• Anwohner im Bremer Stadtteil Strom leiden seit Beginn der Arbeiten an der A1-Weserbrücke verstärkt unter Pendlerverkehr aus Delmenhorst und Ganderkesee, vor allem auf der Stromer Landstraße.
  • Die Anwohner, vertreten durch Sonja Rose und Ortsamtsleiterin Cornelia Renken, berichten von erheblichem Lärm, Geschwindigkeitsübertretungen und einer überlasteten Infrastruktur; Anträge auf Geschwindigkeitskontrollen wurden abgelehnt.
  • Der Beirat Strom fordert unter anderem einen Ausbau der B212 neu mit Vollanschluss, die Herausnahme der Stromer Landstraße aus dem Lkw-Führungsnetz und kritisiert die mangelnde Sanierung der baufälligen Stedinger Brücke.

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Die Stromer Landstraße ist für viele Pendler aus Delmenhorst und Ganderkesee längst zu einer festen Ausweichroute geworden. Wer dort in Richtung Bremen unterwegs ist, versucht bei Staus regelmäßig, die B75 zu umgehen. Doch was für Autofahrer eine pragmatische Lösung ist, bedeutet für die Anwohner der Stromer Landstraße eine zunehmende Belastung. Die Straße wird durch Pendler aus dem Delmenhorster Norden und dem Kreis Wesermarsch ohnehin seit Jahrzehnten genutzt.

Pendler weichen auf Umland aus

Seit Beginn der Arbeiten an der A1-Weserbrücke im April kommt es auf der A1 täglich zu Staus. Ein Teil des Verkehrs verlagert sich dadurch zunächst auf die ohnehin stark genutzte B75. Wenn es auch dort zu Rückstaus kommt, weichen Pendlerinnen und Pendler zunehmend auf alternative Routen im Umland aus – darunter die Stromer Landstraße (wir berichteten).

Unsere Redaktion hat sich vor Ort mit Sonja Rose, Sprecherin des Beirates Strom, und Cornelia Renken, der ehrenamtlichen Ortsamtsleiterin für den Stadtteil Strom, getroffen. Das Gespräch fand zur typischen Feierabendzeit statt. Währenddessen rauschten im Sekundentakt Autos vorbei, immer wieder auch Lastwagen. Ruhe kehrte kaum ein.

Anwohner fordern mehr Blitzer

„Es ist in den letzten Jahren und Monaten noch viel schlimmer mit dem Verkehr geworden“, sagt Rose. Aus ihrer Sicht sei man „zu einem Autobahnzubringer verkommen“. Den Pendlern selbst macht sie dabei keinen Vorwurf: „Denen bleibt bei der Verkehrssituation kaum etwas anderes übrig.“

Die Folgen spüren viele Anwohner unmittelbar. Rose berichtet von erheblichem Lärm, der vor allem in den Stoßzeiten Erholung im eigenen Garten nahezu unmöglich mache. Hinzu komme, dass aus ihrer Sicht häufig zu schnell gefahren werde. Der Beirat habe deshalb schon vor längerer Zeit einen festen Blitzer beantragt – ohne Erfolg. Der Antrag sei von den Behörden abgelehnt worden. Nun wünschen sich die Anwohner zumindest häufigere mobile Geschwindigkeitskontrollen. Auf niedersächsischer Seite stellt die Stadt Delmenhorst immer wieder einen Blitzeranhänger auf, der in beide Richtungen messen kann.

Ochtumbrücke sollte schon saniert werden

Auch aus infrastruktureller Sicht sehen die Anwohner die Belastungsgrenze überschritten. „Die Infrastruktur ist am Limit. Die Straße ist zu klein und für eine solche Verkehrslast nicht ausgelegt“, sagt Ortsamtsleiterin Renken. Teilweise sei der Verkehr morgens so dicht, dass sie Schwierigkeiten habe, mit ihrem Hund die Straße zu überqueren. Auch deshalb fordert der Beirat, die Stromer Landstraße aus dem Lkw-Führungsnetz herauszunehmen, um den Schwerlastverkehr zu reduzieren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Stedinger Brücke über die Ochtum, die die Grenze zwischen Delmenhorst und Bremen markiert. „Die ist baufällig“, sagt Rose. Bei der letzten Bauwerksprüfung erhielt sie die Note 3,4. Nach der geltenden Norm entspricht das einem „nicht ausreichenden Zustand“. Bereits 2022 hatte der Bremer Senat auf eine Anfrage der FDP-Fraktion erklärt, dass ein Ersatzneubau zwischen 2022 und 2025 vorgesehen sei. Seitdem ist jedoch nichts passiert.

