Berlin erlebt infolge des Brandanschlags auf das Berliner Stromnetz den längsten Stromausfall seit dem Zweiten Weltkrieg. Mehrere Tausend Menschen befinden sich weiterhin ohne Strom und
Wärme in dunklen und kalten Wohnungen oder sind in Ausweichquartieren untergebracht. Am vierten Tag des Blackouts im Südwesten der
Hauptstadt sind noch rund 25.500 Haushalte und 1.200 Geschäfte und
Firmen nach Angaben des Betreibers ohne Strom. Rund 20 Berliner Schulen bleiben den zweiten Tag in Folge geschlossen.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und der
Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft Berlin Stromnetz,
Bernhard Büllmann, sagten den Betroffenen zu, dass sie bis Donnerstag wieder versorgt würden. Angaben des Netzbetreibers zufolge sind die
Tiefbauarbeiten für die beiden provisorischen Kabelverbindungen
abgeschlossen, sodass nun die elektrischen Arbeiten zur Herstellung
der Verbindung beginnen könnten. Damit liege man „sehr gut im Zeitplan“, hieß es von einem Sprecher des Betreibers.
Den Angaben zufolge sind 36 große Notstromaggregate im Einsatz. Alle 74 betroffenen
Pflegeeinrichtungen sowie alle drei betroffenen S-Bahnhöfe sind demnach wieder mit Strom versorgt.
Ein Brandanschlag an einer Kabelbrücke im
Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte den Stromausfall in der Hauptstadt ausgelöst. Eine linksextremistische
Gruppierung bekannte sich dazu. Infolge des Anschlags waren am Samstagmorgen im Südwesten
Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom.
Polizei und Innensenatorin gehen weiterhin von linksextremistischem Brandanschlag aus
Die Polizei sucht derweil weiter nach den Verantwortlichen für den Brandanschlag. Nach Zeugenaufrufen seien Hinweise im „mittleren
zweistelligen Bereich“ eingegangen, sagte Polizei-Vizepräsident Marco
Langner. Acht davon seien Erfolg versprechend. Außerdem habe die Polizei
mehrere Hundert Stunden Videomaterial sichergestellt.
© Lea Dohle
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Im Internet kursieren zugleich Spekulationen über mögliche
Involvierung russischer Geheimdienste in den Brandanschlag. Die Polizei
spricht allerdings klar von Linksextremisten.
Auch Innensenatorin Iris Spranger (SPD) ging wiederholt von einem linksterroristischen Anschlag aus und drängte mit Regierungschef Wegner darauf, dass der Generalbundesanwalt die
Ermittlungen übernimmt. Spranger habe sich dazu am Montag zudem mit
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) abgesprochen.
In Wannsee und benachbarten Ortsteilen hat die Polizei ihre Präsenz
deutlich erhöht. Man habe Unterstützung durch die Bundespolizei, mit der man sich eng über den Erhalt zusätzlicher Lichtmasten abstimme, sagte
Polizei-Vizepräsident Langner. Außerdem seien bis zu 550 Beamtinnen und Beamten im Einsatz, in der Nacht zudem mit einem Hubschrauber. Bislang sei die Situation aber „erstaunlich
ruhig“, sagte Langner.
Vom Stromausfall Betroffene sind zum Teil in Hotels untergebracht
Den von dem Blackout Betroffenen stehen derweil Hilfsangebote in der Stadt zur Verfügung. Drei Bäder sollen etwa in dem betroffenen Bereich rund um
die Uhr öffnen, sodass Menschen kostenlos duschen können. Die
Bundeswehr hilft laut Innenverwaltung vor allem bei Transport, Aufbau,
Anschluss und Dieselversorgung von Notstromaggregaten. Die Soldaten
versorgen die Menschen vor Ort auch mit warmem Essen und Tee. Notquartiere und andere Anlaufstellen stehen Betroffenen offen, um sich aufzuwärmen. Um möglichst alle Menschen zu erreichen, gehen
Mitarbeiter von Ordnungsämtern, der Polizei, der Malteser und anderen
Besuchsdiensten seit Sonntag von Tür zu Tür.
Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner teilte auf X zudem mit, dass die Kosten für Betroffene, die in Hotels unterkommen mussten, erstattet würden. Der Senatsverwaltung
für Wirtschaft zufolge gilt das für entsprechende Partnerhotels der
Berliner Tourismusagentur Visit Berlin.
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