Eine Frau steht auf einem Wochenmarkt an einem Stand mit Obst und Gemüse.

Stand: 06.01.2026 16:01 Uhr

Der Preisdruck auf die Menschen in Deutschland lässt nach. Im Dezember sank die Inflationsrate auf 1,8 Prozent – nach 2,3 Prozent im November. Sowohl Einkaufen als auch Tanken und Heizen sind günstiger geworden.

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Dezember überraschend stark gefallen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt heute zu seiner ersten Schätzung mitteilte.

Im Oktober und November lag die Teuerung bei jeweils 2,3 Prozent, nachdem sie im September mit 2,4 Prozent einen Jahreshöchststand markiert hatte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 2,1 Prozent vorhergesagt. Von November auf Dezember stagnierten die Verbraucherpreise.

Gefühlte Inflation deutlich höher

Im Gesamtjahr 2025 zogen die Kosten für die Lebenshaltung um durchschnittlich 2,2 Prozent an. In diesem Tempo sind die Verbraucherpreise bereits 2024 gestiegen. Für das neue Jahr prognostiziert das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) einen Rückgang auf 1,8 Prozent. Entlastet werden die Verbraucherinnen und Verbraucher dann etwa durch den Wegfall der Gasumlage und geringere Netzentgelte.

Nach Prognose des ifo-Instituts dürfte die Teuerungsrate dagegen bei 2,2 Prozent in diesem Jahr und bei 2,3 Prozent 2027 liegen. Je höher die Inflationsrate, desto weniger können sich die Menschen für ihr Geld leisten. Zwar ist die Preiswelle ausgelaufen, die Deutschland nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erfasst hatte. Damals verteuerten sich Energie und Lebensmittel rasant. Das ließ die Inflationsrate hochschnellen auf 6,9 Prozent im Jahresschnitt 2022 und 5,9 Prozent im Jahr 2023.

Zwar ist die Inflation mittlerweile gedämpft, doch gefühlt ist sie noch viel höher: In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schätzten die Teilnehmer die Teuerungsrate 2024 auf 15,3 Prozent – also rund siebenmal höher, als sie tatsächlich war. Immerhin: Durch steigende Löhne und die gedämpfte Teuerung haben viele Menschen wieder mehr Geld in der Tasche. Seit mehr als zwei Jahren wachsen die Löhne nach Abzug der Inflation.

Entspannung bei Lebensmitteln und Energie

Das hat aber nicht nur positive Effekte: Im Dezember verteuerten sich Dienstleistungen mit 3,5 Prozent spürbar. Grund dafür sind ebenfalls oft gestiegene Löhne, die Unternehmen an Kundinnen und Kunden weiterreichen. Die Anhebung des Mindestlohnes zum 1. Januar dürfte sich ebenfalls auf die Preise auswirken.

Die Lebensmittelpreise lagen im Dezember um 0,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Der Wert liegt deutlich unterhalb der allgemeinen Inflationsrate. So ist etwa Butter zuletzt billiger geworden. Allerdings spüren die Menschen beim täglichen Einkauf, dass die Preise für Nahrungsmittel insgesamt deutlich höher sind als vor einigen Jahren.

Entspannung gibt es zudem bei den Energiepreisen: Sprit, Strom und Gas waren der Statistik zufolge im Dezember 1,3 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Von November auf Dezember 2025 blieben die Verbraucherpreise unverändert. Die von Ökonomen besonders beachtete Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie sank im Dezember auf 2,4 Prozent. Sie bleibt damit noch leicht erhöht.

EZB erreicht ihr Ziel

„Der deutliche Inflationsrückgang im Dezember 2025 kam nicht überraschend und ist tonangebend für 2026. Auch im gesamten Euroraum dürfte die Inflation spürbar nachgelassen haben“, sagte Silke Tober vom IMK-Institut. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt in der Währungsunion mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an. Die nach europäischen Standards berechnete deutsche Inflationsrate lag im Dezember exakt bei 2,0 Prozent.

Die EZB hat ihren Leitzins von Mitte 2024 bis Mitte 2025 achtmal auf aktuell zwei Prozent gesenkt, weil der Preisdruck insgesamt nachgelassen hat. Die meisten Experten gehen davon aus, dass sie ihren Leitzins in den kommenden Monaten nicht verändern wird.