am 7. Januar blickt das Duo Onkel Fisch zurück, am 8. Januar liefert ihr Kölner Kabarettkollege Robert Griess mit seiner Schlachtplatte „Die Jahresendabrechnung“. Zu seinem Ensemble gehören dieses Jahr Sonja Pikart aus Wien, Gilly Alfeo (Bonn) und Chin Meyer, der krisenerprobte Finanzkabarettist aus Norderstedt. Reichlich Spott. str

„Neujahrskabarett“ Di 6.1., 20.00, Lustspielhaus (U Hudtwalckerstraße), Ludolfstr. 53. Karten zu 30,- (erm. 20,-) bis 37,- unter T. 040/ 55 56 55 56; www.almahoppe.de

vision string quartet

Wer hätte gedacht, dass das Leben im Quartett einem Bällebad gleicht: Das Vision String Quartet kommt am 8. Januar in die Elbphilharmonie.
© vision string quartet/ Harald Hoffmann

Elbphilharmonie: Aus dem Leben eines Streichquartetts

Haydn, Mozart, Beethoven, schön und gut, aber soll‘s das gewesen sein? Das Vision String Quartet geht fröhlich über alle Stil- und Genregrenzen, spielt selbst geschriebene Songs und bezieht auch schon mal eine Ukulele oder ein Drumset ein. Sein Konzert im Kleinen Saal der Elbphilharmonie am 8. Januar hat das Ensemble mit einem vielversprechenden Motto überschrieben, das nebenbei äußerst diskret auf eine US-Action-Serie mit Kultstatus verweist: „Vision impossible – Das chaotische Leben eines Streichquartetts“. Das kann ja heiter werden. Los geht es übrigens schon um 18 Uhr, denn das Ganze steigt in der Reihe „Jugendkonzerte“. vfz

„Vision impossible Das chaotische Leben eines Streichquartetts“ Do 8.1., 18.00, Elbphilharmonie/Kleiner Saal (U Baumwall, Bus 112), Platz der Deutschen Einheit 1, Karten ab 8,- unter T. 040/35 76 66 66 oder www.elbphilharmonie.de

Pressefoto Jasper Vogt

Ex-Ohnsorg-Schauspieler Jasper Vogt kommt mit musikalischem Programm und Begleiter ins Kabarett Die Wendeltreppe ins Hamburger Rathaus.
© jasper vogt

Ex-Ohnsorg-Star Vogt: Musikgast in der Wendeltreppe

Er ist Schauspieler, Musiker und Autor, war Rallye-Veranstalter und gehörte vier Jahrzehnte lang zum Ohnsorg-Ensemble. Jasper Vogt tritt auch mit 80 Jahren noch auf, und zwar gleich am ersten Abend 2026 des literarischen Kabaretts Die Wendeltreppe. Im traditionsreichen Parlament (Ex-Ratsweinkeller) im Hamburger Rathaus widmet sich der frühere musikalische Leiter des Ohnsorg-Theaters, der unterm Rathaus schon mit seinen Hafenmusikanten zu Gast war, am 8. Januar unter dem Motto „Hafen, Wind und weite Ferne“ vielfältigen Geschichten, Gedichten und Liedern von der Seefahrt und vom Landgang. Begleitet wird Vogt diesmal vom Schlagwerker und Geräuschemacher Richard Berkowski, Musik- und Satirefreunden bekannt als Leiter des zwölfköpfigen Percussion-Ensembles Zuschlag und als markante Stimme des NDR-Info-Fachmagazins „Intensiv-Station“. str

„Hafen, Wind und weite Ferne“ Do 8.1., 19.30, Parlament im Hamburger Rathaus (U Rathaus), Rathausmarkt 1/Eingang Gr. Johannisstr. 2, Karten zu 15,-/erm. 10,- unter T. 040/86 82 29, kabarett-wendeltreppe@t-online.de

Sönke Tams Freier

Der Hamburger Bariton Sönke Tams Freier singt bei  „Georg Philipp Telemanns Burlesque“.
© Mssophie

Barock Burlesque, warum auch nicht? Im Lichtwarksaal

Es darf gelacht werden. Das galt schon in der Barockzeit, auch wenn sich heutige Menschen unter dieser fernen Epoche eher Zopfiges vorstellen mögen. Georg Philipp Telemann, zu Lebzeiten über Jahrzehnte die musikalische Überfigur der Hansestadt, war nicht nur unvergleichlich produktiv, er hatte auch viel Humor. Den er auch brauchte; sein Privatleben war durchaus kraus. Die Hamburger Ratsmusik lädt am Sonnabend, 10. Januar, unter der Überschrift „Georg Philipp Telemanns Burlesque“ zu einem doppelbödig-komischen Abend in den Lichtwarksaal. Sönke Tams Freier trägt seinen geschmeidigen Bariton und seine lebendige wie stilsichere Gestaltung bei. vfz

„Georg Philipp Telemanns Burlesque“ Sa 10.1., 19.00, Lichtwarksaal (S Stadthausbrücke, Bus 3, X35, 112 Joh.-Brahms-Platz), Neanderstr. 22, Tickets zu 20,- an der Ak. oder unter hamburger-ratsmusik@t-online.dewww.hamburger-ratsmusik.de

NDR Bigband

Die NDR Bigband interpretiert im Rolf-Liebermann-Studio Stücke von Olviier Messiaen völlig neu.
© Yvonne Schmedemann | NDR

Messiaen und Jazz in der Elbphilharmonnie, wie geht das?

Kleine Quizfrage: Wie viel haben die Musik des französischen Avantgarde-Klassikers Olivier Messiaen und eine handelsübliche Bigband miteinander zu tun? Sehr wenig, normalerweise. Und genau an diesem Punkt kommt die NDR Bigband ins Spiel, die gern über den Genre-Tellerrand hinausswingt, um zu erleben, was dann passiert. Ihr Programm für den 9. Januar im Rolf-Liebermann-Studio ist entsprechend kontraststark: Zunächst interpretieren einige Mitglieder des NDR-Orchesters Messiaens Kammermusik-Meisterwerk „Quatuor pour la fin du temps“, danach wird es mit Arrangements des Jazz-Trompeters Tim Hagans, die sich auf Messiaens Handschrift beziehen, tänzerisch und bunt. jomi

NDR Bigband/Tim Hagans „Dances from the Messiaen Moment“ Fr 9.1., 20.00 Rolf-Liebermann-Studio (U Klosterstern, Bus 114), Oberstr. 120, Karten zu 25,- im Vvk.; www.elbphilharmonie.de

Sternstunde oder Reinfall?

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