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Nach dem Anschlag in Berlin auf das Stromnetz gibt es Spekulationen über einen russischen Ursprung des Bekennerschreibens. Nun kursiert eine „Richtigstellung“.
Berlin – Nach wie vor sind im Südwesten Berlins rund 19.900 Haushalte ohne Strom, nach Angaben von Stromnetz Berlin vom Mittwoch sind zudem noch etwa 850 Gewerbebetriebe betroffen. Grund für den großflächigen Stromausfall war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal, der nach bisherigen Erkenntnissen auf das Konto von Linksextremisten gehen soll. Eine Organisation namens Vulkangruppe hatte sich in einem Bekennerschreiben zu dem Anschlag bekannt, das von vielen Expert:innen als „glaubwürdig“ eingestuft wurde.
Nach dem Stromausfall in Berlin stellt die BVG Busse zum Aufenthalt zur Verfügung. © Jens Kalaene/dpa
Doch in den sozialen Netzwerken war man sich dessen nicht sicher. Vielmehr kursierten Gerüchte, dass Russland hinter dem Anschlag stecken könnte. Viele sahen eine „False Flag“-Aktion, also eine Tat unter „falscher Flagge“. Andere verwiesen auf die Namensgleichheit mit der russischen Firma NTC Vulkan, der Verbindungen zum Militär und russischen Geheimdiensten nachgesagt werden. Wieder andere wollten in dem Bekennerschreiben falsche Übersetzungen aus dem Kyrillischen erkannt haben, was auf russische hybride Kriegsführung hindeute.
Vulkangruppe: „Äußerer Feind“ werde aus Ohnmacht „konstruiert“
Wie es scheint, laufen derlei Überlegungen ins Leere. Denn am Dienstag (6. Januar) veröffentlichte das linke Portal knack.news einen Text, der von der Vulkangruppe geschrieben worden sein soll. Inwiefern dies tatsächlich der Fall ist, lässt sich aktuell nicht verifizieren. Allerdings wurde auch das erste Bekennerschreiben dort veröffentlicht. „Wir melden uns erneut, weil nach unserer ersten Erklärung vieles bewusst missverstanden oder verzerrt wurde“, heißt es, und weiter: „Unser Handeln richtete sich nicht gegen Menschen … Niemand von uns ignoriert, dass der Ausfall von Strom für viele eine reale Belastung bedeutet.“
Verantwortung dafür trügen aber nicht jene, die „handeln“, sondern jene, „die tagtäglich Blackouts, Umweltkatastrophen und soziale Kälte in Kauf nehmen“. Schließlich wird in dem Schreiben betont, dass Spekulationen über eine „False-Flag-Aktion“ nichts weiter seien, als Spekulationen: „Dass Menschen hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen, passt nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden. Also wird ein äußerer Feind konstruiert.“ Hier werde nur die „eigene Ohnmacht kaschiert“. Wer behaupte, „hinter jeder Form von Sabotage müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigert sich der Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren“.
Diese bekannten Politiker sitzen jetzt nicht mehr im Bundestag
Fotostrecke ansehenDRK-Chef fordert vom Bund Investitionen in Bevölkerungsschutz
Derweil kritisiert der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, fehlende Investitionen des Bundes in den Bevölkerungsschutz. Die aktuelle Situation zeige nochmals, wie anfällig die kritische Infrastruktur sei und welche Bedeutung der Schutz der Bevölkerung habe, sagte Gröhe dem RedaktionsNetzwerk Deutschland am Mittwoch. Nötig sei eine „ausreichende Bevorratung an Materialien zur Bewältigung solcher Lagen“.
Ein Beispiel seien mobile Betreuungsmodule, die bei einer länger andauernden Krisensituation zum Einsatz kommen könnten: „Durch sie könnten im Krisenfall jeweils 5000 Personen wie in einer kleinen Stadt eigenständig versorgt werden – mit Wasser, Energie und Gesundheits- sowie sozialen Angeboten.“ (Quellen. dpa, eigene Recherche) (ktho)