Vor dem Präsidentenpalast in der venezolanischen Hauptstadt Caracas fielen am Montagabend Schüsse. Unter den Menschen, die sich in der Nähe des Gebäudes aufhielten, kam kurzzeitig Panik auf. Zunächst glaubten viele, es handle sich um eine Konfrontation zwischen Sicherheitskräften und Mitgliedern von Colectivos, also bewaffneten Schlägertruppen im Dienste einiger Führungsfiguren des Regimes. Später soll sich herausgestellt haben, dass die Palastgarde auf Drohnen der venezolanischen Armee geschossen hatte, die das Gelände überflogen hatten. Es habe keine Konfrontation gegeben, das ganze Land bleibe völlig ruhig, teilte ein Regierungssprecher mit.

Die Anspannung bleibt seit dem Angriff der US-Armee auf verschiedene Ziele in Venezuela und der spektakulären Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro weiterhin groß. Die Regierung in Caracas hat angeordnet, alle Personen festzunehmen, die an der Verhaftung Maduros beteiligt waren.

Am Montag wurden 14 Journalisten, die unter anderem über das Geschehen in der Hauptstadt berichteten, festgenommen. Alle wurden später wieder freigelassen, wie die Pressevereinigung in den sozialen Medien mitteilte. Ein ausländischer Journalist wurde des Landes verwiesen.

Ebenfalls am Montag wurde die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez als Interimspräsidentin vereidigt. Nach anfänglichem Trotz und scharfer Kritik an der Militäroperation zur Festnahme Maduros, den Rodíguez weiterhin als „wahren Präsidenten“ Venezuelas ansieht, hat sich die Interimspräsidentin im Ton gemäßigt und Washington eine konstruktive Zusammenarbeit angeboten. Trump drohte indes mit weiteren Militärschlägen, sollte sich Caracas den Interessen der Vereinigten Staaten widersetzen. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte in einem Interview mit Fox News, Außenminister Marco Rubio stehe in „konstantem Austausch“ mit Caracas.

Maduro: „Ich bin ein anständiger Mann“

In New York hat derweil der Prozess gegen den gestürzten venezolanischen Staatschef Maduro und dessen Gattin Cilia Flores begonnen, die sich seit Samstag in US-Gewahrsam befinden. „Ich bin nicht schuldig. Ich bin ein anständiger Mann. Ich bin immer noch Präsident meines Landes“, sagte der 63 Jahre alte Maduro, der sagte, er sei „entführt“ worden, bevor ihm der Richter das Wort abschnitt.

Maduro wird vorgeworfen, ein Netzwerk für den Kokainschmuggel mit internationalen Rauschgiftkartellen anzuführen. Die vier Anklagepunkte lauten: Narco-Terrorismus, Verschwörung zum Kokainhandel in die Vereinigten Staaten, Besitz von Maschinengewehren und von zerstörerischen Geräten. Maduros Verteidiger sagte, er erwarte umfangreiche und komplexe Rechtsstreitigkeiten über das, was er die „militärische Entführung“ seines Mandanten nannte.

Während der halbstündigen Anhörung, bei der Maduro in oranger und beigefarbener Häftlingskleidung sowie Fußfesseln auftrat, kam es vor dem Gebäude des Bundesgerichts in Manhattan zu Kundgebungen von Befürwortern und Kritikern des Prozesses. Der nächste Gerichtstermin ist für den 17. März angesetzt.

Fast gleichzeitig traf sich ebenfalls in New York der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung, um über die US-Militäroperation in Venezuela zu debattieren. Die meisten der 15 Mitglieder des Gremiums äußerten ihre Einwände gegen die Intervention und kritisierten Kommentare von Präsident Donald Trump, der mit militärischen Aktionen in anderen Ländern Lateinamerikas drohte, darunter namentlich Kolumbien und Mexiko. Auch Trumps Aussagen, Grönland übernehmen zu wollen, stießen auf scharfe Kritik im Sicherheitsrat.

London geht Völkerrechtsfrage aus dem Weg

Der US-Gesandte Mike Waltz verteidigte indes die Operation in Venezuela als gerechtfertigte und „chirurgische Strafverfolgungsoperation“. Bei Maduro handle es sich nicht um einen legitimen und demokratisch gewählten Präsidenten, sondern um einen „Narco-Terroristen“.

London, das stets seine besonderen Beziehungen zu Washington hervorhebt, versucht, der Frage aus dem Weg zu gehen, ob es sich bei der Intervention in Venezuela um einen Bruch des Völkerrechts handelt.Der britische Premierminister Keir Starmer gab jedoch zu verstehen, dass er eine Annexion Grönlands als einen solchen werten würde.

Außenministerin Yvette Cooper sagte im Unterhaus, sie habe in einem Telefonat mit ihrem amerikanischen Kollegen auf die Bedeutung des Völkerrechts hingewiesen. Ob die amerikanische Aktion mit dem Völkerrecht im Einklang stehe, müsse von Washington dargelegt werden. Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus, die Labour-Abgeordnete Emily Thornberry, drang hingegen darauf, die Intervention als „Bruch des internationalen Rechts“ zu benennen.

Starmer sagte in der BBC indes auf die Frage, ob er Trump anrate, die Finger von Grönland zu lassen, Dänemark sei „ein enger Alliierter in Europa“. Es sei „ein NATO-Bündnispartner und es ist wichtig, dass die Zukunft Grönlands vom dänischen Königreich bestimmt wird – und zwar nur von Grönland und Dänemark“. Starmer fügte hinzu, er stehe an der Seite der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.

Die „Daily Mail“ meldete, die amerikanischen Streitkräfte sammelten große militärische Transportflugzeuge auf britischen Stützpunkten. In den vergangenen Tagen sei „eine Flotte“ amerikanischer C-17 Globemaster Transporter in England angekommen.