Neuestes spanisches Kino gibt es im Januar in Heidelberg zu entdecken, kaum älteres im Mannheimer Cinema Quadrat.

Für gewöhnlich finden nicht allzu viele Filme von der iberischen Halbinsel den Weg in die deutschen Kinos. Man muss schon gezielt danach suchen. Dabei ist gerade Spanien derzeit ein starker europäischer Filmstandort. Die Heimat Pedro Almodóvars, Julio Medems oder der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ setzt deutlich auf den Ausbau einer nachhaltigen Filmproduktion und zukunftsweisenden Digitalisierung des Sektors. Dank attraktiver Steueranreize, Subventionen und einer weiter aufstrebenden Brancheninfrastruktur ist das Land nicht zuletzt auch als Drehort internationaler Koproduktionen gefragt. Dennoch: Mit dem Geschwisterdrama „Schwesterherz“ kommt im Januar nur eine einzige deutsch-spanische Koproduktion bei uns regulär in die Kinos.

Bei den 40. Filmtagen des Mittelmeeres vom 23. Januar bis 8. Februar im Karlstorkino in Heidelberg finden sich zumindest zwei spanische Filme, die anders als „Schwesterherz“ dann auch in Spanien spielen. „Cerrar los ojos“, der als „Close Your Eyes“ auf Spanisch mit englischen Untertiteln läuft, erzählt bewegend von einem Regisseur, der sich, unterstützt von einer TV-Sendung wie „Bitte melde dich“, zwei Jahrzehnte nach dem Verschwinden eines befreundeten Schauspielers auf die Suche nach ihm macht. Deutsch untertitelt läuft hingegen „Das Tagebuch meiner Mutter – Romería“, der ein vergleichbares Thema aufgreift, wenn er eine 18-Jährige in den Mittelpunkt stellt, die erstmals der Familie ihres Vaters begegnet, die sie nie kennengelernt hat. Eine schwirrend verwirrende Welt neuer Tanten, Onkel, Cousins und Geschichten, die auf seltsame Art davon abweichen, was sie bisher zu wissen glaubte.

Originalsprache mit Untertiteln

Gleich fünf junge Beiträge, drei Spielfilme und zwei Dokumentationen, bündelt die Reihe „Filmland Spanien“, der bereits gestartete Januar-Monatsschwerpunkt im Cinema Quadrat. Hier laufen alle Filme auf Spanisch mit deutschen Untertiteln.

Den Anfang machte vergangene Woche „Volvereís“ von Jonás Trueba. Auch nur fast ein klassischer Liebesfilm ist „Sorda – Der Klang der Welt“, die Geschichte von Héctor und der gehörlosen Ángela, die ihr erstes Kind erwarten. Je näher der Geburtstermin rückt, desto unruhiger wird Ángela in dem mehrfach ausgezeichneten Familiendrama, das mit SDH-Untertiteln für Hörgeschädigte versehen ist und von Begegnungen, Missverständnissen und der Herausforderung erzählt, als Gehörlose ein Kind in eine Welt voller Barrieren zu setzen.

Wo ist Antoñita Singla?

Sehr passend läuft ein Dokumentarfilm über die 1948 geborene spanische Flamencotänzerin Antoñita Singla, die als Kind ihr Gehör verlor. „La Singla“, so der Titel, lernte früh allein anhand der Gitarrenschläge zu tanzen, ohne die Musik hören zu können. In den 1960er-Jahren galt sie als beste Flamencotänzerin der Welt, ging mit Ella Fitzgerald auf Tour, tanzte für Dalí und war auch in Deutschland höchst erfolgreich. Vergleichbar der Musikdokumentation „Searching for Sugar Man“, fragt sich Filmemacherin Paloma Zapata, wie es wäre, die entschwundene Weltklassetänzerin heute ausfindig zu machen.

Nach Marokko entführt „Sirat“, ein Road- und Off-Road-Movie, in dem neben Spanisch auch Französisch gesprochen wird. Vater (Sergi López) und Sohn suchen bei einem großen Rave nach ihrer verschwundenen Tochter und Schwester Mar. Ihr Weg führt in dem von Pedro Almodóvar mitproduzierten, sehr atmosphärischen, mysteriösen und in Cannes ausgezeichneten Film in die Wüste des Landes. An einen Ort, an dem man sich sichtlich verlieren kann, gerade wenn man jemanden sucht.

Ganz dem umstrittenen Stierkampf widmet sich die künstlerische Dokumentation „Tardes del soledad – Nachmittage der Einsamkeit“. Der Spanier Albert Serra („Pacifiction“) begleitet den Star-Matador Andrés Roca Rey von einer Arena zur nächsten. Wir sehen: Sein blutiges Geschäft verlangt höchste Konzentration, vom Ankleiden im Hotelzimmer bis zum finalen Todesstoß. Der Torero ist einsam, der Stier ein armes Schwein.

Im Netz

Alle Spielzeiten auf www.filmtage-mittelmeer.de und www.cinema-quadrat.de/filmland-spanien.