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Der Prozess ist am Landgericht Bremen terminiert.Der Prozess ist am Landgericht Bremen terminiert. © Alicia Windzio/dpa

Die Vorwürfe wiegen schwer und sind kaum fassbar. Ein 45-Jähriger steht in Bremen vor Gericht, weil er seine Lebenspartnerin und deren Kinder jahrelang eingesperrt, misshandelt und getäuscht haben soll.

Bremen – Wegen des Vorwurfs der schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen beginnt am Donnerstag, 15. Januar 2026, vor dem Landgericht Bremen die Hauptverhandlung gegen einen 45-jährigen Mann. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll er im Zeitraum von 2013 bis 2019 während des Zusammenlebens mit seiner Lebenspartnerin und deren Töchtern in Bremerhaven und Bremen ein „massives Lügengeflecht“ aufgebaut haben, um sie vollständig zu kontrollieren, sie von der Umwelt zu isolieren und insbesondere den Töchtern der Lebenspartnerin körperliche und seelische Leiden zuzufügen.

Wie das Landgericht mitteilt, soll er den Frauen unter anderem eingeredet haben, die Drogenmafia sei hinter ihnen her, sie befänden sich in einem Zeugenschutzprogramm und er selbst arbeite für das Bundeskriminalamt, das ihnen zur Überwachung Mikrochips implantiert habe. Im weiteren Verlauf soll sich der Mann den Zeuginnen gegenüber zudem als Arzt ausgegeben haben.

Kinder eingeschlossen, Eimer für die Notdurft

Im Rahmen dieses behaupteten Szenarios soll der Angeklagte die Töchter seiner Lebenspartnerin wiederholt für längere Zeit in ihren Zimmern eingeschlossen haben. Laut Staatsanwaltschaft habe er dabei teilweise Körperkontakt und Gespräche untersagt und für die Notdurft lediglich einen Eimer bereitgestellt. Zur Rechtfertigung des Einsperrens soll er den Mädchen suggeriert haben, sie litten an unterschiedlichen, teils ansteckenden oder sogar tödlich verlaufenden Krankheiten. Einer der Töchter soll er darüber hinaus wider besseres Wissen die Begehung von Straftaten vorgeworfen haben. Zur vermeintlichen „Therapie“ dieser angeblichen Erkrankungen soll der Angeklagte einem der Mädchen vermutlich Kochsalzlösung injiziert und ihr Medikamente verabreicht haben.

Partnerin getäuscht und Spritzen injiziert

Auch seine Lebenspartnerin soll der 45-Jährige laut Anklage getäuscht haben. Unter Vorlage gefälschter Dokumente habe er ihr vorgespiegelt, sie habe einen Herzinfarkt erlitten und leide an Lungenkrebs. In diesem Zusammenhang soll er ihr Tabletten und Tropfen gegeben sowie Spritzen injiziert haben.

Warum die Taten so lange unbemerkt blieben, konnten Staatsanwaltschaft und Gericht auf Nachfrage der Mediengruppe Kreiszeitung nicht sagen. Zwei Anzeigen wurden wohl in den Jahren 2021 und 2022 erstattet, die Staatsanwaltschaft klagte die Taten Ende 2024 an. Die Nebenklägerin, die die Töchter und die Mutter vertritt, war am Dienstag nicht zu erreichen.