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Trump hat Grönland offenbar fest im Blick und gibt einen Zeitplan vor. Ein Experte warnt weitere Ziele. Ein Karibikstaat könnte im Fokus stehen. Analyse.
Der Countdown läuft. Nach Venezuela hat US-Präsident Donald Trump jetzt Grönland fest im Blick – und gibt sogar schon einen Zeitplan vor. „Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein“, sagte Trump jüngst an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One. Und weiter: „Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen.“
Der Malecón in Havanna: Die berühmten Oldtimer sind für viele Kubaner auch touristische Einnahmequelle. Aktuell wird Benzin allerdings knapper auf der Insel. (Archivbild) © Peter Sieben
Wie genau die USA die autonome Region Grönland, die zu Dänemark gehört, unter ihre Kontrolle bringen wollen, ist noch unklar. „Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung“, sagte zuletzt Regierungssprecherin Karoline Leavitt. Eine Militäraktion ist also nicht ausgeschlossen. US-Medien spekulieren auch darüber, dass Trumps Regierung Grönland womöglich kaufen will. Derweil hat der Präsident womöglich schon ein weiteres Land im Sinn, glauben Beobachter – und das liegt mitten in der Karibik.
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„Kuba dürfte ein weiteres Ziel sein“, sagt Fabrice Lehoucq, Politik-Professor an der University of North Carolina in Greensboro und Lateinamerika-Kenner, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Trump hat immer wieder Einwände gegen das kubanische Regime erhoben, und sein Außenminister Marco Rubio gehört der anti-Castro-kubanischen Diaspora in den USA an.“ Über Jahrzehnte regierten die Brüder Fidel und Raúl Castro mit ihrer kommunistischen Partei PCC den Karibikstaat – faktisch eine Einparteiendiktatur, die zahlreiche Kubaner ins US-Exil trieb. Ende der 50er-Jahre enteignete das Castro-Regime US-Firmen auf der Insel. Seitdem schwelt ein Konflikt zwischen den Staaten. Kuba ist auch wegen eines dauerhaften US-Embargos wirtschaftlich weitgehend isoliert und war lange von der ehemaligen Sowjetunion abhängig.
Mitte der 2010er-Jahre startete US-Präsident Barack Obama erste Annäherungsversuche. Doch spätestens seit der ersten Amtszeit von Donald Trump sind die Fronten wieder verhärtet. Die US-Militäraktion gegen Venezuela und die Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau sorgten auf Kuba für helle Aufregung. Das Land steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, war zuletzt vor allem auf Öl seines Verbündeten Venezuela angewiesen, um sein uraltes Stromnetz zu betreiben. Aktuell gibt es immer wieder Stromausfälle. Auch Benzin für die berühmten Oldtimer, die auf Kuba notgedrungen seit Jahrzehnten zum Straßenbild gehören, wird knapp.
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Allerdings verfügt Kuba über große Mengen an Bodenschätzen, darunter Nickel, Gold, Lithium und Öl. Weil das Land aber nur über veraltete Abbautechnologien verfügt, stagniert der Abbau auf recht niedrigem Niveau – ähnlich wie im ressourcenreichen Venezuela. Dort wollen die USA nach Einschätzung von Experten die Kontrolle über die Bodenschätze erlangen und dem Einfluss Chinas – wichtigster Handelspartner des südamerikanischen Staates – entziehen. Ähnliches könnte für Kuba gelten. „Die jetzige Regierung bleibt noch drei Jahre im Amt; es würde mich nicht überraschen, wenn sie vor 2028 Maßnahmen gegen Kuba ergreift“, so Politologe Lehoucq.
Die außenpolitischen Aktivitäten Trumps sorgten in den USA allerdings bei vielen für schlechte Stimmung, sagt der Wissenschaftler. Handfeste Militäraktionen dürften ihm innenpolitisch schaden: „Trump gewann die letzte Wahl mit knapp unter 50 Prozent der Stimmen. Nur wenige Amerikaner wollen, dass sich ihre Streitkräfte in einem anderen Land engagieren.“
Dabei hatte Trump zuletzt auch Drohungen gegen Kolumbien ausgesprochen. Eine Invasion hält Lehoucq allerdings für unwahrscheinlich. Aber: „Die Trump-Regierung könnte erneut für Überraschungen sorgen. Darin liegt vielleicht die wichtigste Lehre aus der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro: Alles ist möglich.“ (Quellen: Expertengespräche, eigene Recherchen, AFP)