Jetzt tanzen sie wieder, nicht nur hoch oben an der Fassade des Neuen Rathauses als pittoreske Figuren des Glockenspiels, sondern ganz leibhaftig unten auf dem Marienplatz: Die Schäffler haben hier am Dreikönigstag ihre nur alle sieben Jahre stattfindende Saison eröffnet. Im Beisein der Zweiten Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) drehten sich Fähnrich, Kasperl und Reifenschwinger, um wie schon vor mehr als 500 Jahren vor allem eins zu vermitteln: Zuversicht.

Der historische Münchner Schäfflertanz geht auf das Jahr 1517 zurück, als die Stadt von der Pest geplagt war und die Seuche rund ein Drittel der Bevölkerung dahinraffte. Auch danach trauten sich die Menschen lange nicht aus ihren Häusern, litten Hunger. Der Handel war ins Stocken geraten, die Bauern von außerhalb blieben aus und mit ihnen ihre Lebensmittel. Der Überlieferung zufolge fassten sich die Schäffler, also die Fassmacher, ein Herz und zogen singend und tanzend durch die Gassen, um die Münchner aufzuheitern und wieder vor die Tür zu locken.

Der Kasperl schwärzt den Zuschauern die Nasen.Der Kasperl schwärzt den Zuschauern die Nasen. (Foto: Robert Haas)Die alte Münchner Tradition lockte die Menschen auf den frostigen Marienplatz.Die alte Münchner Tradition lockte die Menschen auf den frostigen Marienplatz. (Foto: Robert Haas)

1871 wurde der „Fachverein der Schäffler Münchens“ gegründet, der bis heute an diese Erzählung erinnert und sich alle sieben Jahre in historischen Kostümen fürs Stadtpublikum dreht. Immer wieder wird von diesem Zeitintervall abgewichen, zuletzt 2022:  Während der Corona-Krise und des Ukraine-Krieges wollten die Schäffler den Münchnern Mut machen.

Etwa 450-mal werden sie bis Faschingsdienstag im Einsatz sein, sagt Christoph Saur vom Vereinsvorstand. Genau wisse man nicht, warum die Schäffler gerade zur Faschingszeit tanzten: „Vermutlich weil sie in dieser Winterzeit am wenigsten zu tun gehabt haben.“ Die Tanzgruppe mit ihren 25 Personen – „mit Ersatzleuten sind wir knapp 40“ – werde in fast jeder Grundschule Münchens auftreten, bei Firmen, Vereinen, Privatmenschen, man kann sie auch buchen.

„Wir sind von Montag bis Sonntag, von früh bis abends unterwegs“, sagt Saur. „Manche der Jungs nehmen dafür Jahresurlaub oder bauen Überstunden ab.“ Sie sind zwischen 18 und 60 Jahre alt. Vier der Tänzer sind tatsächlich noch Fassmacher, zwei weitere gerade in der Ausbildung, alle bei einem Münchner Familienunternehmen, der Fassfabrik Wilhelm Schmid. Mit den Proben haben die Schäffler direkt nach der Wiesn begonnen und sich seither zweimal die Woche jeweils drei Stunden lang zum Üben getroffen. Jetzt heißt es durchtanzen.

Termine und Informationen unter www.schaefflertanz.com