Während die Witterung dem Wildpark in Grafenberg eisig-glatt zu schaffen macht, wird der rutschige Untergrund nur einen Steinwurf entfernt bestens ausgenutzt. Anders gesagt: eine Schlittenfahrt entfernt. Denn direkt am Aaper Wald hat der erste länger als ein paar Stunden liegen bleibende Schnee seit einer gefühlten Ewigkeit die Rodler aus dem warmen Winternest gelockt.
Dass Düsseldorf erst im Begriff ist, langsam aber sicher aus dem Weihnachts- und Neujahrsschlaf zu erwachen, zeigt sich am Dienstagvormittag allerdings auch auf dem Rodelhügel am Aaper Wald. Wer von der Bergischen Landstraße kommend den kurzen Weg durch den einige Zentimeter tiefen Schnee stapfte, konnte aus der Entfernung zwar einige wenige bunt gekleidete Gestalten ausmachen. Doch es war noch ausreichend Platz dafür, die Schlitten in allen möglichen Richtungen, kreuz und quer den Hang herunter auszuprobieren.
Die Szenerie am Abhang hat schon etwas idyllisches. Während in der Innenstadt der Schnee an den vielbefahrenden Straßen und auf den besonders frequentierten Fußgängerwegen langsam aber sicher grau und matschig wird, knarzt er hier noch so richtig schön unter den Schuhen. Stellenweise sackt man erst einmal ein paar Zentimeter ein. Ein naheliegender, aber wichtiger Tipp: Sneaker sind hier nicht unbedingt das passende Schuhwerk.
Ein kleines bisschen fühlt man sich hier wie in den Bergen, der weite Blick, das helle weiß unter den Füßen, die schneebedeckten Bäume und Menschen, die es nach den ersten nicht vollständig erfolgreichen Abfahrten langsam aber sicher eingepudert hat. Für Ski- und Snowboardfahren reichen die Düsseldorfer „Berge“ dann aber vielleicht doch noch nicht so ganz.
Dieser Meinung ist auch die 15-jährige Emilia: „Ich fahre Ski, aber das wäre nicht so smart, das hier zu machen.“ Sie und ihre Freundinnen Clara (16) und Elena (15) sind schon seit 11 Uhr auf dem Hügel unterwegs und haben die ersten Runden bereits gedreht. Die Schülerinnen haben noch Ferien, sie sind drei der ersten, die an diesem Tag überhaupt schon unterwegs sind. „Immer wenn es scheint, fahren wir“, sagen sie, auch wenn es der erste Schnee „seit Jahren“ sei, wie Elena sagt. Einmal habe im vergangenen Jahr kurz etwas gelegen, „aber kaum was“. Umso besser, dass der Schnee nun zumindest mal für ein paar Tage liegen bleibt.
Die drei kennen sich hier gut aus, kommen aus Düsseldorf und haben ihre Schlitten schon seit Kindertagen. „Ich gehe schon immer hier hin“, sagt Clara. Schon ihre Eltern seien damals mit ihr gefahren. Sie erinnert sich an die Corona-Zeit, die besonders für Kinder wenig Erfreuliches geboten hat, doch da „gab es mal starken Schnee“. Das habe man auch ausgenutzt, „statt Homeschooling“, war sie dann am Hügel. Insgesamt würden beim Schlittenfahren Kindheitserinnerungen wach, „und es macht einfach immer noch Spaß“, so Clara.
Ein kleiner Selbstversuch zeigt: Das stimmt! Auch wenn der Schlitten erst von ein paar Rucklern begleitet losgleitet, wird er dann nach ein paar Metern doch recht schnell und es stellt sich die Frage: Wie bremst man das Teil eigentlich? Nun, in der Regel läuft sich die Fahrt einfach aus, wenn es wieder ebenerdig wird. Doch mitten beim Rodeln zur Seite umkippen funktioniert – ungeplant getestet – auch.