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Das Innenministerium hält es für naheliegend, dass Linksextreme hinter dem Stromausfall in Berlin stecken. Menschen auf Social Media sind skeptisch.

Berlin – Nach dem Stromausfall im Südwesten Berlins könnte es noch bis Donnerstagnachmittag (8. Januar) dauern, bis alle der betroffenen 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen wieder Strom haben. Die Ermittlungen, wer hinter dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke des Energieversorgers stecken könnte, laufen derzeit noch.

Stromausfall im Südwesten BerlinsDie Polizei wertet hinsichtlich des Stromausfalls in Berlin immer noch Hinweise aus der Bevölkerung aus. © Elisa Schu/dpa

Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und die Innensenatorin Iris Spranger (SPD) gehen davon aus, dass hinter dem Stromausfall in Berlin Linksextremisten stecken könnten. Grund dafür ist ein Bekennerschreiben mutmaßlicher Linksextremisten, das die Polizei als authentisch einstuft. Es soll laut Tagesspiegel von der linksextremistischen „Vulkangruppe“ stammen. In sozialen Medien wird jedoch spekuliert, dass nicht Linksextremisten, sondern Russland hinter dem Brandanschlag stecken könnte. Wie haltbar ist diese Theorie?

Bundesamt für Verfassungsschutz untersucht Stromausfall in Berlin

Auf Reddit zweifeln mehrere Menschen daran, dass das Bekennerschreiben authentisch ist. Sie weisen auf sprachliche Auffälligkeiten hin, die auf KI oder eine Übersetzung aus dem Russischen hindeuten könnten. Zum Beispiel dass der Außenminister der USA „Vans“ statt „Vance“ genannt wird oder die SPD-Politikerin Franziska Giffey mehrfach falsch als „Giffay“ bezeichnet wurde. Außerdem sei seltsam, dass Berlins CDU-Bürgermeister Kai Wegner gar nicht erwähnt werde.

Auf TikTok macht ein User auf eine schriftliche Anfrage eines AfD-Abgeordneten von Mai 2024 aufmerksam. In der Anfrage erkundigte sich der Abgeordnete nach der Stabilität der Stromversorgung im Berliner Südwesten. Eine Zusammenarbeit zwischen dem AfD-Mann und Russland liege nahe, so seine Theorie. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (6. Januar) haben wir vom Bundesamt für Verfassungsschutz noch keine Antwort erhalten, ob es auch in Richtung der AfD ermittle.

Russische Einflussnahme beim Stromausfall in Berlin? Expertin reagiert

Angriffe auf die kritische Infrastruktur seien ein befürchtetes Ziel hybrider Kriegsführung durch Russland, weiß die Expertin für Verschwörungstheorien, Pia Lamberty. Im vergangenen Jahr seien „Anwerbeversuche und Aktionen von ‚Wegwerf-Agenten‘ öffentlich geworden, die im Auftrag der Russischen Föderation Sabotage oder andere Straftaten begehen sollen“, sagt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Könnte Russland die Vulkangruppe gesteuert haben? Russland würde versuchen, linke Milieus für seine Zwecke zu nutzen. Zum Beispiel über Anti-NATO-Narrative oder Kritik an Waffenlieferungen. Die Medienplattform „Red“ verbreite linke Propaganda-Inhalte zu Kolonialismus, Klimawandel oder dem Nahostkonflikt. Ihres Wissens nach gebe es bei der sogenannten Vulkangruppe jedoch „keine Belege für eine Einflussnahme durch Russland“, sagt die Expertin. Ohne Belege sei so eine Annahme erst einmal nur eine Hypothese oder Spekulation, die geprüft werden könne. Lamberty hält es nicht für unplausibel, dass eine linke Gruppe solche Taten wie in Berlin begeht.

Wie der Stromausfall in Berlin Russland hilft – „sinistere Ursachen“

Fehler in Übersetzungen oder ungewöhnliche Formulierungen „können erste Anhaltspunkte für hybride Attacken sein“, sagt Lamberty der Frankfurter Rundschau. In diesem Fall seien die „vorgebrachten Argumente aber aktuell zu dünn, um wirkliche Schlüsse ziehen zu können“, sagt sie. „Generell wissen wir aus der Forschung, dass Menschen nach großen Ereignissen eher glauben, dass große, oft sinistere Ursachen eine Rolle gespielt haben müssen. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass viele jetzt nach den wahren Gründen suchen, die hinter den Stromausfällen stecken können.“

Lamberty glaubt, dass wir als Gesellschaft nicht den Fehler machen sollten, Russland mehr Macht zuzuschreiben, als es habe. „Russland nutzt die Angst vor Desinformation und hybriden Einsätzen. Auch wenn sie nichts mit den Stromausfällen zu tun haben, führt allein die Debatte dazu, dass Menschen weiter verunsichert werden“, sagt sie. In Bezug auf hybride Bedrohungen aus Russland brauche es eine „faktenbasierte Debatte, die nicht nur über Vermutungen und Geraune funktioniert“. (Quellen: Reddit, TikTok, dpa, Tagesspiegel, eigene Recherche)