Insiderwissen? Krypto-Wette auf Festnahme Maduros brachte 400.000 Dollar 06.01.2026, 13:01 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger

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Captured-Venezuelan-President-Nicolas-Maduro-is-escorted-as-he-heads-towards-the-Daniel-Patrick-Moynihan-United-States-Courthouse-in-Manhattan-for-an-initial-appearance-to-face-U-S-federal-charges-including-narco-terrorism-conspiracy-drug-trafficking-money-laundering-and-others-at-Downtown-Manhattan-Heliport-in-New-York-City-U-S-January-5-2026Maduro wird in New York vor Gericht gestellt. (Foto: REUTERS)TeilenFolgen auf:whatsappwhatsapp

Ein Unbekannter verdiente mit der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten viel Geld. Nur wenige Stunden vor der geheimen US-Militäroperation hatte er auf deren Ausgang gewettet.

Die Festnahme Nicolás Maduros hat sich für einen Nutzer der Wettplattform Polymarket ausgezahlt: Er kassierte mehrere Hunderttausend Dollar. Das wirft die Frage auf, ob er von Insiderwissen profitiert hat.

Auf Polymarket können Wetten auf alles Mögliche gesetzt werden. Der Nutzer hatte rund 32.500 Dollar darauf gesetzt, dass der venezolanische Präsident bis Ende Januar gestürzt sein werde. Die Wette wurde platziert, kurz bevor US-Präsident Donald Trump die Militäroperation angeordnet hatte. Nach der Gefangennahme strich der Nutzer einen Gewinn von mehr als 400.000 Dollar ein.

Hatte der Nutzer Glück, oder war er in geheime Entscheidungen der US-Regierung eingeweiht? Das lässt sich nicht sagen. Denn es ist nicht bekannt, wer hinter der Wette steckt. Das anonyme Konto auf der kryptobasierten Plattform hatte eine Kennung aus Buchstaben und Zahlen. Die meisten Nutzer von Angeboten wie Polymarket und Kalshi platzieren Wetten unter Pseudonymen und nicht unter ihrem richtigen Namen.

Auffällig ist: Wenige Stunden vor der Bekanntgabe Trumps änderte sich die Stimmung auf Polymarket deutlich. Der BBC zufolge ergab sich aus den platzierten Wetten am Freitagnachmittag vor der Festnahme, dass die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes Maduros noch im Januar auf 6,5 Prozent geschätzt wurde. Kurz vor Mitternacht war sie auf 11 Prozent gestiegen und legte in den Morgenstunden des Samstags weiter zu, bis Trump auf Truth Social postete, dass Maduro sich in US-Gewahrsam befinde.

Die lukrative Wette des Nutzers wurde nur wenige Stunden vor dieser Bekanntgabe platziert. Sein Polymarket-Konto wurde dem US-Mediennetzwerk NPR zufolge erst wenige Wochen vor der Maduro-Festnahme eröffnet. Der Nutzername lautete zunächst „Burdensome-Mix“ (deutsch: belastende oder lästige Mischung), bevor er in eine Folge von Buchstaben und Zahlen geändert wurde.

Trump will eigene Wettbörse

Der unbekannte Nutzer hat drei weitere Wetten im Zusammenhang mit der Festnahme Marduros platziert. Auch sie gewann er, allerdings mit sehr viel geringerem Einsatz. Knapp 250 Dollar setze er auf „Trump beruft sich bis zum 31. Januar auf seine Militär-Befugnisse, um gegen Venezuela vorzugehen“, knapp 1000 Dollar auf „Die USA werden bis zum 31. Januar in Venezuela einfallen“ und 146 Dollar auf „US-Streitkräfte in Venezuela bis zum 31. Januar“. Der Gewinn: Rund 5600 Dollar.

Wettbörsen wie Polymarket und Kalshi sind in den vergangenen Jahren in den USA immer populärer geworden. Beide Plattformen betonen, Insiderhandel zu verbieten.

Die Regierung von Trumps Vorgänger Joe Biden war verstärkt gegen Online-Wettangebote vorgegangen. Doch seit der Amtsübernahme Trumps verfolgen die Aufsichtsbehörden einen zurückhaltenden Ansatz. Ein Sohn des Präsidenten, Donald Jr., ist in beratender Funktion bei Kalshi und Polymarket tätig. Und Trumps Netzwerk TruthSocial plant, eine eigene Wettbörse einzurichten.

Quelle: ntv.de