Eine Frau mit langen dunklen Haaren und weißem Kittel bemalt mit einem Pinsel eine Leinwand mit einer Wolkenlandschaft

AUDIO: Wolkenmalerin Rabea Medebach über die Trendfarbe „Cloud Dancer“ (6 Min)

Stand: 06.01.2026 15:49 Uhr

Das Pantone Color Institute hat den Ton „Cloud Dancer“ (übersetzt: Wolkentänzer) zur Farbe des Jahres gewählt – ein Weiß, den die Malerin Rabea Medebach aus Fischerhude oft für Ihre Wolkenbilder verwendet. Ein Gespräch.

Frau Medebach, Cloud Dancer sieht ein bisschen nach schmutzigem Weiß aus. Welche Rolle spielt dieser Farbton für Ihre Wolkenmalerei?

Rabea Medebach: Er spielt natürlich eine ganz große Rolle, wobei ich es ein bisschen schade finde, dass die Wolken immer auf ein Weiß reduziert werden. Es gibt da unfassbar viele Töne, wenn man Wolken malt – eigentlich alle möglichen Farben, die man sich vorstellen kann. Aber ein Cloud Dancer-Farbton gehört natürlich auch dazu.

Wie viele verschiedene Farbtöne von Weiß haben Sie im Portfolio?

Helle Wolken schweben vor einem sanft verlaufenden blauen Himmel - ein Gemälde von Rabea Medebach

Rabea Medebach mischt in ihren Wolkenbildern die verschiedensten Farbtöne.

Medebach: Ich würde sagen: unendlich. Ich male seit über 20 Jahren Wolken, und ich glaube, es gibt keinen Weißton, der noch nicht auf meiner Palette war. Denen allen einen Namen zu geben, wie mit der Trendfarbe Cloud Dancer, das fällt mir schwer. Da gibt es ein steriles Weiß, ein gräuliches Weiß, ein bläuliches Weiß, ein Weiß, was vielleicht auch einen Rotstich hat. Es ist tatsächlich schwer, das einzugrenzen.

Mit welchen Farbtönen rühren Sie Ihre Farben an, um die rein weiße Farbe zu variieren?

Medebach: Ich nehme ein Havanna-Braun, unterschiedliche Rottöne, unterschiedliche Gelbtöne, Grau und natürlich ganz viel Blau. Denn wenn man mich kennt und vielleicht auch schon Malereien von mir gesehen hat, dann weiß man, dass ich der Farbe Blau total verfallen bin.

Warum sind sie überhaupt dem Malen von Wolken so verfallen?

Medebach: Das wurde ich schon sehr oft gefragt. Ich finde, es gibt nichts Spannenderes, als in den Himmel zu schauen und sich diese unterschiedlichen Formen und Farben von Wolken anzusehen. Ich bin fasziniert von diesem Naturphänomen, das ist meine Liebe des Lebens, und ich finde es immer noch reizvoll, das bildnerisch darzustellen.

Laufen Sie durch die Gegend und gucken in den Himmel, oder denken Sie sich Wolkenformationen aus, die Sie malen?

Medebach: Sowohl als auch. Ich fotografiere Wolken, ich laufe durch die Gegend und habe natürlich hier in Fischerhude meine Lieblingsorte, die ich dann aufsuche. Das speichere ich dann in meinem Kopf ab, auf meiner Kamera, und dann wird das umgesetzt. Manchmal male ich auch direkt draußen in der Natur, aber nicht ganz so oft. Ich bin lieber gerne für mich in meinem Atelier. Es kommt auch schon mal vor, dass ich rechts ranfahren, aussteigen und Fotos machen muss, und dann zu einem Termin zu spät komme, weil ich noch die Wolken unbedingt festhalten musste.

Weiße Wolken auf blauem Himmel

Ein Weißton als Trendfarbe – welche Bedeutung hat diese Wahl? Ein Gespräch mit Timo Rieke, Professor für Farbgestaltung.

Cloud Dancer ist die Farbe des Jahres – haben Sie das Gefühl, dass das Ihr Jahr wird als Wolkenmalerin?

Medebach: Ja, ich glaube schon, dass das mein Jahr wird. Aber ich würde das nicht an dem Farbton Cloud Dancer festmachen, sondern eher an der Wolke. Ich finde das schön, dass dieser Begriff „Wolke“ da mit drinhängt. Es tut uns allen ganz gut, mal in den Himmel zu schauen und vielleicht wieder ein bisschen demütiger zu sein. Denn das, was wir an Natur haben, ist einfach der Wahnsinn. Es ist ganz gut, auch mal wieder festzustellen, dass wir uns alle einen Himmel teilen.

Andererseits gibt es an dieser Cloud Dancer-Farbe auch Kritik. Haben Sie etwas davon mitgekriegt, wie online über Cloud Dancer gesprochen wird?

Medebach: Ich habe schon mitbekommen, dass das politisch, gesellschaftskritisch ein bisschen schwierig gesehen wird. Eine Trendfarbe politisch, gesellschaftlich einzuordnen, finde ich äußerst schwierig und möchte ich gar nicht tun. Meine Gedanken dazu aus künstlerischer Perspektive sind: Cloud Dancer ist ein Farbton, der mit allen Farbtönen harmoniert, und das zeugt von Offenheit und unterstreicht meiner Meinung nach auch die Vielfalt. Wenn ich vor einer Leinwand stehe, die grau-weiß ist, passen alle Farben auf meiner Palette zu dieser Leinwand, und das ist eher positiv zu bewerten und steht für mich für Vielfalt.

Wer sagt überhaupt, was Trendfarbe ist und was nicht? Ist das nicht ein bisschen, um im Bild zu bleiben, aus dem Himmel gegriffen?

Medebach: Ehrlich gesagt schon. Ich selbst habe Lieblingsfarben, aber keine Trendfarbe. Aber es ist natürlich wichtig, dass man Trendfarben hat. Das ist natürlich vom wirtschaftlichen Interesse, ist ja klar.

Was ist Ihre Lieblingsfarbe?

Medebach: Im Moment ist es das Lichtblau, allerdings muss ich zugeben, dass ich in den Blautönen manchmal variiere.

Das Gespräch führte Keno Bergholz.

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