Die FDP würde das „Kotti-Klo“ am liebsten sprengen – oder wenigstens abbauen. Die öffentliche Toilette am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg sollte ein Vorzeigeprojekt der im Bezirk regierenden Grünen werden. Unisex, ökologisch und mit einem Regenbogenstreifen auf der Holzverkleidung.
2022 von Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) persönlich eröffnet, steht die Einrichtung seitdem immer wieder in der Kritik, vor allem die CDU fordert den Abriss. Täglich finden sich dort gebrauchte Spritzen vom Drogenkonsum, oft musste es wochenlang wegen Rattenbefalls schließen, obdachlose Personen übernachten darin, und die Fäkalien liegen in der Matsche neben Spritzen und Toilettenpapier.
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Trotz all dem halten die Grünen daran fest. Denn, so hieß es zuletzt: „Kein Klo ist auch keine Lösung.“ Immerhin werde die Toilette pro Tag über 150 Mal genutzt. Die CDU hatte diese Zahlen des Bezirksamts angezweifelt. Gereinigt wird die Einrichtung zwei Mal in der Woche.
Das „Kotti-Klo“ auf der Mittelinsel des Kottbusser Tors.
© Robert Klages
Anwohnende sprechen immer noch von einem Schandfleck. Ein Nachbar sagt aber auch: „Uns pissen schon so viele Leute in den Hauseingang. Wenn das Kotti-Klo nicht wäre, wären es vielleicht noch mehr.“
Ein Blick ins „Kotti-Klo“ im November.
© Robert Klages
Mitte Dezember wurden neue Türen eingebaut. Schwingtüren sollen helfen, den Drogenkonsum zu verringern. „So wird das Risiko von Fehlnutzungen minimiert, da die Toiletten jetzt besser einsehbar sind“, teilt das Bezirksamt dem Tagesspiegel auf Nachfrage mit. „Darüber hinaus sind sie auch weniger anfällig für Vandalismus.“
Drogenmüll am „Kotti-Klo“.
© Robert Klages
Eine der alten Türen ist geblieben: von oben bis unten blickdicht. Ohnehin dürften überwiegend Männer die Einrichtung benutzen. „Wo soll ich hier sonst aufs Klo gehen?“, sagt ein 35-Jähriger, der öfter am Kottbusser Tor umsteigen muss. „Es gibt hier sonst nichts. Die Dönerläden lassen einen nicht aufs Klo, wenn man nichts isst, und ich möchte nicht im Freien pinkeln. Hier sind überall Dealer, Obdachlose oder Junkies.“ Er habe sich an das „Kotti-Klo“ gewöhnt, sagt er. „Nase zuhalten und durch.“ Der Mann lacht.
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Das Kottbusser Tor ist ein kriminalitätsbelasteter Ort und Hotspot für Heroin und Crack. Ein „Drogenkonsumraum“ wird von zahlreichen Konsumierenden täglich angesteuert. Wer dort rausfliegt oder nicht sein möchte, sucht in der Umgebung nach geeigneten Plätzen, um sich einen Schuss zu setzen oder Crack zu rauchen.
Eine Gruppe junger Tourist:innen aus Skandinavien findet den Kotti „krass“. Sie hätten schon davon gehört, „aber hier liegen ja wirklich überall Spritzen und in fast jeder Ecke sitzen Süchtige.“ Die Toilette würden sie niemals nutzen. „Eher pisse ich mir in die Hose“, sagt einer von ihnen. „Das ist die ekligste Toilette der Welt“, ergänzt seine Freundin.