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Draußen Frost, drinnen Dunkelheit – und seit Tagen kein Strom: In zehntausenden Haushalten in Berlin bleiben Wohnungen kalt, Herd und Licht aus. Mit jeder Stunde wächst die Unsicherheit – und bei manchen auch die Sorge: Was passiert eigentlich mit der Wärmepumpe, wenn der Strom tagelang weg ist? Drohen Frostschäden, Gasaustritte oder gar Explosionen, wenn Propan als Kältemittel im Spiel ist? BILD hat Experten und Hersteller gefragt, was technisch passiert, welche Risiken real sind – und wann Panik fehl am Platz ist.

Wärmepumpen und Stromausfall

Wärmepumpen mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290) gelten als effizient und klimafreundlich. Gleichzeitig stellt sich bei einem Stromausfall die Frage, ob vom Betrieb oder vom Kältemittel selbst Gefahren ausgehen.

Zunächst gilt: Bei einem Stromausfall kommt eine Wärmepumpe schlicht zum Stillstand. Kompressor, Umwälzpumpen und Regelung arbeiten nicht mehr. „Wasser friert bei einem Stromausfall nicht sofort ein“, sagt Energieexperte Alexander Steinfeldt von Co2online. Ein Einfrieren wasserführender Leitungen sei nur bei „länger andauernden Stromausfällen, starkem Frost und schlecht gedämmten oder ungeschützten Außenleitungen“ möglich.

Mehr zum ThemaWelche Gefahren gibt es?

Grundsätzlich werden zwei Gefahren befürchtet: Erstickung und Explosion/Brand. Propan ist ungiftig; eine Erstickungsgefahr wäre nur bei extrem hohen Konzentrationen denkbar. Wichtiger ist die Explosionsfrage. Propan ist brennbar, wird aber erst ab der unteren Explosionsgrenze von etwa 2,1 Volumenprozent in der Luft zündfähig.

Eine typische Wärmepumpe enthält rund 0,9 bis 1,2 Kilogramm Propan, was als Gas etwa 0,47 Kubikmetern entspricht. Rechnerisch müsste sich diese Menge vollständig und gleichmäßig in einem Raum von etwa 22 bis 23 Kubikmetern verteilen, um die Explosionsgrenze zu erreichen. – Das entspricht etwa einem Technikraum von 3,0 × 3,0 Metern bei 2,4 Metern Höhe.

In kleineren Technikräumen von etwa 2,5 × 2,5 × 2,4 Metern wäre dies theoretisch schneller möglich, zumal sich Propan bodennah sammelt.

Wie realistisch ist dieses Szenario? Laut Steinfeldt nur unter extremen Umständen: „Eine Brand- oder Explosionsgefahr bestünde nur im äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass mehrere Sicherheitsebenen gleichzeitig versagen – also eine Undichtigkeit im Kältekreis, eine unzureichende Belüftung und zusätzlich eine Zündquelle im selben Raum.“

Hinzu kommt: „In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle befindet sich die Propan-Wärmepumpe als Außeneinheit im Freien“, sagt Sebastian Schmidt, Gründer der Deutschen Sanierungsberatung (DSB): „83 Prozent der Anlagen sind Monoblock-Systeme, bei denen sich das gesamte Kältemittel im Außengerät befindet. Ins Haus kann entweichendes Kältemittel bei fachgerechter Installation nicht gelangen.“ Und draußen würde sich austretendes Gas rasch verflüchtigen.

Das sagen die Hersteller Bosch und Viessmann

Hersteller verweisen zusätzlich auf technische Schutzmechanismen. Eine Bosch-Sprecherin erklärt: „Durch das vorliegende Sicherheitskonzept ist ausgeschlossen, dass bei einem Stromausfall Propan aus dem geschlossenen Kreislauf der Außeneinheit in das Gebäude entweichen kann.“

Sandro Roman, Produktmanager bei Viessmann, verweist auf eine patentierte Schutzeinrichtung, die selbst bei mehrtägigem Stromausfall und Frost „sicherstellt, dass der Kältekreis nicht beschädigt wird und Propan kontrolliert über die Außeneinheit abgeführt wird“.

Nach längeren Stromausfällen empfiehlt es sich aber, „bei der Wiederinbetriebnahme auf Auffälligkeiten zu achten“ und im Zweifel einen Fachbetrieb einzuschalten, rät DSB-Chef Schmidt.