Historische Kapelle: So verbindet Studio Asaï sakrale Schlichtheit mit alpinem Komfort.

Die Idee, eine entweihte Kirche in ein Wohnhaus zu verwandeln, ist nicht gerade neu – aber sie ist immer wieder faszinierend. Bei den meisten dieser Projekte liegt trotz umfangreicher Renovierung noch etwas Sakrales in der Luft. Weihrauch und Myrrhe scheinen in den alten Gemäuern auf ewig festzuhängen. Auch Antoine Simonin alias Studio Asaï widmete sich einer umgestalteten Kapelle im Dorf Zinal im Val d’Anniviers im Schweizer Kanton Wallis. Fast schon schutzbedürftig wirkt der kleine Bau mit dem eindrucksvollen 3600 Meter hohen Berg Les Diablons im Rücken. Das Archi­tekturbüro Gasser Siggen Architectes SA. renovierte und erweiterte das ehemalige Gottes­haus aus dem 18. Jahrhundert, Studio Asaï übernahm die Inneneinrichtung.

Außenansicht der umgestalteten Kapelle

Fast schon schutzbedürftig wirkt der kleine Bau mit dem eindrucksvollen 3600 Meter hohen Berg Les Diablons im Rücken.

Alice MesguichWie man eine Kapelle mit Respekt umbaut

Der Wunsch der Eigentümer, die gleich nebenan wohnen? Ein komfortables Gästehaus für Wanderer, Pilger und Winter­sportler, in dem die ursprüngliche Bestimmung des Baus noch subtil zu ­erkennen sein sollte. Und so sind trotz Erweiterung und Moder­nisierung hier einige originale Elemente erhalten geblieben: Der grob aus Hausteinen gemauerte Glockenturm etwa, er schmiegt sich wie selbstverständlich an den Anbau, Buntglasfenster filtern das Tageslicht. Und die Nischen der Heiligenfiguren dienen nun zur Präsentation von Coffee­tablebooks und ausgewählten Keramiken. „Die Geschichte des Gebäudes gab die Richtung des Projektes vor. Die spirituelle Ausstrahlung dieses Ortes und sein Alter verlangten nach einer gewissen Schlichtheit“, erklärt Simonin.

Die Aufteilung des Mini-Gästehauses ist klar und einfach: Im Erd­geschoss befinden sich Wohnzimmer und Küche, im ersten Stock ist das Schlafzimmer mit Bad. Die Küche wird zum Altar, das Waschbecken gleicht einem Weihwasserbecken, die Dusche ist mit einem jungfräulichen Blaustich in divines Licht getaucht. „Selbst die kreuzförmigen Kerben in den Einbauten“, so Simonin, „spiegeln den Geist des Sakralen wider. Alles lädt dazu ein, sich diesem Ort mit einem Gefühl von Askese zu nähern.“

Bild der Arbeitsplatte sowie des Spritzschutzes aus Edelstahl

Die Arbeitsplatte sowie der Spritzschutz aus Edelstahl setzen zeitgenössische Akzente. Die Kreuze sollen an die Zeiten erinnern, als dies noch eine Kapelle auf dem Berg war.

Alice MesguichAnsicht der Küche

Im Kontrast zu dem gealterten Lärchenholz der Einbauten und Wandverkleidungen steht das grasgrüne, frei stehende Küchenmodul.

Alice MesguichAntoine Simonin im AD-Interview: Über sakrale Stille und alpinen Komfort

Die Herangehensweise an die Gestaltung eines Mini-Chalets ist sicher anders als die für ein großes Haus. Inwiefern?

Die Gestaltung eines kompakten, begrenzten Raums ist eine Herausforderung. Sie zwingt ­einen dazu, erfinderisch zu sein und Überraschungen zu schaffen, damit der Raum nicht auf den ersten Blick alles offenbart. Wir wollten Momente gestalten, die eine Geschichte erzählen.