Testvorführungen mit Publikum? Das braucht der Meister des fantastischen Films, Guillermo del Toro, nicht. Stattdessen hört er lieber auf die Meinung seiner befreundeten Kollegen. So auch bei seinem jüngsten Erfolg, dem Horror-Epos „Frankenstein“.
Platz 1 in 84 (!) Ländern der Welt, viele begeisterte Fans und ein (fast einhellig) positives Kritiker-Echo: Guillermo del Toros düsteres Horror-Epos „Frankenstein“ beherrschte in den letzten Wochen die Schlagzeilen. Auch in unserer Kritik gab es starke 4 von 5 Sterne für del Toros Neuinterpretation des Kultromans von Mary Shelley, die – typisch für die Arbeiten des Regisseurs – gewohnt bildstark und opernhaft-opulent geraten ist.
Mit zweieinhalb Stunden Laufzeit ist „Frankenstein“, der vor allem auf praktische Effekte statt auf ausuferndes CGI setzt, schon von vornherein wahrlich kein kurzer Film. Viele Kritiker aber erfreuten sich gerade am langsamen, bedächtigen Erzähltempo des in zwei Kapiteln unterteilten Werks. Ursprünglich wäre „Frankenstein“ beinahe sogar noch etwas länger ausgefallen – doch del Toro hielt sich an den Rat eines berühmten Regie-Kollegen, eine bestimmte Sequenz schließlich doch zu streichen. Hier erfahrt ihr die Hintergründe.
„Wir sind brutal ehrlich miteinander“
Im Rahmen der von Variety veranstalteten „10 Directors to Watch & Creative Impact“-Awards äußerte sich del Toro auf dem roten Teppich zu den aus dem fertigen Film gestrichenen Szenen. Einen wesentlichen Einfluss auf del Toros Entscheidungen, seine Werke umzuschneiden oder ganze Passagen zu entfernen, haben demnach die Meinungen seiner Freunde – zu denen etliche namhafte Filmemacher zählen.
Del Toro sagte so gegenüber Variety: „Ich zeige meine Filme am liebsten meinen 14 bis 16 allerbesten Freunden.“ Und zu dieser illustren Freundeschar del Toros zählen unter anderem die bekannten Regisseure Alfonso Cuarón, Alejandro Iñárritu, Rian Johnson sowie „Avatar: Fire and Ash“-Macher James Cameron.
Cameron war es auch, der del Toro dazu riet, die entsprechenden Szenen aus „Frankenstein“ zu schneiden – obwohl Cameron die sieben Minuten lange Sequenz laut del Toro wohl als „schön“ empfand. Und der hielt sich an die Empfehlung. „Meine Freunde und ich haben die Vereinbarung, brutal ehrlich miteinander zu sein“, so der gebürtige Mexikaner.
Und auf die Ehrlichkeit seiner Kollegen legt del Toro offenbar viel Wert, denn echte Überzeugungsarbeit musste Cameron nicht leisten. „Wenn mir jemand aus diesem Kreis einen Tipp gibt, dann setze ich ihn um. Ich diskutiere nicht.“ Del Toro zufolge könne man kann nicht erst Freunde einladen, denen man vertraut, und dann plötzlich nicht mehr auf die Dinge hören, die sie einem empfehlen.
„Frankenstein“ bleibt kein reiner Streaming-Film!
Zur Freude vieler Blu-ray-Fans und begeisterter DVD-Sammler hatte del Toro bereits im November 2025 bestätigt, dass es eine offizielle Heimkino-Auswertung von „Frankenstein“ geben wird. Gut möglich, dass wir dann in den Genuss des „Final Cut“ seiner Frankenstein-Version kommen – die dann vielleicht auch jene entfernte Szenen enthält.
Camerons Sci-Fi-Blockbuster „Fire And Ash“ dominiert indes weiterhin die weltweiten Kinocharts. Der dritte Teil seiner „Avatar“-Reihe nahm kürzlich eine entscheidende Hürde und liegt mittlerweile bei einem Einspielergebnis von über Milliarde Dollar – dies gelang in der Kinogeschichte zuvor erst 60 Filmen. Ob er es am Ende zum erfolgreichsten Film bringen wird, der 2025 in den weltweiten Kinos startete, bleibt allerdings abzuwarten – denn da gibt es ja u.a. noch eine immens erfolgreiche Animationsfilm-Fortsetzung, die von „Avatar 3“ erst noch eingeholt werden muss: