Schneesturmtief „Elli“: So bereitet sich Schleswig-Holstein vor | ndr.de
Stand: 07.01.2026 18:17 Uhr
Schon jetzt haben Notaufnahmen mehr zu tun als an normalen Tagen. Einige Züge fallen aus. Mit Blick auf das Ende der Woche bereiten sich auch Streudienste und Gemeinden auf den angekündigten Schneefall vor.
Überall ist es weiß, Neuschnee fällt in einigen Teilen des Landes, und auf den Nebenstraßen ist es weiterhin glatt. Der Winter beschäftigt die Schleswig-Holsteiner – auch mit Blick auf das Ende der Woche. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass wir am Freitag 50 Zentimeter Neuschnee kriegen, dazu Windstärke 11 aus Ost“, sagt der Bürgermeister von Medelby (Kreis Schleswig-Flensburg), Finn Jensen (CDU). „Das bedeutet für uns: Wenn es doof läuft, können wir hier eingeschneit werden.“

Am Freitagmorgen erreicht Schleswig-Holstein ein markantes Wettertief. Der Schneesturm kann blizzard-ähnliche Verhältnisse auslösen.
Bei Extremwetter könnten Streudienste nicht hinterherkommen
So wie Medelby bereiten sich auch andere Gemeinden im Land auf die angekündigten Schneefälle vor. Notaufnahmen berichten, dass sie deutlich mehr zu tun haben als an normalen Tagen. Die Paracelsus Klinik in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg), das Krankenhaus Reinbek St. Adolf Stift (Kreis Stormarn) oder die Regio Kliniken in Elmshorn und Pinneberg (Kreis Pinneberg) berichten von etwa 50 Prozent mehr Patienten in ihren Notaufnahmen aktuell, meist handele es sich dabei um Brüche. Die Autobahn GmbH betont, ihre Streudienste führen bei jeder Wetterlage raus. Wenn viel Schnee falle, sollten sich Autofahrer aber trotzdem darauf einstellen, dass nicht immer alle Straßen geräumt sein könnten.