So verläuft die ”Südvariante” der B212n im Delmenhorster Stadtnorden nach bisheriger Planung.

So verläuft die ”Südvariante” der B212n im Delmenhorster Stadtnorden nach bisheriger Planung.

Foto:
WESER-KURIER/BERDING/OSM

Als langfristige Lösung verweisen Rose und Renken erneut auf die Planungen zur B212 neu. Die Position der Stromer ist dabei seit Jahren unverändert: Sie fordern weiter einen Vollanschluss. Seit 2019 steht fest, dass sich die Behörden auf die sogenannte Südvariante (Variante 1B) geeinigt haben. Diese führt von Berne kommend über die Stedinger Landstraße, verläuft entlang der Stromer Landstraße, quert Deich und Ochtum und bindet schließlich bei der A281 auf Bremer Gebiet an.

Im Delmenhorster Norden ist allerdings nur ein Teilanschluss in Richtung Berne vorgesehen. Auffahrten von und nach Bremen wurden bereits 2019 verworfen. Die Stadt Delmenhorst sprach sich damals insbesondere gegen eine Auffahrt Richtung Bremen und Güterverkehrszentrum aus, da man eine massive Zunahme des Verkehrs im Stadtgebiet befürchtete.

Rose kritisiert Stadt Delmenhorst

Prognosen zufolge wären auf der Stedinger Straße bis in die Delmenhorster Innenstadt täglich bis zu 4000 zusätzliche Lastwagen unterwegs gewesen, unter anderem um Lkw-Maut zu sparen. Auch Ganderkesee hatte sich in der Vergangenheit gegen andere Planungsvarianten ausgesprochen, da man keine Umgehungsstraße im eigenen Gemeindegebiet wollte.

Rose ist deshalb sauer: „Diese ’not-in-my-backyard‘-Mentalität ist Egoismus pur.“ Ihrer Ansicht nach könne man den Pendler- und Ausweichverkehr nicht dauerhaft und ausschließlich auf die Anwohner in Strom abwälzen. Cornelia Renken ergänzt, ein Vollanschluss hätte auch Vorteile für Delmenhorster und Ganderkeseer Verkehrsteilnehmer gehabt: „Keine Ampeln, keine Trecker, stattdessen wäre man innerhalb weniger Minuten in Bremen.“

Wie wird der Zustand der Stedinger Brücke aktuell bewertet und welche Sanierungs- oder Neubaupläne gibt es laut den offiziellen Angaben?

Der Zustand der Stedinger Brücke wird laut offiziellen Angaben als mangelhaft bewertet: Bei der jüngsten Hauptprüfung 2023 rutschte sie aufgrund fortgeschrittener Mängel wie Rissen im Beton und Abplatzungen mit freiliegender Bewehrung auf die Zustandsnote 3,5 („ungenügend“) ab. Eine Sanierung der Brücke ist dringend erforderlich und soll laut Gemeinde Schwanewede demnächst erfolgen; bislang führte der Sanierungsstau jedoch zu einer weiteren Verschlechterung des Bauwerkszustands. Für die kommenden Jahre hat die Kommune jährliche Haushaltsmittel für Brückenunterhaltungen eingestellt und zudem einen Neubau von zwei kleineren Brücken vorgesehen.

Quellen

Was sieht die beschlossene Südvariante (Variante 1B) der B212 neu im Detail vor und wie begründen Delmenhorst und Ganderkesee ihre Einwände gegen einen Vollanschluss?

Die beschlossene Südvariante (Variante 1B) der B212neu verläuft von Berne kommend, kreuzt die Stedinger Landstraße zwischen Biohof und Sandhauser Brake, folgt der Stromer Landstraße, überquert den Deich und die Ochtum und führt schließlich auf Bremer Gebiet zur A 281; besondere bauliche Anpassungen wie ein 550 Meter langes Brückenbauwerk werden zum Schutz von Fledermäusen geprüft. Im Delmenhorster Norden ist statt eines Vollanschlusses lediglich ein Teilanschluss in Richtung Berne vorgesehen, da Delmenhorst und Ganderkesee einen Anschluss von und nach Bremen sowie zum Güterverkehrszentrum ablehnen. Ihre Einwände begründen sie damit, dass ein Vollanschluss auf der Stedinger Straße in Bungerhof laut Prognosen zu einer massiven Verkehrszunahme mit bis zu 4000 zusätzlichen Lkw pro Tag und damit zu Belastungen für die Stadt geführt hätte.

Quellen

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

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