Donald Trump

analyse

Stand: 06.01.2026 13:12 Uhr

Die USA verfolgen in Venezuela klare wirtschaftliche Interessen. Trump spricht von „gestohlenem Öl“, das sich US-Firmen jetzt zurückholen sollen. Doch diese zögern noch – aus gutem Grund.


Angela Göpfert

Es geht ums Öl – das ist spätestens seit der Pressekonferenz von Donald Trump nach dem US-Angriff auf Venezuela klar. Den „Krieg gegen Drogen“, der monatelang seine Hauptbegründung für die Militäroffensive gewesen war, erwähnte der US-Präsident kaum.

Stattdessen sprach er mehr als ein Dutzend Mal über Öl – auch wenn er danach gar nicht gefragt worden war. So sollen Venezuelas Ölreserven etwa das US-Militär finanzieren, falls die Vereinigten Staaten in das Land einmarschieren. Es würde die USA „keinen Penny“ kosten, Venezuela zu besetzen, freute sich Trump. „Das Geld kommt aus dem Boden.“

Große Ölreserven, geringe Ölproduktion

Tatsächlich verfügt Venezuela über die größten Ölreserven der Welt: rund 303 Milliarden Barrel – das sind etwa 17 Prozent der globalen Reserven. Diese Ölreserven konzentrieren sich hauptsächlich im Orinoco-Gürtel, einer riesigen Region im Osten des Landes, die sich über rund 55.000 Quadratkilometer erstreckt.

Genutzt wird dieses Potenzial allerdings kaum. Die Hintergründe sind Missmanagement, mangelnde Investitionen und Sanktionen. Im vergangenen Jahr förderte Venezuela nur rund 1,1 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht gerade einmal einem Prozent der weltweiten Ölproduktion – und ist weniger als ein Drittel der Fördermenge in den 1970er-Jahren.

Enteignung der US-Ölindustrie unter Chávez

Das soll sich nach dem Willen von Donald Trump nun ändern. Der Präsident will die US-Ölindustrie zurück nach Venezuela holen, um die dortigen Ölschätze zu bergen. US-Unternehmen bohren in dem südamerikanischen Land bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach Öl.

Doch 2007 wurden sie unter Venezuelas damaligem Präsidenten Hugo Chávez faktisch enteignet. Nur das Unternehmen Chevron blieb im Land und ist dort weiterhin mit einer Sonderlizenz aktiv.

Dagegen gaben ConocoPhillips sowie Exxon und Mobil – die später zu ExxonMobil fusionierten – ihr Venezuela-Geschäft komplett auf und strengten Entschädigungsprozesse vor internationalen Schiedsgerichten an. Am Ende wurde ihnen eine Summe von insgesamt über elf Milliarden Dollar zugesprochen – doch Venezuela zahlte so gut wie nichts.

Trump will „gestohlenes Öl“ zurückholen

Trump spricht von „einem der größten Diebstähle amerikanischen Eigentums in der Geschichte unseres Landes“. Dieses – so Trump – „gestohlene Öl“ solle nun zurückgeholt werden.

Experten betonen jedoch, es gäbe keinen Rechtsanspruch auf die natürlichen Reserven. US-Firmen verfügten lediglich über Explorationskonzessionen, die ihnen zeitlich befristete Nutzungsrechte, aber kein dauerhaftes Eigentum einräumen.

Nach dem 1962 von den Vereinten Nationen verankerten Prinzip der dauerhaften Souveränität über natürliche Ressourcen haben souveräne Staaten das inhärente Recht, die Ressourcen in ihrem Hoheitsgebiet zu kontrollieren und darüber zu verfügen.

Chevron in guter Ausgangsposition

Dabei würde Chevron von einer Öffnung Venezuelas für US-Ölkonzerne wohl am stärksten profitieren. Denn selbst während der US-Sanktionen stellte die Firma ihre Aktivitäten in dem Land nie vollständig ein.