In den Notaufnahmen im Land wird es voller. Nicht nur alte Menschen stürzen auf den rutschigen Straßen und Gehwegen.
FAQ: Wetter und Schnee in SH
NAH.SH warnt vor Reisen mit dem Nahverkehr zum Ende der Woche. „Wir werden Beeinträchtigungen im Betrieb haben – bis hin zu Betriebseinstellungen“, kündigt Arne Beck von NAH.SH an. Fahrgäste sollten nach Möglichkeit zu Hause bleiben. Und die Deutsche Bahn (DB) teilt mit, dass Züge im Regional- und Fernverkehr aufgrund der Witterung ausfallen oder verspätet fahren – bis zum 11. Januar. „Aufgrund vereister Fahrzeuge fahren wir zudem mit eingeschränkten Kapazitäten“, heißt es auf der Webseite. Die Bahn bittet Reisende, von nicht notwendigen Fahrten abzusehen und sich vor Reiseantritt über die Verbindung zu informieren – online oder über (04 31) 53 44 05 00.
Betroffene Linien (Stand 7.1.):
- RE 6 Westerland/Sylt – Hamburg-Altona: Verspätungen, Zugausfälle, verringerte Fahrzeugkapazitäten
- RB 62 Heide/Holst – Itzehoe: Verspätungen, Zugausfälle, verringerte Fahrzeugkapazitäten
- RE 7/RE 70 Flensburg/Kiel Hbf – Hamburg Hbf: ab dem 08. Januar verringerte Wagenanzahl
Gebrochene Unterarme, Handgelenke, Schultern oder Sprunggelenke – gut 50 Prozent mehr Patienten behandeln die Notaufnahmen vieler Krankenhäuser in Schleswig-Holstein seit den Wintertagen. Das berichten zum Beispiel die Paracelsus Klinik in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg), das Krankenhaus Reinbek St. Adolf Stift (Kreis Stormarn) oder die Regio Kliniken in Elmshorn und Pinneberg (Kreis Pinneberg). Mit Blick auf die Wetterlage am Freitag sagt Domagoj Schunk von der Notaufnahme des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, die Schichten seien normal besetzt, aber es gebe auch viel Personal, das außerhalb von Kiel lebe. Ob die am Freitag trotz Wetter alle pünktlich zur Arbeit erscheinen, sei nicht gewiss. „Wir schauen, dass wir Vertretungen organisieren, die in Fußnähe wohnen und im Notfall einspringen können.“
Die Streudienste arbeiten zum Teil mit Subunternehmen, um „die maximale Leistung auf die Straße zu kriegen“, wie Christian Hieff von der Autobahn GmbH sagt. „Wir fahren bei jeder Wetterlage raus. Allerdings ist es so, dass wir bei Extremwetterlagen, wenn zuviel Schnee nachkommt, nicht garantieren können, dass die Straßen frei sind“, betont Hieff. „Im Normalfall versuchen wir mit Lauge zu arbeiten, das ist umweltfreundlicher. Bei besonderen Wetterlagen kann es auch sein, dass wir tatsächlich dazu übergehen, richtig zu streuen, mit reinen Salzkörnern.“
Hausbesitzer sind gesetzlich dazu verpflichtet, Gehwege an ihrem Grundstück zu räumen und zu streuen. Einheitliche Vorschriften zum Wann und Wie gibt es nicht, jede Gemeinde erlässt eigene Regeln. In Norderstedt (Kreis Segeberg), Neumünster, Flensburg und Kiel beispielsweise dürfen Anwohner ihre Gehwege in der Regel nur mit umweltfreundlichen Mitteln wie Sand oder Splitt streuen. Ausnahmen gibt es zum Beispiel bei Eisregen oder an richtig gefährlichen Stellen wie Treppen, Brücken oder Rampen. Da darf man Salz streuen. Diese Ausnahmeregelung steht ebenfalls in der jeweiligen Straßenreinigungssatzung.
Freitagfrüh wird das Schneesturmtief „Elli“ wohl über die Elbe treten und Schleswig-Holstein erreichen und starken anhaltenden Schneefall mit sich bringen. NDR Wetterexperte Sebastian Wache prognostiziert Schneefall eher für das südliche Schleswig-Holstein. Er rechnet mit zehn bis vereinzelt 20 Zentimetern Neuschnee in den Kreisen Steinburg, Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg. „Je weiter wir nach Norden und Osten schauen, desto trockener bleibt es dort auch“, sagt er. Vor allem im Kreis Nordfriesland warnt Wache vor Schneeverwehungen. Und er erwartet höhere Wasserstände am Freitag. An der Ostseeküste werden die Pegel demnach um Mitternacht zwischen Freitag und Sonnabend ihren Höhepunkt erreichen – mit einem Wasserstand von 120 bis 130 über Normalnull in Flensburg und 110 bis 120 über Normalnull bei Lübeck. „Im Laufe des Freitagabends zieht das Tief allmählich weiter.“ Am Sonnabend erwartet der Wetterexperte aber noch eine weitere „Schneeschauerstraße, die sich einmal quer über das Land legen wird.“
Kühlschränke sind voll gepackt
Trotz der angekündigten Schneefälle sollen in Medelby – nach jetzigem Stand – Kita und Schule im Bildungszentrum geöffnet bleiben. Falls es stärker schneit als erwartet, könnten die Kinder hier im Notfall auch länger als geplant betreut werden. „Wir haben jetzt ein Team von vier Leuten auf jeden Fall hier, die auch in der Schule bleiben, die könnten die Kinder betreuen. Und wir haben der Hauswirtschaftlerin gesagt, sie soll die Kühlschränke bitte so voll packen, dass wir 200 Leute mindestens drei Tage durchfüttern können“, so Bürgermeister Finn Jensen. Bis dahin packen Jensen und andere freiwillige Medelbyer mit Schneeschaufel und Trecker auch selbst mit an – um die Wege und Bürgersteige ihrer Gemeinde eisfrei und schneefrei zu halten.

Bei Schnee und Eis müssen Anlieger tagsüber die Gehwege vor ihrem Grundstück räumen. Die wichtigsten Regeln im Überblick.

Das Betreten von Eisflächen ist momentan lebensgefährlich. Über eine Freigabe entscheidet die jeweilige Gemeinde.

Wegen Schnee und Glätte fragen sich einige Eltern, ob die Schule ganz normal stattfinden kann – die Schulbehörde ist vorbereitet.

Der Schnee ist da: Wo man in Schleswig-Holstein jetzt rodeln kann – Tipps von Stadtparks bis Deichen.

Winter extrem: Ein plötzlicher Temperaturabfall stürzt den Norden ab Ende Dezember 1978 ins Chaos. Im Februar 1979 schneit es erneut.

Am Freitagmorgen erreicht Schleswig-Holstein ein markantes Wettertief. Der Schneesturm kann blizzard-ähnliche Verhältnisse auslösen.

Ab morgen Abend zieht starker Schneefall über den Norden, dazu wird es stürmisch – und eisig kalt. Die Deutsche Bahn schränkt ihren Fernverkehr vorsorglich ein.

Nah.SH warnt vor Reisen mit Bus und Bahn. Streudienste planen Sonderschichten. Auch Kommunen treffen Vorkehrungen für das Extremwetter.

In den Notaufnahmen im Land wird es voller. Nicht nur alte Menschen stürzen auf den rutschigen Straßen und Gehwegen.

Auch Anfang 2026 kommt es in Schleswig-Holstein zu Zugausfällen und Ersatzverkehr. Diese Strecken sind betroffen.

Der Wintereinbruch hatte am Wochenende dafür gesorgt, dass fast 18 Stunden lang kein Bus fahren konnte. Jetzt ergreift die Stadt Maßnahmen.

