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Donald Trumps Machthunger auf Grönland wird in Russland genüsslich verfolgt. Ein Berater von Wladimir Putin hofft, dass das nur der Anfang ist.
Moskau – Aus russischer Sicht begann das Jahr 2026 mit einem Nackenschlag. Die US-Militäroperation in Venezuela samt der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro dürfte Moskaus Einfluss in Lateinamerika erheblich einschränken. Kirill Dmitrijew scheint das jüngste Treiben von US-Präsident Donald Trump mit den Drohungen in Richtung Grönland dennoch zu genießen. Weil er sich davon auch eine Schwächung Europas verspricht.
So würde ihm die Welt wohl gefallen: Kirill Dmitrijew hat als Berater von Wladimir Putin Freude an Donald Trumps Anspruch auf Grönland. © IMAGO / Anadolu Agency
, Pulse of Europe
Der 50-Jährige ist offiziell Sondergesandter von Kreml-Chef Wladimir Putin und zuständig für Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit. In seiner Rolle nahm er auch eine wichtige Position bei den russisch-amerikanischen Gesprächen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs ein, die trotz der Intensivierung durch Washington noch keinerlei Früchte trugen.
Putin-Gesandter über Trumps Pläne: „Neugestaltung von Einflussgebieten“
Nun schaut er also umso mehr nach Übersee und kommentiert die jüngsten Entwicklungen ganz im Sinne von Moskaus Machthaber. Beispielsweise den X-Post einer Weltkarte, die die Aufteilung der Regionen zwischen Trump, Putin und Chinas Präsident Xi Jinping suggeriert. Demnach herrscht Washington über ganz Amerika inklusive Grönland, Moskau hat die Macht über Europa und Nordafrika, Peking gehört der beträchtliche Rest: fast ganz Asien südlich von Russland, ein großer Teil Afrikas und Ozeanien.
Diese absurde Weltkarte mit den drei Einflussbereichen entstammt einem Post der Bürgerinitiative Pulse of Europe, die davor warnt, dass Europa zum Spielball werden könnte und daher seine starken Ressourcen dringend besser bündeln müsse. Dort wird zugleich auf einen X-Post des CDU-Politikers Ruprecht Polenz verwiesen, der zu der Karte und einem Lob von AfD-Politiker Maximilian Krah auf Trumps „Großraumordnung“ schrieb: „Die AfD freut sich schon drauf.“
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Dmitrijew scheint die Karte ebenfalls zu gefallen, denn er kommentierte dazu: „Das Zeitalter der Neugestaltung von Einflussgebieten.“ Zudem macht er sich über die Europäer lustig, indem er hinzufügt: „Die EU ‚beobachtet die Lage aufmerksam‘.“ Eine Anspielung auf Brüssels erste Reaktion auf die US-Intervention in Caracas. Die EU-Außenbeaufragte Kaja Kallas hatte via X mitgeteilt, das Bündnis werde die Lage in Venezuela sehr genau beobachten.
Putin-Gefolgsmann zu Grönland-Streit: „EU misst mit zweierlei Maß“
Auch ein CNN-Interview von Stephen Miller nutzte Dmitrijew derweil, um auf X zu zündeln. In diesem hinterfragte der Trump-Berater Dänemarks Anspruch auf Grönland und erklärte, die Insel müsste Teil der Vereinigten Staaten sein, da die USA als stärkstes NATO-Mitglied die Sicherheit und Interessen des Bündnisses in der Region durchsetzen würden.
Hierzu ließ der Putin-Gefolgsmann wissen: „Grönland scheint sich entschieden zu haben – die EU wird weiterhin das tun, was Vasallen am besten können: ‚die Situation beobachten‘ und mit zweierlei Maß messen.“ Es folgte die provokante Frage: „Als nächstes Kanada?“
Ihm kommt der Streit um Grönland entgegen: Kreml-Chef Wladimir Putin lässt seinen Gefolgsmann die Entwicklungen im Westen weiterspinnen. © IMAGO / ZUMA Press
Trump hatte bereits im vergangenen Jahr darüber sinniert, das Nachbarland mit einer größeren Fläche als die USA zu einem US-Staat zu machen. Dagegen regte sich in Kanada jedoch heftiger Widerstand, was auch Auswirkungen auf die jüngsten Wahlen im April hatte. Trotz im Vorfeld zeitweise deutlichem Vorsprung der dem Republikaner nahestehenden Konservativen siegten die Liberalen und der erst kurz zuvor auf Justin Trudeau gefolgte Premierminister Mark Carney startete mit Rückenwind in seine erste Amtszeit.
Russland lacht über NATO und Europa: „Härter am Selbstmord der westlichen Zivilisation arbeiten“
Einen Kommentar hinterließ Dmitrijew derweil ebenfalls zu den Neujahrsvorsätzen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die CDU-Politikerin hatte via X versprochen, gemeinsam mit ihrem Team „weiterhin unermüdlich“ daran arbeiten zu wollen, „Europa zu stärken“ – innerhalb des Bündnisses, aber auch global. Das entlockte dem Putin-Gefolgsmann nur diese Feststellung: „Arme Europäer – wenn Ursula verspricht, im Jahr 2026 noch härter am Selbstmord der westlichen Zivilisation zu arbeiten.“
Auf Telegram gab Alexei Puschkow, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, seine Einschätzung zu den Auswirkungen des Streits um Grönland ab und stellte dabei fest: „Europa wird die Folgen seiner eigenen Politik tragen müssen. Hat es den Kosovo von Serbien abgespalten? Libyen zerstört? An der Besetzung des Irak teilgenommen? Den Putsch in der Ukraine unterstützt? Das Völkerrecht missachtet? Nun könnte es selbst den Preis dafür zahlen müssen.“
Haben ebenfalls einiges zu sagen: Die russischen Politiker Andrei Klischas (l.) und Alexei Puschkow melden sich via Telegram zum Thema Grönland zu Wort. © IMAGO / Russian Look (2)
Es hänge allein von Trumps Entschlossenheit ab, wie es mit der größten Insel der Welt weitergehe. Zwar prophezeit Puschkow der NATO eine Krise, doch diese werde nicht lange anhalten und nicht einmal Dänemark werde das Bündnis verlassen.
Russland provoziert wegen Grönland: „Märchen über russische Bedrohung immer noch beliebt?“
Andrei Klischas, Mitglied des russischen Föderationsrats, meldete sich ebenfalls auf Telegram zu Wort. Dort verbreitete er einen X-Post von Katie Miller, der Frau des schon erwähnten Trump-Beraters, in dem Grönland in den Farben der US-Flagge zu sehen ist und dazugeschrieben steht: „BALD“. Provokativ fragte er dazu: „Sind in Dänemark Märchen über die russische Bedrohung immer noch beliebt?“
Erste russische Politiker und Entscheidungsträger nutzen Trumps Gebaren also genüsslich und hoffen nach dem Schock in Caracas nun also offenbar, dass die Grönland-Frage die USA und Europa auseinandertreiben könnte. Für Moskau wäre ein Streit innerhalb des Lagers der Unterstützer von Kiew wohl nicht nur im Hinblick auf den Ukraine-Krieg die bislang beste Nachricht des noch jungen Jahres. (Quellen: X, Pulse of Europe, Telegram) (mg)