Essen (NRW) – Medizinstudent Paul S. (23) will Arzt werden, verletzten Menschen helfen. Doch ob er jemals selbst lange im OP stehen kann, ist seit Weihnachten ungewiss. Paul wurde Opfer brutaler Schläger. Sein Knie ist zertrümmert, wird von Schrauben und Platten zusammengehalten. Neben dem Bett steht ein Rollstuhl. Jetzt hat Pauls Mutter 10.000 Euro Belohnung für Hinweise zu den Tätern ausgesetzt.

Denn ob man die Männer jemals fassen wird, ist ungewiss. Wegen einer offenbar falschen Einschätzung der Notärztin wurden in der Tatnacht weder Zeugen vernommen, noch Videoaufnahmen gesichert.

Am 20. Dezember kommt Paul S. mit zwei Freunden aus einem Irish Pub. Auf dem Heimweg, gegen 3 Uhr, wollen sie sich aus einem Spätverkauf im Essener Stadtteil Rüttenscheid noch ein Getränk kaufen. „Da standen bestimmt 20 Leute davor, alles wirkte entspannt, man unterhielt sich“, sagt Paul. „Doch plötzlich beleidigte ein Typ erst meinen Kumpel und dann mich. Ich habe dann gesagt, er soll doch bitte damit aufhören.“

Im Röntgenbild sieht man die verheerende Verletzung nach der Operation, viele Nägel, Schrauben und Platten halten die zertrümmerten Teile zusammen

Im Röntgenbild sieht man die verheerende Verletzung nach der Operation. Nägel, Schrauben und Platten halten den zertrümmerten Knochen zusammen

Foto: Privat

Sekunden später trifft die Faust des jungen Mannes Pauls Schläfe. „Dann sind bestimmt acht Leute auf mich drauf. Von überall kamen Schläge und Tritte, ich ging dann zu Boden.“ Als seine beiden Freunde eingreifen, werden auch die verprügelt. „Zum Glück ließen die Schläger dann von mir ab und flüchteten.“

Alle gaffen, keiner greift ein, niemand wählt den Notruf

Von den vielen umstehenden Zeugen greift keiner ein oder wählt den Notruf. Das macht der verletzte Student dann selbst. Doch das Drama ist damit noch lange nicht vorbei.

Denn die Notärztin erkennt die Schwere der Verletzung offenbar nicht. Paul solle sich nicht so anstellen, das sei nur eine Prellung. „Sie hat mir sogar Schmerzmittel verweigert.“ Erst im Essener Krupp-Krankenhaus ist klar: Das Knie ist siebenfach gebrochen, der Meniskus gerissen, die Kreuzbänder auch.

Vor diesem Kisok auf der Rüttenscheider Straße in Essen geschah der feige brutale Angriff, Tatzeit war der 20. Dezember gegen 2.30 Uhr in der Nacht

Vor diesem Kiosk auf der Rüttenscheider Straße in Essen geschah der brutale Angriff, Tatzeit war der 20. Dezember gegen 2.30 Uhr nachts

Foto: Justin Brosch / ANC-NEWS

„Stärker kann man ein Knie nicht verletzen“

Offenbar sind die Angreifer mit voller Wucht auf Pauls Bein gesprungen. „Stärker kann man ein Knie nicht verletzen“, sagen die Ärzte. Die operieren den jungen Mann fünf Stunden lang. Dann ist klar: Paul braucht ein künstliches Knie, wird wohl nie wieder Fußball spielen oder joggen können. „Mein Sohn will Chirurg werden“, sagt seine Mutter Jeanine S. (46), die selbst Medizinerin ist. „Da muss man stundenlang im OP stehen. Ob er das jetzt mit diesen lebenslangen Folgen überhaupt kann, weiß niemand.“

Die Polizei vernimmt keinen der Zeugen

Weil die Notärztin aber erst von einer leichten Verletzung ausgegangen war, hat die Polizei am Tatort keine Zeugen vernommen und auch keine Videoaufnahmen gesichert. Die sind inzwischen überschrieben worden. Zudem hat die Polizei erst nach über zwei Wochen einen Zeugenaufruf veröffentlicht. Dabei war schon kurz nach der Tat klar, wie schwer der Student verletzt worden war.

Paul hat immer noch Schmerzen, sein zertrümmertes Knie ist innen wie außen fixiert, die Ärzte befürchten, dass er bald ein künstliches Kniegelenk braucht

Paul hat immer noch Schmerzen, sein zertrümmertes Knie ist innen wie außen fixiert, die Ärzte befürchten, dass er bald ein künstliches Kniegelenk braucht

Foto: Justin Brosch / ANC-NEWS

Mutter setzt 10.000 Euro Belohnung aus

Pauls Mutter hat aus Verzweiflung über die Ermittlungspannen inzwischen 10.000 Euro Belohnung ausgesetzt: „Ich kann Zeugen und Mitwisser nur eindringlich bitten: Melden Sie sich bitte, notfalls anonym, wir brauchen Ihre Hilfe!“

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Die beiden Hauptverdächtigen sind laut Polizei 16 bis 20 Jahre alt und 1,75 bis 1,85 Meter groß. Beide sollen schwarze, lockige Haare und ein südländisches Erscheinungsbild haben. Zur Tatzeit trugen sie eine schwarze Jacke und eine dunkle Hose. Zwei weitere Mittäter trugen einen Oberlippen-, sowie einen Kinnbart. Einer hatte kurze Haare und war eher klein. Laut Zeugen waren in der Personengruppe auch zwei Frauen, die sich allerdings an den körperlichen Übergriffen nicht beteiligten. Eine der Frauen soll dunkle, lange Haare gehabt haben.

Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 34 unter Tel. 0201/8290 entgegen.

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