Bad Salzdetfurth – „Bad Salzdetfurth hat eine neue Sehenswürdigkeit. Im Kurpark springt das Niedersachsenpferd aus dem Schnee.“ Diese Nachricht verbreitete sich am Wochenende schnell im Ort. Viele Gäste im Kurpark bewunderten die Schneeskulptur, die tatsächlich wie das springende weiße Pferd vom Wappen des Landes aussieht. Artem Krutikov hat das Kunstwerk am Sonntag geschaffen.

Raus in den Schnee

Als Artem Krutikov am Sonntag aus dem Fenster den Schnee sieht, zieht es ihn mit seinen kleinen Töchtern Alissa (8) und Meia (6) nach draußen. Sie wollen einen Schneemann bauen und dafür gehen sie die wenigen Meter von ihrer Wohnung bis zum Kurpark. Ganz in der Nähe der Bänke, auf denen im Sommer die Zuhörer der Kurkonzerte sitzen, machen sie sich ans Werk.

Die beiden Mädchen rollen Schneekugeln zu stattlichem Rumpf und Kopf. Auch der Vater türmt Schnee auf. Auf dem Display seines Handys ist ein weißes Pferd auf rotem Grund zu sehen. Als er den Korpus fertig hat, greift er zu einem Werkzeug, das eigentlich dazu bestimmt ist, Unkraut aus Fugen zu kratzen. Damit modelliert er Kopf, Beine, Hufe, Körper und Schweif. Spaziergängerin Elvira Geldmacher fragt sich am Morgen, welches Tier ihr Nachbar sich vorgenommen hat. Sie ist überwältigt, als sie schließlich mittags das Ergebnis sieht. Artem Krutikov benötigte dafür knapp drei Stunden.

Figuren und Torten

Im vergangenen Jahr hatte er im Kurpark einen mannshohen Schneemann mit kunstvoller Mütze gebaut. Zwar ist der 38-Jährige kein Künstler, aber er hat ein Händchen für Kunst. Als Konditor fertigt er für das Hildesheimer Villa Café die kunstvollen Torten.

Aus der Ukraine geflohen

Die Geschichte vom Niedersachsenpferd im Bad Salzdetfurther Kurpark wird noch etwas außergewöhnlicher, wenn man die Geschichte der Familie kennt. Denn Artem Krutikov kommt gebürtig aus Omsk in Sibirien. Mit seiner ukrainischen Frau lebte er in deren Heimat und floh 2022 nach Deutschland, kam nach Bad Salzdetfurth.

Als die Familie am Dienstagmittag in den Kurpark geht, um sich vor dem Pferd fotografieren zu lassen, ist von der Skulptur kaum noch etwas übrig. „Oh nein, wie traurig!“, ruft Elvira Geldmacher. Sie fragt sich, wer so etwas Schönes zerstört hat und warum. Auch Alissa und Meia sind traurig, dass das tolle Schneepferd kaputt ist. Kateryna Yakubenko schaut auf ihr Handy. „Am Donnerstag soll es wieder schneien“, sagt sie und lächelt. Dann will die Familie wieder in den Kurpark gehen und wieder etwas aus Schnee bauen.