Der Winter hat den Norden voll im Griff und auch in den kommenden Tagen sollen Frost, Schnee und Wind die Küste beschäftigen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee warnt inzwischen Schiffs- und Bootsführer vor möglicher Eisbildung entlang der deutschen Ostseeküste. Doch friert die Ostsee jetzt zu? Das sagt der Eisexperte des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie am Dienstag zur Lage.

Erstes Eis ist schon vorhanden

Der Norden ist weiß. Und das schon seit Tagen. Dr. Jürgen Holfort, der den Eisdienst beim BSH leitet, betont gegenüber dem Nordkurier: „In den geschützten Bereichen, zum Beispiel im Bereich des Boddens, im Penestrom, auch in Rostock im Stadthafen, haben wir schon Eis. In den Gebieten, die hauptsächlich windgeschützt und flach sind und nicht den direkten Austausch mit der Ostsee haben, gibt es bisher sehr dünnes Eis.“ Er warnt zugleich auch: „Es ist nicht zum Betreten geeignet.“

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Zur weiteren Eisbildung auf der Ostsee erklärt er, dass derzeit davon ausgegangen werde, „dass es zu keiner größeren Eisbildung auf der offenen Ostsee kommt“. Die Wettervorhersage für das Wochenende werde dennoch weitere Erkenntnisse bringen, sagt er.

Eiskarte des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie am 6.1.2025 für die OstseeBild vergrößern

Eiskarte des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie am 6.1.2025 für die Ostsee (Foto: NK-Screenshot/BSH)

Dabei betont er auch, dass es an der Ostseeküste derzeit bisher nicht wirklich zu Einschränkungen im Bereich der Schifffahrt käme. „Das Eis ist noch dünn, nur kleinere Holzboote und Privatboote dürften derzeit Probleme haben.“ Und weiter: „Bisher sieht es nicht so aus, dass die Ostsee im größeren Umfang gefrieren werde.“

Am Wochenende droht auch noch eine Sturmflut

Allerdings soll in den kommenden Tagen auch noch ein weiteres Ereignis die Küste beschäftigen. Denn „am Wochenende dürfte es erst einmal Ostwind geben, der zu einer Sturmflut führen dürfte“.

Auf der Seite von Bodden und Ostsee ist das Sperrwerk noch ohne Eis.Bild vergrößern

Auf der Seite von Bodden und Ostsee ist das Sperrwerk noch ohne Eis. (Foto: Maximilian Tabaczynski)

Hauptsächlich betroffen sind dann wohl die Kieler Bucht, aber auch unter anderen in den Bereichen Usedom und Rügen ist mit mehr Wasser zu rechnen“, so Holfort weiter. Der Ostwind sorge dafür, dass in die Kieler Bucht das Wasser gedrückt werde.

Ein wenig Eis hat sich um die Wiecker Brücke schon gebildet.Bild vergrößern

Ein wenig Eis hat sich um die Wiecker Brücke schon gebildet. (Foto: Maximilian Tabaczynski)

Der Leiter des Eisdienstes rechnet derzeit insbesondere in der Kieler Bucht mit einer mittelschweren Sturmflut. „In Flensburg dürfte dann das Wasser 1,30 Meter über Normal betragen.“ Und wie ist das in Mecklenburg-Vorpommern?

„In Warnemünde wird laut Vorhersage mit einem Meter über Normal gerechnet. Für Rostock und MV ist das Prognose-Modell aber noch etwas ungenau. Auch in Vorpommern ist mit mehr Wasser zu rechnen. Erhöhte Wasserstände sind anzunehmen,  die nach den derzeitigen Prognosen an der Grenze zu einer Sturmflut liegen dürften. Diese wird bei einem Meter mehr an Wasser über Null angenommen“, so der Experte schließlich.