Nicolas Maduro überschüttete Wladimir Putin bei seinem Besuch in Moskau zum Tag des Sieges im Mai 2025 mit Lob. Der venezolanische Präsident bezeichnete Russland als „eine Schlüsselmacht der Menschheit“. Die beiden Staatschefs unterzeichneten damals ein Abkommen über „strategische Partnerschaft und Zusammenarbeit“. Am 3. Januar war Russland hingegen nur Zuschauer, als die USA mit Gewalt Maduro und seine Frau nach New York brachten, wo ihnen der Prozess wegen Drogenhandels gemacht wird.

Russische Luftabwehr konnte Maduro nicht schützen

Tage nach dem Sturz des venezolanischen Präsidenten schweigt Putin weiterhin. Zuvor hatte das russische Außenministerium seine Besorgnis geäußert und Maduros Freilassung sowie Verhandlungen zwischen den USA und Venezuela gefordert. Nach einem Telefonat Anfang Dezember erhielt Maduro laut offiziellen Berichten als letzte Nachricht vom russischen Präsidenten einen Neujahrsgruß.

Nicolás Maduro wird zur Gerichtsanhörung in New York geführtNicolás Maduro wird zur Gerichtsanhörung in New York geführtBild: Kyle Mazza/Consolidated News Photos/picture alliance

Maduro war einer der wenigen Staatschefs, die Russland im Februar 2022 unterstützten, als Moskau die separatistischen Pseudo-Republiken Donezk und Luhansk vor dem Großangriff auf die Ukraine anerkannte. Im Dezember 2018 entsandte Russland zwei strategische Bomber vom Typ Tu-160 zu Übungen nach Venezuela, was Experten als Zeichen der Unterstützung für Maduro interpretierten. Sie landeten auf dem Flughafen von Caracas – demselben, von dem die USA den venezolanischen Machthaber ausgeflogen hatten. Die russische Luftverteidigung konnte ihn nicht schützen, wie US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nun spottet. Wie konnte das passieren?

Warum kritisiert Putin Trump nicht?

„Die russische Unterstützung für Venezuela war eher symbolischer als praktischer Natur“, sagte Neil Melvin, Experte am Royal United Services Institute (RUSI), gegenüber der DW. Seiner Ansicht nach ist Russland nicht in der Lage, den Einsatz von US-Streitkräften in der Nachbarregion infrage zu stellen.

Der deutsche Politikwissenschaftler und Autor eines Buches über russische Außenpolitik, Felix Riefer, ist ebenfalls nicht überrascht. Nachdem Trumps Rückkehr ins Weiße Haus zu einer Annäherung zwischen Moskau und Washington geführt hatte, reagierte Russland auf „amerikanische Andeutungen gegenüber Venezuela mit relativer Zurückhaltung“, so Riefer. „Russland hat Maduro eigentlich schon vorher fallen lassen.“

Einer der Gründe sei der Krieg Russlands gegen die Ukraine und der Wandel der USA vom westlichen Partner Kyjiws zum Vermittler, glauben beide Experten. Russland vermeide scharfe Kritik an Washington, weil es „es nicht verprellen“ wolle, so Melvin. Seiner Meinung nach wäre Moskaus Rhetorik zu den Ereignissen in Venezuela ohne den Krieg gegen die Ukraine zwar „deutlich schärfer“, mehr aber nicht. Der britische Experte sieht keine unmittelbaren Folgen für den Krieg in der Ukraine. Dies könnte sich ändern, wenn Trump nicht bei Venezuela stehen bleibt, sondern weiter geht und beispielsweise versucht, Grönland, das zu Dänemark gehört, zu „einzugliedern“ – etwas, was der US-Präsident kürzlich erneut andeutete.

Wladimir Putin und Donald Trump bei einer Begrüßungszeremonie vor ihrem Treffen 2025Wladimir Putin und Donald Trump bei ihrem Treffen 2025Bild: Sergei Bobylev/TASS/IMAGO

Die NATO würde eine solche Entwicklung wohl nicht überstehen, glaubt Melvin. Auch die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äußerte sich ähnlich. Was denkt man in der Ukraine?

Vorsichtiger Optimismus in der Ukraine

Offizielle in Kyjiw kommentieren die Ereignisse in Venezuela zurückhaltend. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte: „Wenn man Diktatoren so behandeln kann, dann wissen die Vereinigten Staaten, was als Nächstes zu tun ist.“ Das ukrainische Außenministerium erinnerte daran, dass es Maduro nicht als Präsidenten anerkennt.

Kyjiwer Experten sind vorsichtig optimistisch. Die Märkte erwarten, dass es in absehbarer Zeit zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Venezuela kommen wird, was Venezuela für die Ölproduktion öffnen und erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Ölpreise haben werde, sagt der Politikwissenschaftler Petro Oleschtschuk von der Nationalen Universität Kyjiw. „Alles, was die Ölpreise senkt, ist für die Ukraine von Vorteil und könnte sich positiv auf die Verhandlungen auswirken. Denn je billiger das Öl ist, desto weniger Geld hat Russland zur Verfügung, wodurch die Vorstellung, Russland sei zu einem endlosen Krieg bereit, immer weniger glaubwürdig erscheint“, so Oleschtschuk.

Venezuela | Ölplattformen im See MaracaiboGünstigere Ölpreise könnten sich positiv auf die Ukraine-Verhandlungen auswirken, glauben ExpertenBild: Jose Isaac Bula Urrutia/Eyepix/ZUMAPRESS/picture alliance

Ein weiterer Punkt, bei dem die Medien Parallelen zur Ukraine gezogen haben, ist die These, dass die USA durch die Festnahme Maduros ihre Rolle als demokratischer Verhandlungspartner „schwächen“ könnten. Experten, mit denen die DW sprach, sind jedoch skeptisch. Diese Aktionen passten in die US-Doktrin der westlichen Hemisphäre als Interessensphäre, so Oleschtschuk. Der Experte merkt an, dass es unmöglich sei, Parallelen zwischen Maduros Festnahme und der russischen Aggression gegen die Ukraine zu ziehen. „Im Fall Venezuela annektieren die USA kein Territorium und behaupten nicht, Venezuela sei ein fiktiver Staat.“

Experte: Russlands Position bröckelt

Der deutsche Politikwissenschaftler Felix Riefer argumentiert ähnlich. Russland könnte versuchen, den Fall Venezuela zu nutzen, um seine Aggression gegen die Ukraine wieder einmal zu rechtfertigen. Das sei zwar möglich, aber „ein direkter Vergleich hinkt“. Riefer ist überzeugt, dass Moskaus Ansehen in der Welt geschwächt ist: „Wer auf Russland setzt, darf nicht darauf hoffen, dass er beschützt wird.“

Neil Melvin betont, dass dies bei Weitem nicht das erste Mal sei. „Russland hat Armenien, Syrien und nun auch Venezuela verloren“, so der Sicherheitsexperte. „Russlands internationale Position schwächt sich merklich ab, da es seinen Krieg gegen die Ukraine eskaliert und nicht mehr über die Ressourcen verfügt, solche Beziehungen aufrechtzuerhalten.“

Selbst im Fall Kubas, Russlands wichtigstem Partner in Lateinamerika und einem der engsten Verbündeten Venezuelas, dürften Moskaus Proteste lauter sein, doch Russlands Optionen seien „sehr begrenzt“, meint Melvin. Kuba gehört zu den Ländern, auf die Präsident Trump zuletzt verbalen Druck verstärkt hatte.