Aktuell hat Chevron rund 3.000 Mitarbeiter in Venezuela und kontrolliert über 25 Prozent der Ölförderungen. Die venezolanische Erdölgesellschaft PDVSA kontrolliert etwa 50 Prozent, weitere zehn Prozent befinden sich in Joint Ventures unter chinesischer Führung, rund zehn Prozent unter russischer und fünf Prozent unter europäischer Führung.

Zentrale der Petroleos de Venezuela S.A.in Caracas, Venezuela.

Wer ist die PdVSA?

Petróleos de Venezuela, S.A. (PdVSA) ist die staatliche Öl- und Gasgesellschaft Venezuelas, die 1976 im Zuge der Verstaatlichung der Ölindustrie gegründet wurde. Sie ist für die Exploration, Produktion, Raffination sowie den Export von Erdöl und Erdgas verantwortlich. Sie kontrolliert große Teile der weltweit größten bekannten Ölreserven und ist traditionell die wichtigste Einnahmequelle des venezolanischen Staates.

Börsenreaktionen US-Öl-Aktien

Die verbesserten Aussichten für US-Ölkonzerne spiegeln sich an der Börse eindrücklich wider: Zu Wochenbeginn schnellten die Aktien von Chevron um 5,1 Prozent nach oben, Papiere von ExxonMobil und ConocoPhillips zogen um über zwei Prozent an.

Auch die Aktien der Zulieferer SLB und Halliburton, deren Technologie für den Wiederaufbau der Förderung entscheidend wäre, legten zu. Schon im Vorfeld des Angriffs der USA auf Venezuela waren sie deutlich gestiegen.

Keine Preisrally am Ölmarkt zu erwarten

Auch die Ölpreise legten zu Wochenbeginn zu – Experten reagieren aber gelassen: „Wir glauben, dass diese Ereignisse nur minimale kurzfristige Versorgungsrisiken darstellen und daher kaum Chancen für einen bedeutenden Anstieg des Ölpreises bieten“, sagt Analyst Norbert Rücker von der Schweizer Bank Julius Bär.

Mittelfristig bis langfristig könnten die Ölpreise sogar fallen. „Eine mittelfristig zu erwartende höhere Ölproduktion Venezuelas dürfte eher dämpfend auf den Ölpreis wirken“, betont Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Negative Nebeneffekte für US-Frackingindustrie

Und das wäre wiederum so gar nicht im Interesse der US-Ölindustrie: „Interessanterweise würde ein solches Angebotswachstum in einem Umfeld, in dem die Ölnachfrage wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht, in erster Linie Teile der US-Schieferölproduktion überflüssig machen“, erklärt Norbert Rücker.

Hinzu kommt: Beim venezolanischen Öl handelt es sich um „schweres Öl“. Es ist zähflüssig, mühsam zu verarbeiten – und auf dem Weltmarkt deutlich billiger als „leichtes Öl“ etwa aus dem Nahen Osten oder der Nordsee.

Vor diesem Hintergrund ist unklar, ob und in welchem Umfang US-Konzerne tatsächlich in Venezuela investieren werden. ExxonMobil und Chevron zögern noch. Branchenvertreter hatten zuletzt immer wieder Bedenken dazu geäußert, die marode Ölinfrastruktur in einem Land wiederaufzubauen, in dem die zukünftige Führung völlig ungewiss ist.

Irak als mahnendes Beispiel

Zumal die Geschichte zeigt, dass ein solches Engagement nicht zwangsläufig den US-Firmen zugute käme. „Die USA haben bei den Regimewechseln im Irak und in Libyen keinerlei Nutzen aus dem Öl gezogen“, betont der Energieexperte Ed Hirs von der Universität von Houston. Ich fürchte, die Geschichte wird sich in Venezuela wiederholen.“

Ob sich Trumps Hoffnung erfüllt und eine Rückkehr nach Venezuela tatsächlich zum großen Geschäft für die US-Ölindustrie wird, bleibt daher offen.