Reiner Riedler fotografiert seit seinem 12. Lebensjahr. Ihn interessieren vor allem langfristige internationale Projekte: „Für mich wäre der Idealzustand schon einer, dass die Kamera einfängt, was sie sieht und im Betrachter etwas auslöst und eine Diskussion anregt.“
Ukraine: „Die guten Jahre“
Die Ukraine bereitet sich auf den vierten Kriegswinter vor. Das Bild des Landes ist von Zerstörung und Tod geprägt. Ein Bild, das es heute nicht mehr gibt. Fotos, vielleicht von Menschen, die nicht mehr leben, zeigt Reiner Riedler, der die Ukraine von 1999 bis 2003 bereiste. Im Klagenfurter Raum für Fotografie sind seine Bilder bis 9. Jänner zu sehen.
Riedler: Es geht um ein Miteinander
Eines der Bilder, das Menschen am Strand zeigt, wirkt wie eine politische Stellungnahme: Eine Schwimmhilfe in blau und gelb, wie die Flagge der Ukraine, hat eine Frau damals mit an den Strand genommen. Das Foto entstand zufällig. Riedler sah diese Szene, blieb mit dem Auto stehen und drückte auf den Auslöser.
Riedler ist Dokumentarfotograf, dem es immer um eine Begegnung auf Augenhöhe geht, sagt er: „Es geht um ein Miteinander. Es geht nicht darum, dass ich über andere Menschen urteile, über eine andere Lebenssituation. Das ist natürlich brandgefährlich, wenn ich das machen würde.“
Fotostrecke mit 6 Bildern
Zeugen einer untergegangenen Welt
Viele seiner Fotos erscheinen wie Gemälde. Doch sie sind rein analog fotografiert und in der Dunkelkammer entwickelt. In der Ukraine vor rund 20 Jahren gab es auch Armut, Arbeitslosigkeit und Krankheit. Heute sind diese Fotos Zeugen einer untergegangenen Welt, Zeugnisse des Lebens der Menschen von damals.
„Und wenn man Menschen trifft, die einem dann mit einer Offenheit begegnen, dann waren das auch überwältigende Momente. Und das spürt man wahrscheinlich auch in den Fotografien, dass es tatsächlich schöne Erlebnisse waren in den meisten Fällen“, sagte Riedler.

ORF
Viele Fotos erscheinen wie Gemälde
Maurer: Bilder über Zärtlichkeit und Respekt
Reiner Riedler gilt als einer der führenden Dokumentarfotografen Österreichs. Entscheidend dabei ist, dass nichts an der vorgefundenen Szenerie verändert oder inszeniert wird. Das sind Fotos, die tief berühren, trotz allem Humor haben und vor allem das Leben feiern wollen.
Gerhard Maurer, vom Raum für Fotografie: „Das ist das ganz Starke an dieser Arbeit: Es ist kein Fotograf gekommen, der die Menschen mit der Kamera überfallen hat und ihnen Ausschnitte aus ihrem Leben rausgerissen hat. Sondern es sind Bilder, die über Zärtlichkeit, über Respekt, über Annäherung erzählen.“