Standdatum: 7. Januar 2026.
Autorinnen und Autoren:
Sebastian Manz
Ein Vater und sein Sohn müssen sich seit Mittwoch wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Bremen verantworten.
Bild: Radio Bremen
Vor dem Bremer Landgericht hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche Zuhälter begonnen. Sie sollen im letzten Sommer eine Prostituierte und deren Ehemann niedergestochen haben.
Zwei Männer, Vater und Sohn, müssen sich seit Mittwoch vor dem Bremer Landgericht wegen versuchten Mordes in zwei Fällen und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die 22 und 39 Jahre alten Männer sollen im Juli 2025 versucht haben, eine Prostituierte und ihren Mann mit Messerstichen zu töten. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Hintergrund soll demnach ein Machtkampf im Rotlichtmilieu der Helenenstraße im Steintorviertel sein. Dort arbeitete die Frau bis zu der Tat als Prostituierte.
„Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass die beiden Angeklagten eine Bestrafungsaktion durchgeführt haben, weil sich die Geschädigte geweigert habe, für den älteren der beiden Angeklagten als Prostituierte zu arbeiten“, sagt Gerichtssprecher Benjamin Steinhilber. Demnach seien die beiden Angeklagten im vergangenen Juli gegen 4:40 Uhr morgens gewaltsam in die Wohnung des Ehepaares im Stadtteil Walle eingedrungen. Sie hätten ihn im Schlaf überrascht, gab der 45-jährige Betroffene vor Gericht an. Insgesamt neun Messerstiche in Oberkörper und Arme habe er erlitten.
„Der ist tot, wir können gehen“
Danach seien die Angeklagten über seine Frau hergefallen und hätten auch sie niedergestochen. Erst als ein herbeigeeilter Nachbar die beiden Täter angeschrien habe, hätten sie von dem Ehepaar abgelassen. Auch der Nachbar sei durch Messerstiche verletzt worden. Die Angeklagten hätten im Anschluss mit Blick auf den blutüberströmten Ehemann gesagt: „Der ist tot, wir können gehen“, und hätten das Haus verlassen.
Das Leben der Eheleute konnte nur durch stundenlange Notoperationen gerettet werden. Der Frau mussten die Ärzte die Milz entfernen, außerdem erlitt sie schwere Verletzungen an Lunge und Leber. Auch ihr Mann klagt über Atemprobleme, weil ein Stich seine Lunge getroffen habe. Außerdem könne er mit seinem rechten Arm nichts mehr greifen, weil Sehnen und eine Arterie irreparabel beschädigt worden seien.
Die Angeklagten äußerten sich heute nicht zu den Vorwürfen. Die mutmaßlichen Täter und ihre Opfer stammen alle aus derselben Stadt in Bulgarien. Man kenne sich seit langer Zeit, sei aber nicht befreundet, gab der 45-Jährige Betroffene an.
Undurchsichtige Verhältnisse in der Helenenstraße
Die Tat wirft ein neues Licht auf die Verhältnisse in der Helenenstraße. Jahrzehntelang galt das Areal als vorbildlich, weil die Frauen dort selbstständig, also frei von Zuhältern, arbeiten sollten. Doch mit der EU-Osterweiterung in den 2000er-Jahren kamen immer mehr Frauen, etwa aus Bulgarien – und mit ihnen Männer, die häufig eine undurchsichtige Rolle im Hintergrund spielen. Im aktuellen Prozess vor dem Landgericht wird nun von Zeugen, aber auch der Staatsanwaltschaft offen thematisiert, dass in der Helenenstraße Zuhälter agieren und mutmaßlich auch bereit sind, tödliche Gewalt anzuwenden, um ihre Interessen durchzusetzen.
Der Prozess wird am 14. Januar fortgesetzt.
Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 7. Januar 2026, 19:30 Uhr