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Das Bürogebäude Timber Pioneer ist das erste Frankfurter Hochhaus in Holzhybridbauweise. © Sven Hasselbach Fotografie
Mit 37 Metern Höhe durchbricht das Timber Pioneer die städtische Richtlinie. Vorgefertigte Elemente machten den Bau zum Lego-Bausatz.
Zwischen Glasfassaden und Betonbauten wirkt das Timber Pioneer im Europaviertel auf den ersten Blick zurückhaltend. Mit 37 Metern Höhe bleibt das Gebäude deutlich unter den Dimensionen klassischer Frankfurter Hochhäuser. Dennoch nimmt es eine Sonderrolle ein: Das Bürohaus an der Europa-Allee ist Frankfurts erstes Holzhybrid-Hochhaus und überschreitet damit die in der Stadt geltende Hochhausrichtlinie von 22 Metern für Holzbauten.
Das Bürogebäude Timber Pioneer ist das erste Frankfurter Hochhaus in Holzhybridbauweise. © Sven Hasselbach Fotografie
Tragende Stützen, Decken und wesentliche Konstruktionselemente bestehen aus Holz. Insgesamt wurden rund 1800 Kubikmeter FSC-zertifizierte Fichte verbaut. „Alles, was Sie im Gebäude holztechnisch sehen, ist tragend“, sagt Steffen Barkholtz, kaufmännischer Projektverantwortlicher beim Entwickler UBM Development. Auch architektonische Details folgen diesem Ansatz. Die markante Treppe im Foyer ist aus Vollholz gefertigt und von der Decke abgehängt. Stahl sei bewusst vermieden worden. „Wir haben hier keinen Stahl, den wir irgendwie verpacken oder betonen. Wenn wir Holz bauen, dann bauen wir auch mit Holz“, erklärt Barkholtz.
Ursprünglich war für das Grundstück ein Hotel vorgesehen. Das Projekt lag bereits in Planung, als die Corona-Pandemie 2020 zu einem vollständigen Baustopp führte. In der Folge wurde das Vorhaben neu konzipiert. Statt Hotel entstand ein Bürogebäude, umgesetzt im Joint Venture mit der Paulus Immobiliengruppe. Parallel änderte UBM seine Unternehmensstrategie grundlegend. „Bis dahin waren wir stark auf Hotels spezialisiert“, sagt Barkholtz. In der Pandemie habe man den Fokus neu ausgerichtet – auf nachhaltige, ressourcenschonende Projekte.
Die Entscheidung für den Holzhybridbau fiel früh in der Neuplanung. Technisch anspruchsvoll war vor allem die Abstimmung zwischen den beteiligten Gewerken. „Das größte Risiko war, dass man einen Holzbauer und einen klassischen Rohbauer zusammenbringen musste“, sagt Barkholtz. Unterschiedliche Toleranzen, Materialeigenschaften und Witterungseinflüsse hätten präzise Koordination erfordert. Gebaut wurde daher in hohem Maß vorgefertigt. Die Holzelemente kamen industriell aufbereitet auf die Baustelle, versehen mit QR-Codes zur exakten Positionierung. „Tatsächlich war es fast wie ein Lego-Bausatz“, beschreibt Barkholtz den Prozess.
Fast wie ein Lego-Bausatz
Der Vorteil zeigte sich vor allem im Zeitplan. Nachdem Anfang 2022 die Decke über dem Erdgeschoss fertiggestellt war, dauerte der eigentliche Hochbau nur wenige Monate. Noch vor Jahresende war die Gebäudehülle geschlossen. Der Bau verlagerte sich damit teilweise von der Baustelle in die Werkhalle – mit kürzeren Bauzeiten und weniger Transporten.
Auch im Betrieb unterscheidet sich das Gebäude von konventionellen Bürohäusern. Holz bleibt in vielen Bereichen sichtbar, zusätzliche Akustikmaßnahmen mussten kaum eingesetzt werden. „Es ist wesentlich ruhiger, alles wirkt gedämpfter“, sagt Barkholtz. Holz nehme Feuchtigkeit auf und gebe sie wieder ab, was das Raumklima beeinflusse. „Die Luft ist eine ganz andere“, erklärt Barkholtz. Das zeige sich auch im Arbeitsalltag.
Der Brandschutz plante der Projektentwickler in enger Abstimmung mit den Behörden. Sichtbare Holzflächen seien möglich gewesen, an sensiblen Stellen der Rettungswege jedoch durch andere Materialien ergänzt oder ersetzt. „Wo es nicht anders ging, haben wir anderes Material verbaut“, sagt Barkholtz. Für Nutzer sei das kaum zu erkennen.
Steffen Barkholtz © privat
Als Ankermieter ist Universal Investment mit rund 9600 Quadratmetern eingezogen. Weitere Flächen nutzt das Bauunternehmen Porr. Im Erdgeschoss befinden sich ein Fitnessstudio und ein Discounter. Noch sind rund 3600 Quadratmeter Bürofläche verfügbar.
Barkholtz sieht das Projekt eingebettet in eine Serie ähnlicher Vorhaben: Weitere Gebäude unter dem Namen „Timber“ sind in Planung oder bereits im Bau – unter anderem in Mainz.