Bug eines Schiffes (Symbolbild).

Bug eines Schiffes (Symbolbild).

Getty Images / Andy Andrews

Russland hat ein U-Boot und andere Marine-Einheiten entsandt, um ein mutmaßliches Schiff der russischen Schattenflotte zu eskortieren. Der Fall des Schiffes, das nun unter russischer Flagge fährt, könnte weiterreichende Folgen haben.

  • Laut dem NBC und Wall Street Journal verschärft sich der Konflikt um den Tanker Bella 1.
  • US-Kräfte haben den Tanker geentert, Russland soll zuvor ein U-Boot zur Eskorte des Tankers entsendet haben.
  • Der Tanker entstammt mutmaßlich der russischen „Schattenflotte“, deren Schiffe illegal Öl transportieren.

US-Kräfte haben laut der dem Sender NBC zufolge einen mit Venezuela in Verbindung stehenden Öltanker im Nordatlantik geentert. Unter Berufung auf US-Beamte sei der Tanker „gesichert“ und steuere nun in Richtung Schottland.

Bei dem Schiff handelt es sich um einen stark verrosteten Öltanker, der seit mehr als zwei Wochen versucht, eine von den Vereinigten Staaten durchgesetzte Blockade gegen sanktionierte Schiffe zu umgehen.

Wie das Wall Street Journal berichtet, droht der Fall inzwischen zu einem neuen Streitpunkt in den Beziehungen zwischen Washington und Russland zu werden. Nachdem die US-Küstenwache bereits im Dezember vergangenen Jahres beim Versuch, den Tanker – der als staatenlos galt und Transports von iranischem Schwarzmarkt-Öl unter US-Sanktionen stand – zu beschlagnahmen, gescheitert war, hatte dieser Kurs auf den offenen Atlantik genommen.

Crew änderte den Namen des Tankers in Marinera

Während der Verfolgung brachte die Crew hastig eine russische Flagge am Rumpf an, änderte den Schiffsnamen von Bella 1 in Marinera und ließ den Tanker in Russland registrieren. Nach Angaben eines US-Regierungsbeamten entsandte nun Russland ein U-Boot sowie weitere Marineeinheiten, um den Tanker zu eskortieren.

Zum Zeitpunkt, als die US-Behörden die Verfolgung des Tankers aufnahmen, galt die Bella 1 nach Angaben des Weißen Hauses als staatenloses Schiff, das unter falscher Flagge fuhr und bereits Gegenstand einer richterlichen Beschlagnahmeanordnung der USA war.

Mit der nachträglichen Registrierung des Schiffs in Russland hat sich die rechtliche Ausgangslage jedoch grundlegend verändert. Wie der ehemalige Konteradmiral Fred Kenney, früherer Leiter der Rechtsabteilung der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation erklärte, genieße ein Schiff, sobald es rechtmäßig registriert sei den „Schutz der Flagge.“ Eine frühere Staatenlosigkeit lasse sich nicht rückwirkend geltend machen.

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„Wird Russland regelmäßig eingreifen?“

Ein erneuter Versuch der USA, den Tanker mit Zwang zu betreten, könnte nach Einschätzung von Experten zudem Vergeltungsmaßnahmen Russlands oder verbündeter Staaten wie Iran nach sich ziehen.

„Wird Russland regelmäßig eingreifen und die Schattenflotte schützen? Das würde das Argument untergraben, dass sie legitime Verbindungen zu den Schiffen haben“, sagte William Baumgartner, früherer Chefjurist der US-Küstenwache. Wiederholte Eingriffe dieser Art könnten den Eindruck verstärken, dass Flaggenwechsel weniger aus formalen als aus gezielt taktischen Gründen erfolgen.

Dieser Vorfall ist Teil eines größeren Phänomens, das als „Schattenflotte“ bekannt ist. Dabei handelt es sich nach Ansicht von Experten um eine globale Flotte von über 1000 Tankern mit undurchsichtiger Eigentümerschaft und ohne westliche Versicherung, die oft zum Transport von sanktioniertem oder illegal gehandeltem Öl genutzt werden. Um ihre Aktivitäten zu verschleiern, schalten diese Schiffe Funksignale ab, wechseln ihre Flagge oder laden Öl in schlecht überwachten Gewässern auf andere Schiffe um. Viele dieser Tanker sind über 15 Jahre alt, was das Risiko von Unfällen und Ölverschmutzungen erheblich erhöht. Seit der russischen Invasion der Ukraine und den anschließenden Sanktionen des Westens gegen Russland, kam es zu einer rasanten Zunahme dieser Schiffe in den globalen Gewässern, wie das Wall Street Journal schreibt.

JM