Nach dem Brand von Crans-Montana werden noch mehr Details zur kriminellen Vergangenheit des Bar-Besitzers bekannt. Der Mann führte in Genf ein Bordell.

Jacques Moretti.Jacques Moretti (r.) führte in Genf ein Bordell und stiftete Frauen zur Prostitution an. – keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Jacques Moretti wurde 2008 in Frankreich wegen Anstiftung zur Prostitution verurteilt.

  • Moretti führte während drei Monaten einen Massagesalon in Genf.

  • Nach dem Berufsverbot in Frankreich baute er Gastronomie-Betriebe in der Schweiz auf.

Nach der verheerenden Brandkatastrophe in Crans-Montana werden neue Details über die kriminelle Vergangenheit des Bar-Betreibers bekannt.

Jacques Moretti wurde 2008 vom Strafgericht in Annecy (Haute-Savoie) wegen Anstiftung zur Prostitution verurteilt. Das Urteil betraf Taten aus dem Jahr 2005. Die Strafe belief sich auf zwölf Monate Haft, davon acht Monate bedingt.

Im Zentrum des Verfahrens stand ein Genfer Massagesalon an der Rue du Lièvre im Quartier Acacias. Das berichtet die französische Tageszeitung «Le Dauphiné libéré».

Moretti führte während drei Monaten ein Bordell in Genf

Laut französischen Ermittlern soll Moretti gemeinsam mit zwei weiteren Männern junge Frauen in Frankreich angeworben haben. Das Ziel: Die Frauen für erotische Dienstleistungen in der Schweiz einzusetzen.

Die Ermittlungen wurden durch einen Hinweis der Kriminalpolizei Annecy ausgelöst, woraufhin das Trio überwacht und später festgenommen wurde.

Die Besitzer der Bar «Le Constellation» rücken zunehmend in den Fokus.Die Besitzer der Bar «Le Constellation» rücken zunehmend in den Fokus. – keystoneGegen die Betreiber der Bar «Le Constellation» wurde eine Strafuntersuchung eröffnet.Gegen die Betreiber der Bar «Le Constellation» wurde eine Strafuntersuchung eröffnet. – Screenshot/XDie Bar ist nach der Silvester-Tragödie komplett abgebrannt.Die Bar ist nach der Silvester-Tragödie komplett abgebrannt. – keystone

Moretti, damals 32-jährig, bestritt die Vorwürfe. Er räumte jedoch ein, den Massagesalon während rund drei Monaten geführt zu haben. Offiziell unter dem Namen eines Schweizer Zuhälters. Diese Tätigkeit sei in der Schweiz legal gewesen.

Rechtliche Unterschiede zwischen Frankreich und der Schweiz

Seine damalige Anwältin, Me Annick Hingrez, erklärte gegenüber französischen Medien, sie habe auf Freispruch plädiert. Das Dossier sei ihrer Ansicht nach dünn gewesen. Es habe keine Anzeigen gegeben, zudem hätten die betroffenen Frauen freiwillig gehandelt.

Auch verwies sie auf die rechtlichen Unterschiede zwischen Frankreich und der Schweiz: Prostitution und Zuhälterei sind in der Schweiz nicht strafbar.

Gehört das Ehepaar Moretti in Untersuchungshaft?

1Ja, ihre Schuld an der Tragödie ist offensichtlich.

2Nein, die Schweiz ist ein Rechtsstaat; erst Ermittlungen abwarten.

Einer der Mitangeklagten wurde ebenfalls verurteilt, ein dritter freigesprochen. Gegen Moretti wurde zusätzlich ein Verbot ausgesprochen, in Frankreich ein Unternehmen zu führen. In der Folge verlagerte er seine geschäftlichen Aktivitäten in die Schweiz.

Heute betreibt das Ehepaar Moretti neben der Brand-Bar Le Constellation zwei weitere Lokale im Wallis: das Bar-Restaurant Le Senso in Crans-Montana sowie das Le Vieux-Chalet im nahegelegenen Lens.

Die Ermittlungen der Walliser Behörden zur Brandkatastrophe dauern derweil an.