Nürnberg (Bayern) – Nur wenige Monate nach der umstrittenen Tötung von zwölf Pavianen gibt es jetzt Nachwuchs! Zwei Affen-Babys wurden im Tiergarten Nürnberg geboren.

Im vergangenen Jahr hatte der Tiergarten Nürnberg aus Platzmangel zwölf gesunde Paviane getötet. Diese Entscheidung sorgte bundesweit für Empörung und zahlreiche Strafanzeigen.

Der tierische Nachwuchs sorgt erneut für Gesprächsstoff

Der tierische Nachwuchs sorgt erneut für Gesprächsstoff

Foto: Karina Palzer

„Tötung überzähliger Tiere bleibt eine Option“

Dag Encke, der leitende Direktor des Tiergartens in Nürnberg (Bayern) erklärt: „Dass die Tiere sich fortpflanzen können, ist sowohl aus genetischen und gesundheitlichen Gründen wichtig als auch für das Sozialleben der Tiere: Partnerwahl, Paarung, Geburten und Aufzuchten spielen hier eine entscheidende Rolle. “ Der Tierpark wolle den Guinea-Pavianen all diese Aspekte ermöglichen und so eine sozial funktionierende, gesunde, vielfältige und fortpflanzungsfähige Gruppe halten.

Seit 2018 wird die Vermehrung in Nürnberg nicht mehr verhindert. Verhütungsmittel hätten einen negativen Effekt gehabt. Encke: „Trotzdem bleibt die Tötung überzähliger Tiere eine Option, wenn keine geeignete Unterbringung gefunden wird. Doch vorerst warten wir die rechtliche Bewertung der Anzeigen ab.“

Tierschutz-Aktivisten haben das Gelände des Tiergartens Nürnberg im Juli gestürmt. Grund: Sie befürchteten, dass der Zoo einen Teil seines Pavian-Bestandes erschießen werde. Aber sie kamen zu spät

Tierschutz-Aktivisten haben das Gelände des Tiergartens Nürnberg im Juli gestürmt. Grund: Sie befürchteten, dass der Zoo einen Teil seines Pavian-Bestandes erschießen werde. Aber sie kamen zu spät

Foto: Daniel Löb/dpa

Tierschützer kritisierten Tierpark Nürnberg

Peter Höffken, Fachreferent Wildtiere von der Tierschutzorganisation PETA, sieht das kritisch: „Der Nachwuchs zeigt, dass der Tiergarten sein Geschäftsmodell fortsetzen will – süße Tierbabys für Besucher, ältere Tiere für den Abfall. Auch bedrohte Arten wie Prinz-Alfred-Hirsche und Mendesantilopen sind betroffen.“

Höffken wirft dem Tiergarten vor, einen Präzedenzfall für „Überschusstötungen“ schaffen zu wollen. „Der angebliche Artenschutz ist Augenwischerei, die meisten Zootiere werden nie ausgewildert“, sagt Höffken. Er fordert, dass die Justiz dem ein Ende setzt und die Bevölkerung den Tiergarten meidet.

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Der Aufschrei im Juli war massiv. Trotz jahrelanger Suche fand der Tiergarten kein neues Zuhause für die Tiere. Tierschützer halten die Praxis für rechtswidrig und erstatteten Anzeige. In sozialen Medien hagelte es Hasskommentare, sogar Morddrohungen gegen Direktor Encke und seine Mitarbeiter. Die Polizei ermittelt.